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Neuenkirchener Eltern sauer: Kita fehlt Personal für Betreuung

45 Mädchen und Jungen des Kindergartens Regenbogen mussten vergangene Woche zu Hause bleiben. 6 Erzieherinnen waren krank beziehungsweise dienstunfähig.

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Problematische Zeiten: In vielen Kindergärten fehlt das Fachpersonal. Eltern der Kinder der Kita Regenbogen protestieren dagegen bei der Kirchengemeinde als Trägerin. Foto: dpa/Vennenbernd

Problematische Zeiten: In vielen Kindergärten fehlt das Fachpersonal. Eltern der Kinder der Kita Regenbogen protestieren dagegen bei der Kirchengemeinde als Trägerin. Foto: dpa/Vennenbernd

Die Elternschaft des Neuenkirchener Kindergartens Regenbogen schlägt Alarm. Man habe sich zusammengetan und wegen des Personalnotstandes einen Brief an das Offizialat Vechta und an Pfarrer Heiner Zumdohme von der katholischen Kirchengemeinde St. Viktor geschrieben, die die Trägerin der Einrichtung ist, teilte Nicole Angelbeck als Sprecherin der Eltern mit.

"Seit einigen Wochen tobt die Krankheitswelle durch die Einrichtung", heißt es. Die Erzieherinnen und Erzieher seien davon betroffen. Somit könnten Kinder nicht betreut werden, da seit langer Zeit die Vertretungsstelle nicht besetzt sei. "Wir als Eltern wollen und können die Personalsituation nicht mehr hinnehmen und sehen Handlungsbedarf", ist in dem Brief zu lesen.  

Ausschreibungen werden aus Elternsicht zu wenig beworben

Alle wüssten Bescheid: Erzieherinnen und Erzieher seien Mangelware, schreiben die Eltern. Der Verband "Bildung und Erziehung" habe mit der Veröffentlichung einer Befragung von Kita-Leitungen im Jahr 2018  darauf aufmerksam gemacht.  

Trotzdem: In Neuenkirchen würden Ausschreibungen für
Erzieherstellen in den katholischen Kindertagesstätten nicht genug beworben, werfen die Eltern den Verantwortlichen vor. Das bemängelten sie im Übrigen bereits seit 2016.  Seitdem sprächen Eltern darüber mit unterschiedlichen Ebenen.

Die Situation entspanne sich je nach Jahreszeit immer mal wieder,
gerade aber zu den Herbst- und Wintermonaten spürten alle Beteiligten den Personalmangel. So wie zurzeit. Es sei wieder so, dass in der Kindertagesstätte Regenbogen die Eltern
gebeten werden müssten, die Kinder zu Hause zu betreuen.

Betreuung ist kurzfristig schwer zu organisieren

"Dieses ist für alle Elternteile sehr bedauerlich, da das kurzfristige Informationen sind und so eine anderweitige Fremdbetreuung oftmals schwer bis gar nicht möglich ist", kritisieren die Eltern in ihrem Brief.

Die Krippeneltern betreffe die Schließung beziehungsweise die Bitte der Selbstbetreuung doppelt, denn diese müssten den monatlichen Krippenbeitrag auch bei Abwesenheit zahlen. Das habe die Abrechnungsstelle deutlich mitgeteilt. Der Kindergartenbesuch dagegen ist beitragsfrei.

Vergangene Woche mussten 45 Kinder zu Hause bleiben

Aus dem Kindergarten Regenbogen hieß es, besonders problematisch sei die Situation in der vergangenen Woche gewesen. Da fehlten 6 Erzieherinnen. Das bedeutete: 45 Mädchen und Jungen mussten zu Hause bleiben und dort von den Eltern betreut werden. In der laufenden Woche sind es 3 Kräfte, deren Ausfall sich dem Vernehmen nach kompensieren lässt.

"Wir reden von Betreuung, nicht von Bildungsarbeit", sagte eine Mitarbeiterin im Kindergarten Regenbogen, in dem eine Stelle derzeit unbesetzt ist. Nach der nur höchst eingeschränkten Betreuung wegen Corona im vergangenen und in diesem Jahr "ist das eine Vollkatastrophe".

Eltern verstehen Personalpolitik nicht

"Für uns als Eltern ist es nicht nachvollziehbar, dass die Bemühungen um neue Fachkräfte und um das Halten der vorhandenen Fachkräfte gerade in der heutigen Zeit mit der seit Jahren prognostizierten und bekannten Situation so wenig vorangetrieben werden", heißt es in dem Schreiben der Eltern.

Auch die guten Kräfte vor Ort sollten Bedingungen erleben, in denen sie gern arbeiten, Wertschätzung erfahren und angemessen bezahlt werden. Die zu besetzenden Stellen sollten attraktiver gestaltet werden, sodass sich Bewerberinnen für die Einrichtung entscheiden und einen für sie akzeptablen Arbeitsplatz erhalten, denn zufriedene Erzieherinnen und Erzieher bedeuteten zufriedene Kinder und damit auch zufriedene Eltern, erklären die Eltern. 

Aktuell sei die Belastbarkeit in einigen Gruppen deutlich überschritten. Fürsorge nicht nur gegenüber Kindern, sondern auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern sehe anders aus. Von einem Bildungsauftrag und Qualität in Kindertagesstätten, den sich alle Träger und politisch Verantwortlichen immer gerne auf die Fahne schreiben, könne oft schon gar keine Rede mehr sein, kritisieren die Eltern. 

"Wir finden kein Personal mehr."Pfarrer Heiner Zumdohme

Dazu erklärte Pfarrer Zumdohme, es sei völlig falsch zu behaupten, die Kirchengemeinde kümmere sich nicht um weitere Erzieherinnen für die Kindergärten in ihrer Trägerschaft. Die Ursache sei der Fachkräftemangel, der jetzt voll durchschlage. Inzwischen würden Träger der Einrichtungen schon gegenseitig Personal abwerben.

"Wir finden einfach kein Personal mehr", betonte der Pfarrer. Hinzu komme die Undurchschaubarkeit bei den Zugangsvoraussetzungen.

So habe sich bei der Pfarrgemeinde eine Sozialpädagogin beworben wegen einer Stelle als Vertretungskraft im Kindergarten Regenbogen.
Sie strebte dem Vernehmen nach eine 10-Stunden-Stelle an.

Sozialpädagogin fehlen Voraussetzungen für Arbeit im Regenbogen

Obwohl sie bereits in einem Betriebskindergarten tätig gewesen sei, dürfe die Pfarrgemeinde sie nach einem Bescheid der zuständigen Landesschulbehörde nicht einstellen, weil sie trotz Sozialpädagogikstudiums nicht die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt habe, um im Kindergarten Regenbogen zu arbeiten. Pfarrer Zumdohme rief die Behörden auf, Lockerungen in Kraft zu setzen.

Das hat nach eigenen Worten auch Martin Wiewerich, der Leiter des Amtes für für Familie, Soziales, Integration und Teilhabe der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden, in einem Gespräch mit der Landesschulbehörde angeregt.

Wiewerich erwartet weitere Verschärfung des Fachkräftemangels

Er sieht noch eine Verschärfung des Fachkräftemangels auf die Gemeinden zukommen, wenn demnächst die Erzieherinnen und Erzieher aus den geburtenstarken Jahrgängen aus dem Beruf ausscheiden.

Auch deshalb befürchtet er: Es könnte durchaus sein, dass die Kommunen zwar ihren Verpflichtungen nachkommen und ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung stellen könne, diese aber gar nicht besetzt werden können, weil es zu wenig Fachkräfte gibt.

Die Kirchengemeinde St. Viktor werde zukünftig wohl mit Zeitarbeitsfirmen kooperieren, um so freie Erzieherinnen- und Erzieherstellen zu besetzen, kündigte Pfarrer Zumdohme an. Denn es  gebe das Problem der fehlenden Fachkräfte nicht nur in Neuenkirchen, sondern in vielen anderen Orten auch.

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