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Neue Struktur im Rettungsdienst: Versorgung im Stufensystem

Die Großleitstelle Oldenburger Land wertet Daten seit 2016 aus. Nun wurde eine neue Notrufabfragesoftware eingeführt, um die Einsätze weiter zu koordinieren.

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Erste Erfolge: Gemeindenotfallsanitäter sind seit einiger Zeit auch im Landkreis Cloppenburg stationiert. Symbolfoto: Assanimoghaddam/dpa

Erste Erfolge: Gemeindenotfallsanitäter sind seit einiger Zeit auch im Landkreis Cloppenburg stationiert. Symbolfoto: Assanimoghaddam/dpa

Einen deutlichen Anstieg an Rettungsdiensteinsätzen verzeichnet die Großleitstelle Oldenburger Land in den vergangenen Jahren. Die zentrale Einrichtung in Oldenburg ist unter anderem auch für den Landkreis Cloppenburg zuständig (siehe Fakten).

Im Zusammenhang mit diesen steigenden Zahlen sollen die Einsätze weiter strukturiert werden. „Der Rettungsdienst versieht derzeit zum großen Teil Aufgaben, die über das ursprüngliche Spektrum weit hinausgehen. Statt einer Versorgung von Patienten in akut medizinischen Notfällen, wird der Rettungsdienst immer häufiger für alle Arten von Hilfeersuchen angefordert“, erklärt Leitestellenleiter Frank Leenderts in einer Pressemitteilung.

Bereits 2016 hatten sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, gemeinsam mit wissenschaftlicher Unterstützung die Leistungen zu strukturieren. Ziel sind trägerübergreifende, bedarfsgerechte und qualitätssichernde Lösungen. „Auch Krankenkassen begleiten die Veränderungen bis heute“, so Leenderts weiter.

Bedarfsgerecht, qualitätssichernd und trägerübergreifend

Wichtig sei die Entwicklung eines tragfähigen und zukunftsorientierten Systems. Seit geraumer Zeit werde auch von Kassenärzten, Kliniken, Politik und Versorgungsforschern eine Neustrukturierung der notfallmedizinischen Versorgung als zwingend erforderlich angesehen. Zudem würden auf Landes- und Bundesebenepolitische Empfehlungen für die Veränderungsprozesse vorbereitet.

Für den Reformbedarf gibt es laut Leenderts viele Gründe: die demografische Entwicklungen, eine mangelnde Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung, ein geändertes Anspruchsdenken der Hilfeersuchenden und die Zentralisierung der Strukturen

Die im Oldenburger Land gestarteten Analysen und eigenen Forschungsergebnisse, aber auch die aktuellen Erkenntnisse, würden die dringende Notwendigkeit eines gestuften Versorgungssystems zeigen.

Demnach sollen Notarztfahrzeuge und Rettungswagen zukünftig ausschließlich für lebensbedrohliche und somit zeitkritische Einsätze eingesetzt werden. „Die Grundlage aller Planung ist nach wie vor die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist von durchschnittlich maximal 15 Minuten in den jeweiligen Rettungsdienstbereichen“, sagt Leenderts. Die bisherige Auswertung habe auch gezeigt, dass die Einführung einer gebietsübergreifenden Flotte für Krankentransporte und planbare Einsätze erforderlich ist.

Zudem müssten flächendeckend Notfall-Krankentransportwagen für dringliche, aber nicht lebensbedrohliche Notfälle, in einem Zeitfenster von 30 Minuten vorgehalten werden. Bei dieser Einführung habe man bereits ein Projekt aus Hannover als Grundlage nutzen können. „Hier werden seit längerer Zeit Notfallkrankentransportwagen, die mittlerweile im Rettungsdienstgesetz aufgenommen wurden, eingesetzt“, erklärt Leenderts. Bereits laufende Projekte, wie die Gemeindenotfallsanitäter in den Landkreisen Cloppenburg und Ammerland sowie Stadt Oldenburg, weisen zudem erste Erfolge auf.

Wie Leenderts weiter mitteilt, werden die derzeit mitwirkenden Leistungserbringer auch in einem zukünftigen System „eine wertvolle Rolle“ einnehmen. So bleibe sichergestellt, dass bei einem Notfallgeschehen das schnellstmögliche und bestqualifizierte Rettungsmittel bei den Bürgerinnen und Bürgern eintrifft.

Verschiedene Arten von Einsätzen bewerten und planen

Um jeweiligen Situationen bewerten und das richtige Einsatzmittel schicken zu können, wurde in der Großleitstelle eine neue Notrufabfragesoftware eingeführt. Das bereits in vielen ähnlichen Einrichtungen implementierte Abfragesystem „ProQA“ liefere neben standardisierten Abfragen umfangreiche Hilfestellungen sowie medizinische Anleitungen zur Ersten Hilfe.

Auch der Verwaltungsrat der Großleitstelle habe jüngst die Wichtigkeit der Zusammenarbeit aller sechs Trägerkörperschaften unterstrichen. Die Entwicklungen würden weiterhin bewertet. „Für mehr Transparenz und Vertrauen sind in naher Zukunft Auswertungen und Statistiken in einem öffentlichen Internetportal geplant“, erklärt Leenderts abschließend.


Fakten:

  • Die Großleitstelle Oldenburger Land (AöR) ist die für die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie die kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg zuständige Feuerwehr- und Rettungsleitstelle.
  • Auf einer Fläche von rund 4200 Quadratkilometern werden die Notrufe und Hilfeersuchen aus den Bereichen Brandschutz, Hilfeleistung, Rettungsdienst und Krankentransport für über 735.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bearbeitet.

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