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Neue Broschüre soll vor Giftködern warnen

Die Stadt Vechta will eine Aufklärungskampagne für Hundehalter finanziell unterstützen. Die Verwaltung stellt jedoch infrage, ob tatsächlich eine Gefahr besteht.

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Gefährlicher Haufen: Immer wieder kommt es in der Stadt Vechta zur Auslegung von verdächtigen Substanzen, wie hier am Langen Damm in Telbrake. Die Politik hat nun über die Information von Hundehaltern beraten.  Foto: privat

Gefährlicher Haufen: Immer wieder kommt es in der Stadt Vechta zur Auslegung von verdächtigen Substanzen, wie hier am Langen Damm in Telbrake. Die Politik hat nun über die Information von Hundehaltern beraten.  Foto: privat

Es ist ein Glücksfall, dass Lennox noch lebt. Als der Labrador bei einem Spaziergang im Oktober an einem Wegesrand in Telbrake einen Giftköder verschluckt, erkennt sein Frauchen die Situation sofort. Die Besitzerin weiß genau, was zu tun ist. Sie bringt ihren vierbeinigen Liebling sofort zum Tierarzt und bewahrt ihn damit vor dem Tod. Doch offenbar handeln nicht alle Hundehalter so geistesgegenwärtig. Darum will die Stadt Vechta nun eine Aufklärungskampagne unterstützen.

Der Verwaltungsausschuss hat sich für die Entwicklung einer Broschüre ausgesprochen und ist damit einer Empfehlung des Ausschusses für Familie, Gesundheit und Soziales gefolgt. Den Flyer will die Kommune aber nicht selbst entwickeln. Stattdessen soll der Hundesportverein Lohne-Langförden einen Zuschuss von maximal 500 Euro erhalten und die Informationen über den Umgang mit Giftködern verbreiten.

Der Beschluss beruht auf einem Antrag der SPD-Fraktion. Sie hat mehrere präventive Maßnahmen angeregt, um die Bevölkerung auf die Gefahrenquellen aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Dazu sollte neben der Broschüre zunächst auch die Erstellung eines digitalen Giftköder-Atlas gehören, der eine Auflistung von registrierten Fällen im Stadtgebiet enthält.

Einen Atlas wird es allerdings nicht geben. Die Verwaltung sieht sich eigenen Angaben zufolge nicht in der Lage, ein solches Werk zu erstellen und zu pflegen, da nicht ohne Weiteres festgestellt werden könne, ob sich hinter einer Fundmeldung aus der Bevölkerung tatsächlich ein Giftköder verbirgt. Um Klarheit zu bekommen, müssten die entdeckten Substanzen stets labortechnisch untersucht werden.

Untersuchung der Funde wäre kostenintensiv

Die Beauftragung eines Labors, das zum Fundort fahre, den Giftköder fachgerecht aufnehme und dann untersuche sowie die zwischenzeitliche Sicherung des Materials seien personal- und kostenintensiv, erläutert die Verwaltung. Außerdem sei eine Häufung von Fehlmeldungen zu vermuten, da es sich oftmals nicht um Giftköder, sondern beispielsweise nur um ein weggeworfenes Lebensmittel handele.

Im Übrigen sieht die Stadtverwaltung keine unmittelbare Zuständigkeit für derartige Maßnahmen, weder aus dem Gesetz noch aus dem Gefahrenabwehrrecht. Sie weist darauf hin, dass das Thema von der Polizei im Rahmen der Strafverfolgung bearbeitet werde. „Ein besorgter Bürger kann die Funde also bereits bei der Polizei melden und dort auch Informationen erhalten“, heißt es aus dem Rathaus.

Laut Fachdienstleiter Stefan Thole hat eine Nachfrage bei der Polizei ergeben, dass von Februar bis Oktober 2021 insgesamt neun Funde vermeintlicher Giftköder in Vechta bekannt geworden seien. In allen Fällen seien reisähnliche Substanzen entdeckt worden. In drei Fällen habe die Polizei die Funde kostenpflichtig untersuchen lassen. Das Ergebnis sei jeweils negativ gewesen, es seien hier also keine Giftstoffe festgestellt worden.

„Aus den Ermittlungen der Polizei kann der Schluss gezogen werden, dass es im Bereich der Stadt Vechta tatsächlich derzeit keine Giftköderproblematik gibt.“Stefan Thole, Fachdienstleiter der Stadt Vechta

Es bestehe die Vermutung, dass es einen Mitbürger gebe, der sich unter anderem in den Gebieten Telbraker Moor, Füchtel, Schweriner Straße und Siebengestirn über abgelegten Hundekot ärgere und die Halter verängstigen wolle. Eine tatsächliche Schädigungsabsicht scheine zum Glück nicht vorhanden zu sein. „Aus den Ermittlungen der Polizei kann der Schluss gezogen werden, dass es im Bereich der Stadt Vechta tatsächlich derzeit keine Giftköderproblematik gibt“, erklärt der Fachdienstleiter.

Marion Hermes (SPD) sieht dennoch ein großes Informationsinteresse in der Bevölkerung. Das hätten die Gespräche ihrer Parteifreunde mit Vertretern des Hundesportvereins Lohne-Langförden bestätigt, erklärt die Ratsfrau im Ausschuss für Familie, Gesundheit und Soziales. Auch Anna Frohn (CDU) begrüßt eine Förderung des Vereins zur Erstellung einer Broschüre. Ein Flyer oder gar Atlas von der Stadt wären ihrer Fraktion hingegen zu weit gegangen.

Die Verwaltung weist darauf hin, dass auch unter der Homepage www.giftkoeder-radar.com die Möglichkeit besteht, Funde vermeintlicher Giftköder zu melden und zu registrieren. Dabei handele es sich um eine Informationsplattform für Giftköder in ganz Europa, also auch für Deutschland und das Gebiet der Stadt Vechta, die von betroffenen Personen oder Interessierten eigenständig genutzt werden könne.

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