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Neu im Revier: Holger Funke führt Augustendorfer Forst auf 2200 Hektar

Der 32-jährige Esterweger hat die Nachfolge von Onno Striowsky angetreten. In dem vom großen 72er-Sturm geprägten Areal setzt der studierte Fachmann nun den Umbau auf klimastabile Mischwälder fort.

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Traumberuf Förster: Holger Funke sammelte nach seinem Studium praktische Erfahrungen und führt seit Januar das Augustendorfer Revier. Fotos: Claudia Wimberg

Traumberuf Förster: Holger Funke sammelte nach seinem Studium praktische Erfahrungen und führt seit Januar das Augustendorfer Revier. Fotos: Claudia Wimberg

Die Douglasie ist auf 6,50 Meter geastet und mit einem grünen Punkt versehen. Ein „Zukunftsbaum“ mit Potenzial, der unter besonderer Beobachtung steht und gefördert werden soll. Je größer seine Krone, desto kräftiger sein Motor für die Photosynthese. „Bedränger“ haben es künftig schwer, ihm gefährlich zu werden: Mit einem roten Punkt auf der Rinde sehen sie schwarz und sind Vergangenheit.

Noch gestaltet es sich in diesem Thülsfelder Abschnitt „nicht so schön“, sagt Holger Funke. Jede Menge Nadelbäume, von denen die Fichte „arge Probleme hat.“ Das einseitig bestückte „Warenlager“ im Augustendorfer Revier soll sich jedoch ändern und   Nadelholzreinbestände werden in klimastabile und naturnahe Mischwälder umgewandelt.Einige Meter weiter ist das Bild der Zukunft bereits gezeichnet. „Eine tolle Ecke“, kommentiert der neue Revierförster das einträgliche Nebeneinander von Kiefern, Buchen und Eichen gleich neben einem der drei Teiche nahe der Talsperre.

"Ich wollte schon in der Oberstufe Förster werden."Holger Funke

Für den 32-Jährigen, der die Nachfolge von Onno Striowsky angetreten hat und seit Januar im Amt ist, konnte es beruflich nicht besser laufen. „Ich wollte schon in der Oberstufe Förster werden und immer bei den Landesforsten beschäftigt sein“, verrät der Esterweger lächelnd, der nach dem Studium der Forstwirtschaft praktische Erfahrungen in Meppen und Neuhaus (Holzminden) sammelte. Mit dem Auto geht es tief in den Forst hinein. Wer nicht ortskundig ist, wäre spätestens nach der dritten Lichtung verloren. Holger Funke kennt sich aus, aber ist digital per Tablet und Handy hochprofessionell vernetzt und orientiert sich mit einem Klick. Alle rot eingezeichneten Wege haben einen Namen, sind befestigt und auch für schweres Gerät befahrbar, die blau markierten sind Verbindungswege, auf denen man sich nur zu Fuß bewegt.

Digital vernetzt: Neben dem Tablet fährt aber auch noch die klassische Karte mit.Digital vernetzt: Neben dem Tablet fährt aber auch noch die klassische Karte mit.

Der neue Förster, der im Forstplanungsamt Wolfenbüttel eine Software zur landesweiten Holzerfassung entwickelt hat, steigt täglich aus dem Auto, um sich die Bestände gezielt anzuschauen und ist von dieser Atmosphäre immer wieder fasziniert. „Bei aller Wirtschaftlichkeit, die erforderlich ist, dürfen wir nie vergessen, dass wir mit dieser Natur und dieser Schöpfung gut umgehen und dass wir den Begriff Nachhaltigkeit mit Leben füllen“, sagt der Fachmann und räumt einen umgewehten Ast vom Weg.

Der Hochsitz um die Ecke wurde vor einiger Zeit umgeworfen. „Viele halten sich an die Regeln, einige eben nicht“, weiß der Emsländer, der jüngst neben Gartenabfällen auch auf Schlachtabfälle gestoßen ist und mit Pilzsammlern, die säckeweise Beute machten, eindringliche Gespräche führte. Klare Kante, aber immer fair und verbindlich, lautet sein Motto in Sachen Kommunikation. „Und auf Platt läuft es vielfach gleich entspannter“, fügt er augenzwinkernd hinzu und legt Wert auf einen kontinuierlichen Austausch mit der Jägerschaft.

Beruhigende Wirkung wissenschaftlich erwiesen

Corona habe mehr Menschen in den Wald geführt. Der Spaziergang tut in Krisenzeiten besonders gut und auch der Förster, der immer schon mit dem Wald verwurzelt war, kann dort Stress ablassen. „Irgendwie magisch“, beschreibt er die beruhigende Wirkung und führt dabei den wissenschaftlichen Nachweis für gesundheitsfördernde Effekte an.

Ein „Käferloch“ tut sich auf. Auf dieser kahlen Fläche waren die Fichten so gestresst, dass sie gegen den Borkenkäfer keine Chance mehr hatten. Mittig steht ein „Trinet“ als Fangsystem, das die Schädlinge per Lockstoff bekämpft. Künftig sollen sich auch hier verschiedene Baumarten stehen entfalten können.

Kontrolle: Holger Funke auf einem der Hochsitze.Kontrolle: Holger Funke auf einem der Hochsitze.

Brennholz   stapelt sich auf vielen Wegen und kann abgeholt werden. Holger Funke arbeitet die Liste an Interessenten ab, bezahlt wird sofort.„Spannend und abwechslungsreich“, bezeichnet er seinen Traumberuf, der Flexibilität erfordert und zu 40 Prozent Büroarbeit bedeutet. „Ein Försterleben ist für den Wald ein Wimpernschlag und wir sehen vieles, von dem, was wir angeschoben haben, in der Vollendung nicht mehr“, so Funke, der auch mit Schulen und Kindergärten kooperiert und seine jungen Gäste motiviert, mit offenen Augen und allen Sinnen durch den Wald zu gehen.

Doch vieles angeschoben und dafür getan zu haben, dass ein Baum vielleicht 300 Jahre alt wird, bereitet ihm ein gutes Gefühl und mache einen großen Teil seiner Arbeit aus, unterstreicht der Förster, der auch an diesem Tag noch wieder zu grüner Farbe greift, um Z-Bäume in eine vielversprechende Zukunft zu führen.

Fakten:

  • Das Augustendorfer Revier ist 2200 Hektar groß und der überwiegende Teil des Waldes ist durch den Sturm 1972 geprägt. 75 Prozent Nadelbäume und 25 Prozent Laubbäume sind aktuell verzeichnet. Ein Umbau in Mischwälder sowie eine Naturverjüngung sind geplant.
  • 1970 Hektar sind Wasserschutzgebiet im Einzugbereich des OOWVs.
  • Der Holzeinschlag beträgt pro Jahr 12.000 Festmeter.
  • Der Förster erinnert an die Brut- und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli. In dieser Zeit dürfen nur ausgewiesene Wege genutzt werden, Hunde sind anzuleinen, um das Wild zu schützen.

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