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Nachbesprechung ist der schönste Teil

Sechs Senioren geben die Friedhofspflege in Schwichteler nach 10 Jahren an die nächste Generation ab. Die Gruppe trifft sich schon seit 40 Jahren regelmäßig zum Klönschnack.

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Für Kinder in Schulen und Kitas soll die Quarantäne als Kontaktperson 5 Tage dauern, mit abschließendem PCR- oder Schnelltest. Foto: dpa/Murat

Für Kinder in Schulen und Kitas soll die Quarantäne als Kontaktperson 5 Tage dauern, mit abschließendem PCR- oder Schnelltest. Foto: dpa/Murat

1982 war ein denkwürdiges Jahr. Nicole gewann mit "Ein bisschen Frieden" den "Grand Prix" (seit 2004 verbindlich "Eurovision Song Contest" genannt), Helmut Kohl wurde Bundeskanzler, Italien wurde Fußballweltmeister und die Fürstin von Monaco kam bei einem Autounfall ums Leben. Und in Schwichteler trafen sich zu dieser Zeit einige Männer, die fortan einmal im Monat für einen Klönschnack zusammenkommen sollten. Als dann vor 10 Jahren Willi Bramlage 80-jährig seinen Friedhofsdienst aufgab, sagte sich die Truppe: "Wenn wir uns schon treffen, dann können wir auch den Besen in die Hand nehmen."

Bernhard Ellmann, Heinrich Kuper, Alfred Benkert, Heinrich Albers, Bernard Rosenbaum und Aloys Hackmann hatten anfangs noch den Samstag als Einsatztag auserkoren. Inklusive der Nachbesprechung aller Aufgaben gestaltete sich der Rest des Tages im heimischen Haus und Hof aber nicht mehr so effizient wie gewünscht und man wechselte auf den Freitagnachmittag. An Projekten mangelt es nicht. "Benny hat immer etwas für uns zu tun", erklärte Bernard Rosenbaum vor wenigen Tagen, als die Aufgaben in jüngere Hände übergeben wurden. 10 Jahre sind genug, meint das Sextett. Stattdessen kümmern sich Georg Hüsing, Albert Klostermann, Ludger Niemann und Stephan Meyer darum, dass es rund um die Kirche und auf dem Friedhof ordentlich aussieht.

Neue Leute zu gewinnen, ist schwer

Nicht nur mit einer Grillwurst und kühlen Getränken dankte man den dienstbaren Geistern, auch eine massive Bank wurde von der Kirchengemeinde gestiftet und mit einer gravierten Tafel versehen, auf der die Namen verewigt sind. Von diesem Sitzplatz aus können sich die Ehemaligen künftig überzeugen, dass ihre Nachfolger gut ausgewählt wurden. Wobei die nächste Generation noch nicht komplett ist. "Sechs Leute müssten wir eigentlich sein, dann ist die Arbeit besser zu schaffen", meint Stephan Meyer. "Wir haben noch zwei im Blick, die aber noch ein wenig überzeugt werden müssen", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Neue Leute zu gewinnen, ist schwer. Wenn Not am Mann ist, dann geht es. Aber eine regelmäßige Verpflichtung eingehen, dann wird es schon schwieriger", so Ludger Niemann.

Zu tun ist genug. Im Herbst sorgt das Laub von den Bäumen für die meiste Arbeit. Es sind aber auch einige Meter Hecke zu schneiden und das Schnittgut zu entsorgen. Bei der Waldkapelle wurden Bänke aufgestellt und für die Beete wurde eine Bewässerung installiert. Außerdem wurde Strom gelegt für die Weihnachtsbäume. "Da kamen etlich Stunden extra zusammen", erinnert sich Bernhard Ellmann, der die handwerklichen Fähigkeiten seiner Mitstreiter lobt. "Da ist keiner mit zwei linken Händen dabei." An Werkzeug ist im Lager – der ehemaligen Leichenhalle – weitestgehend alles vorhanden, was regelmäßig benötigt wird. Darum, dass der Maschinenpark in Schuss gehalten wird, kümmert sich Arnold Münzebrock. Und wenn Trecker und Anhänger für größere Projekte herhalten müssen, dann ist auf Josef Witte Verlass.

Auch der Pastor hört viel Lob

Die Arbeit ist das eine, der anschließende Schnack das andere. "Das ist der schönste Teil", findet Ludger Niemann. Grundsätzlich, meint Bernhard Ellmann, sei die Arbeit wohl nicht schlecht gemacht worden. Im Vorbeigehen hätten sie zumindest häufiger gehört, dass man bei den Passanten zu Hause gerne weitermachen könnte. Auch Pastor Jörn Illenseer, der zu der "Besenübergabe" mit Provisor Konrad Bohmann gekommen war, wusste von der Qualität zu berichten. "Ich höre viel Lob, wie gut die Anlagen gepflegt sind."

Stephan Meyer und Ludger Niemann wurden in den zurückliegenden Wochen von ihren Vorgängern "angelernt". Ob sie und die weiteren Kräfte ihre Arbeit gut machen, das wollen die Rentner sich ab und zu von ihrer neuen Bank aus anschauen.

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