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Nachbar kam mit Baseballschläger zur Hilfe

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Eigentlich wollte das Paar eine Fahrradtour machen. Ein Streit kam dazwischen – und ein Nachbar plus Baseballschläger. Ein Fall fürs Gericht!

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Das, was sich am Abend des 24. Jul 2021 in Langförden in einem Haus an der Schulstraße abspielte, war eine nicht ganz gelungene Nachbarschaftshilfe. Und das nicht nur, weil der Täter und der, der dem Opfer zu Hilfe kommen wollte, schließlich fast gleich verletzt waren. Wegen Körperverletzung wurde jetzt ein 32-Jähriger zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt. Es war eine milde Strafe, die aber aufgrund des Ablaufs der Verhandlung und der persönlichen Umstände in Ordnung war, wie die Strafrichterin erklärte.

Am Tattag wollten der Angeklagte und seine Freundin mit dem Fahrrad einen Ausflug zum Dümmer machen. Erster Stopp war ein Verbrauchermarkt in Vechta. Der spätere Angeklagte kaufte sich Bier. Der Freundin passte das gar nicht; sie brach die "Ausflugsreise" ab. Der Mann trank weiter. Es ging zurück nach Langförden. Dort kam es zum Streit. Es gab ein gegenseitiges Geschubse, die Frau rief schließlich um Hilfe. Das hörte der Nachbar (56), der auf der gleichen Etage wohnt. Er nahm einen Baseballschläger und eilte zur Hilfe.

"Folge des Streits: Der 32-Jährige wurde von der Frau aus der Wohnung geschmissen, war wochenlang obdachlos, lebte auf der Straße"Klaus Esslinger, Gerichtsreporter

Die beiden Männer rauften sich. Der Nachbar traf den 32-Jährigen mit dem Baseballschläger am Arm, kugelte sich selber den rechten Arm aus und erhielt auf dem Boden liegend zwei Kopfnüsse. Beide Männer mussten ins Krankenhaus. Die Polizei kam, nahm das Geschehen auf. Die Frau wollte keine Strafanzeige stellen, der Nachbar aber. So kam die Geschichte vor Gericht.

Der Streit hatte allerdings weitere Nebenwirkungen: Der 32-Jährige wurde von der Frau als eigentliche Mieterin aus der Wohnung geschmissen. Er war wochenlang obdachlos, lebte auf der Straße, kam dann aber wieder für 2 oder 3 Wochen in die Wohnung zurück. Daher fiel die Zeugenaussage der 27-Jährigen ziemlich neutral aus: Ja, sie habe bei der Rangelei vielleicht ein paar Haare verloren. Aber ansonsten sei sie glimpflich davongekommen.

Das wollte der Nachbar nicht von sich behaupten: Seine Schulter sei ausgekugelt gewesen. Er habe sich daher irgendwann nicht mehr richtig wehren können. Den Baseballschläger habe er zur Sicherheit mitgenommen, da seine Nachbarin ja um Hilfe gerufen habe. Er habe den Angreifer damit aus der Wohnung heraushaben wollen. Wieso er überhaupt einen Baseballschläger habe, wollte die Verteidigerin wissen? Die Frage beantwortete der Zeuge nicht konkret.

Das Vorstrafenregister des Angeklagten war ziemlich lang. 12 Einträge, mehrere Freiheitsstrafen mit Bewährung und – wie sich herausstellte –  viele Vorstrafen unter Einfluss von Alkohol.

Der 32-Jährige gab an, dass er eine Sucht-Therapie absolviere, ein festes Arbeitsverhältnis habe und sich in der Suchtberatung helfen lasse. Auch die Bewährungshelferin bestätigte, dass der Mann auf dem richtigen Weg sei. Das alles führte nach einem Rechtsgespräch zu dem Ergebnis einer Geldstrafe. Und einer Ermahnung durch die Strafrichterin: „Das ist Ihre letzte Chance!“


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor erhalten Sie per Mail an redaktion@om-medien.de.

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