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Nach zwei Bewährungsstrafen gab es Knast

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Eine ganze Reihe von Verurteilungen und Auflagen hatte der Angeklagte bereits auf seinem Strafkonto. Dieses Mal gab es kein Pardon.

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Wegen versuchter räuberischer Erpressung ist ein 29-jähriger arbeitsloser Vechtaer vom Schöffengericht des Amtsgerichts zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Das Gericht gewährte keine Bewährung, da der Angeklagte die Tat beging, obwohl er in zwei Fällen schon eine Strafe, eine von einem Jahr und 9 Monaten, erhalten hatte.

Am 4. November 2021, morgens zwischen 5 und 6 Uhr, als die Entsorgungsfahrzeuge schon durch die Stadt fuhren, hatte der Angeklagte in einer Gaststätte dem Wirt an den Hals gegriffen, um 100 Euro zu bekommen. Ob er dabei ein Messer in der Hand hatte oder einen anderen Gegenstand, das konnte nicht geklärt werden. Deshalb ging das Gericht auch von einer versuchten räuberischen Erpressung aus.

Der Angeklagte erzählte dem Gericht, dass er mit einem Kumpel am Abend in zwei Lokale an der Großen Straße gegangen sei. Man habe viel Alkohol und auch Drogen zu sich genommen. Dann sei man in besagter Gaststätte gelandet, am frühen Morgen sei er dort dann nochmals allein hingegangen. Er könne sich aber an rein gar nichts erinnern. Er habe einen Blackout ("Filmriss“) gehabt, was die Staatsanwältin allerdings nicht glaubte, denn nach Aussagen des Wirtes und eines Gastes sei der Mann zwar betrunken gewesen, habe aber noch ein Telefongespräch auf dem Handy annehmen können.

"Der Gastwirt sagte als Zeuge, dass der Angeklagte ihn in den 'Schwitzkasten‘ genommen habe.“Klaus Esslinger

Der Gastwirt sagte als Zeuge, dass der Angeklagte ihn in den "Schwitzkasten“ genommen und aus seiner Tasche einen Gegenstand geholt und ihm an den Hals gehalten habe. Der Mann habe Geld, genau 100 Euro, haben wollen. Der Wirt sei dann nach draußen gegangen und habe den Eindruck erweckt, als ob er das Geld von der nahen Bank holen wolle. Tatsächlich habe er aber die Polizei gerufen. Da sei der Angeklagte jedoch schon über alle Berge gewesen.

Die Beamten suchten den Mann dann an seiner Anschrift und in der Umgebung, konnten ihn aber nicht finden. Der Angeklagte hatte sechs Verurteilungen auf seinem Konto, einige mit Auflagen, sowie eine Ableistung von 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die er nicht abgeleistet hatte, da ihm angeblich der Fußweg von der Innenstadt, wo er wohnt, zum Pflegeheim zu weit war. Im Übrigen habe er sich als völlig unzuverlässig erwiesen, sei Gesprächen mit der Bewährungshelferin und der Suchtberatung nicht nachgekommen.

Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten. Die Verteidigerin sah eine Strafe auf Bewährung als einzige Möglichkeit, um den Angeklagten noch auf den richtigen Weg bringen zu können. Eine Bewährung aber sah das Gericht als nicht mehr möglich an. Wer zweimal versagt habe, könne nicht nochmal eine Bewährung bekommen, so das Gericht.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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