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Nach vielen Monaten: Schulen dürfen endlich wieder öffnen

Die Sehnsucht nach Normalität sei groß, sagt Lastrups Oberschulleiter Dirk Zumdohme. Nicht alles, was verpasst wurde, könne aufgeholt werden.

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Viel Luft zum Denken: Die Sechstklässler verlegten ihren Mathematikunterricht ins "Grüne Klassenzimmer". Foto: Meyer

Viel Luft zum Denken: Die Sechstklässler verlegten ihren Mathematikunterricht ins "Grüne Klassenzimmer". Foto: Meyer

Monatelang hatten Lastrups Oberschüler nicht mehr gemeinsam lernen dürfen. Am Montag war die längste Pause ihrer Schulzeit endlich vorbei. Auch für die Klassen 5 bis 9 hat  der Präsenzunterricht zu Wochenbeginn wieder begonnen.

Schulleiter Dirk Zumdohme zeigt sich erleichtert. „Es wird heller“, sagt er und ist guter Dinge, dass die Schulen in absehbarer Zeit  zur Normalität zurückkehren. Die Sorge, die Landesregierung könnte die Erlaubnis in letzter Minute doch noch einkassieren, wich allerdings erst spät der Zufriedenheit. „Zwischenzeitlich sollten wir erst bei einer Inzidenz von unter 100 öffnen dürfen. Das hat uns natürlich frustriert.“ Letztlich blieb es beim Wert von 165. Wie für die Grundschulen gilt jetzt auch für die Oberschule das Szenario B, also der Wechselunterricht. Die Klassen wurden dafür geteilt.

Neben den Hygienemaßnahmen setzt Zumdohme vor allem auf die Testungen. Zweimal pro Woche hat jeder Jugendliche einen negativen Nasenabstrich vorzulegen. Am Montag musste der Rektor einen Schüler wieder heimschicken, dessen Test nicht eindeutig ausgefallen war. „Wahrscheinlich wurde er nur falsch ausgeführt, aber wir müssen auf Nummer sicher gehen“. Die Eltern haben sich mit den Testungen offenbar arrangiert.  Nur 3 Schüler wurden im Vorfeld vom Präsenzunterricht befreit.

Schwierig: Lernstoff schnell aufholen aber ohne zu viel Druck

Dirk Zumdohme hält die Maßnahmen für vernünftig und ausgewogen. Wichtig für ihn ist jetzt, das Schuljahr mit soviel „echtem“ Unterricht wie möglich ausklingen zu lassen. Zu stark auf die Tube drücken soll das Kollegium in Lastrup aber nicht. In der ersten Woche gehe es darum, die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt wieder an die Klassensituation zu gewöhnen, erklärt Zumdohme. „Sie sollen uns von ihren Erlebnissen während des Lockdowns erzählen. Dabei müssen wir uns ein Bild machen, wo sie leistungsmäßig stehen.“

Für die Lehrer ist das keine leichte Aufgabe. Die Oberschule setzte in den vergangenen Monaten auf eine Mischform aus schriftlichen Aufgaben und Videokonferenzen. Jeweils freitags erhielten die Schüler ihre Wochenpläne. Zumdohme glaubt, dass der Aufholbedarf erheblich ist. Besonders schwierig sei deshalb in diesem Jahr die Notenfindung. Klassenarbeiten wurden bisher kaum geschrieben, die verbleibende Zeit reiche auch nicht aus, um den kompletten Lernstoff nachzuholen. Um etwas Aussagekräftiges in der Hand zu haben, dürften die Lehrer jetzt fleißig Referate verteilen.

Notfalls geht es ins "grüne Klassenzimmer"

„Wir werden Abstriche machen müssen“,  räumt Zumdohme ein. Seine Hoffnung ruht auf dem Herbst. „Ich wünsche mir sehr, dass wir nach den Sommerferien wieder mit dem Regelbetrieb starten können.“ Zwar glaubt auch der Schulleiter nicht, dass bis dahin sämtliche Corona-Maßnahmen aufgehoben sein werden. Mit der Maskenpflicht und den übrigen Hygienevorschriften kann er aber gut leben, Hauptsache, die  geteilten Klassen kommen endlich wieder zusammen. Auch nach ihrer Überwindung werde die Pandemie  die Schulen mindestens 1 bis 2 Jahre beschäftigen, ist der Lastruper überzeugt. „Wir  müssen die Stoffverteilungspläne entsprechend anpassen.“ Dennoch glaubt er, dass  die Absolventen der Coronajahrgänge gut genug für ihren weiteren Lebensweg gewappnet sein werden.

Wie der Unterricht in Coronazeiten  aussehen kann, demonstrierte am Montag Mathematiklehrerin Katja Witt. Sie nahm ihren G-Kurs kurzerhand mit auf den neugestalteten Schulhof. Auf den Bänken des „grünen Klassenzimmers“ sitzend, rechneten die Sechstklässler nur mithilfe von Stift und Papier. Die Wissenschaft gibt der Lehrerin Recht. Forscher der Technischen Universität München haben herausgefunden, dass das Draußenlernen sich positiv auf die Lernmotivation auswirkt. Laut einer dänischen Studie können Dritt- bis Sechstklässler, die ihren Unterricht regelmäßig ins Freie verlegen, sogar besser lesen als Gleichaltrige. Dirk Zumdohme kann  dem Ansatz  einiges abgewinnen. „Die Möglichkeit wird  künftig bestimmt immer wieder genutzt“. Sagt es und ist trotzdem froh, dass seine Schüler nach dem Stundengong wieder in ihre Klassen strömen dürfen.

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