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Nach Missbrauch-Vorwürfen: Kaplan-Meyer-Ehrung wieder aberkannt

Der Kaplan hatte Widerstand gegen die Nazis geleistet. Deshalb war nach ihm eine Straße benannt worden. Doch der Geistliche hatte auch eine dunkle Seite.

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Ehrung aberkannt: Die Straße heißt künftig „Zur Sporthalle“.Foto: Passmann

Ehrung aberkannt: Die Straße heißt künftig „Zur Sporthalle“.Foto: Passmann

Die „Kaplan-Meyer-Straße“ in Sedelsberg ist Geschichte. Der Rat der Gemeinde Saterland hat auf seiner Sitzung am vergangenen Mittwochabend in der Eventhalle in Ramsloh eine Umbenennung beschlossen. Die Straße trägt nun die Bezeichnung „Zur Sporthalle“. Damit reagierte der Rat auf die Vorwürfe, dass sich der damalige Geistliche Georg Meyer, nach dem die Straße benannt wurde, an Kinder und Jugendliche sexuell vergangen hat.  

Die Straße war seinerzeit dem jungen Kaplan Georg Meyer gewidmet worden, weil er sich ehrenhaft gegen die Nazis aufgelehnt hatte. Damals ahnte allerdings niemand, dass der Geistliche auch dunkle Seiten hatte. Seine Missbrauchvorwürfe wurden vor einigen Wochen öffentlich, nachdem sich Betroffene gemeldet hatten. Der Missbrauch soll allerdings nicht in Sedelsberg stattgefunden haben, sondern in der St.-Johannes-Gemeinde Markhausen, wo Meyer im Alter von 49 Jahren seelsorgerisch wirkte.  

Die Änderung der Straßenbezeichnung hatten sowohl die CDU-Fraktion als auch die Gruppe SPD/Grüne im Rat gefordert. Allerdings gab es  über die neue Straßenbezeichnung unterschiedliche Meinungen. Die Verwaltung war für den Namen „Canisiusstraße“, weil dort an der Straße das Canisiushaus steht und der räumliche Bezug zur Kirche „St.-Petrus-Canisius nach dem katholischen Theologen gegeben sei.

CDU lehnt zweiten kirchlichen Namen ab

Doch noch einmal einen kirchlichen Bezug zur Namensgebung lehnte die CDU-Fraktion ab. „Durchaus ist der Bezug zu ‚Canisius‘ gegeben, aber wir wollen in Zukunft keinen kirchlichen Namen und haben uns für die neue neutrale Bezeichnung ‚Zur Sporthalle‘ entschieden. Das ist zwar nicht gerade kreativ, aber uns fiel auch nichts anderes ein“, begründete Fraktionssprecher Jens Immer die Entscheidung seiner Fraktion. „Das ist an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten und unmöglich“, reagierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl-Peter Schramm.  

„Ich bedaure, dass die Vorlage der Verwaltung keine näheren Informationen zu Kaplan Georg Meyer enthält. Zudem kann man den damaligen Ratsbeschluss zur Namensgebung nicht so einfach canceln. Erst muss der damalige Beschluss aufgehoben und dann über eine neuen Namen entschieden werden“, bemängelte Gerd Albers (CDU).   Der damalige Rat habe sich für die Bezeichnung Kaplan Meyer entschieden.

Als Zeitzeugen des damaligen NS-Regimes hätten sie den Mann ehren wollen, der in der Nazizeit um Jugendliche kämpfte und Widerstand gegen das Regime leistete, so Albers. Das Verhalten des Kaplans sei richtig, mutig und ehrenwert gewesen. Es sei auch ein Kampf um das Kreuz und gegen die Nazis gewesen, fand Albers auch lobende Worte für Meyer.

"Es ist unfassbar, dass man so ein Plädoyer hält."SPD-Ratsfrau Elisabeth Schramm

Er habe sich beim Bistum Münster erkundigt, ging aber nicht näher auf die Vorwürfe ein. Daher sein Straßenvorschlag: „Kreuzkampfstraße“. Den schmetterte der Rat mit Mehrheit ab.

„Vielen Dank für den Geschichtsunterricht. Es ist unfassbar, dass man so ein Plädoyer hält. Der Mann hat sich an Kindern vergangen und so eine Straße weiterhin nach einem Sexualstraftäter zu benennen, ist nicht tragbar. Meyer hat ein Verbrechen begangen und darüber gibt es überhaupt keine Diskussion. Das waren schreckliche Ereignisse“, zeigte sich Elisabeth Schramm (SPD) verwundert über die Ausführungen.

Letztlich setzte sich die CDU-Fraktion mit ihrem Vorschlag bei 14 Ja-, 6 Nein- und 3 Stimmenthaltungen durch.

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