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Nach Gag im Netz stehen Friseurin Haare zu Berge

Der parteilose Kreistags-Politiker Michael von Klitzing bat auf Facebook um einen Faconschnitt zu Hause. Das löste einen Sturm der Entrüstung aus.

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Haarschnitt in Heimarbeit: Die Friseure bitten angesichts der bedrohlichen Situation wegen des Corona-Lockdowns, aus Solidarität darauf zu verzichten. Zurzeit komme es nicht darauf an, perfekt auszusehen.Foto: dpa

Haarschnitt in Heimarbeit: Die Friseure bitten angesichts der bedrohlichen Situation wegen des Corona-Lockdowns, aus Solidarität darauf zu verzichten. Zurzeit komme es nicht darauf an, perfekt auszusehen.Foto: dpa

Beim Blick in den Spiegel kam Michael von Klitzing die Idee für einen Post bei Facebook: "Wer kennt eine des Haarschneidens kundige Person in CLP, die gerade mal Zeit hat, mich zu besuchen und dabei die Schere mitbringt? Nur PN", schreibt der Cloppenburger in das soziale Netzwerk. Mit PN ist eine persönliche Nachricht gemeint, die nur vom Adressaten gesehen werden kann. Dass er damit eine Welle von teils empörten Reaktionen auslöst, damit hatte der parteilose Kommunalpolitiker wohl nicht gerechnet. Denn: "Das war doch bloß Satire", versichert er auf Nachfrage von OM online

Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, Dr. Michael Hoffschroer, fand das allerdings überhaupt nicht witzig. Im Gegenteil: "Aufforderung zu Schwarzarbeit oder zumindest zum Verstoß gegen die aktuellen Corona-Regeln stehen einem Kreistagsabgeordneten nicht gut zu Gesicht, Michael. Unsere Friseure kämpfen gerade um ihre wirtschaftliche Existenz, und Du machst sowas?!", antwortet Hoffschroer seinem Kreistags-Kollegen von Klitzing. Was folgt, ist zigfache Zustimmung für Hoffschroers Standpauke. Tenor der meisten Beiträge von zahlreichen Facebook-Nutzern: Die Friseure bangen zurzeit ums Überleben und brauchen Solidarität. Es komme nicht darauf an, perfekt gestylt herumzulaufen. Einige Nutzer fordern sogar strafrechtliche Konsequenzen für Michael von Klitzing. Nur wenige Verfasser merken an, dass es zum Beispiel in manchen Berufen darauf ankomme, gepflegt auszusehen.

Von Klitzing kann die ganze Aufregung nicht ganz verstehen. "Ich wollte doch niemanden zur Schwarzarbeit auffordern. Das war doch nur ein Spaß", sagt der pensionierte Lehrer. Er habe humorvoll darauf hinweisen wollen, dass die Haare immer länger werden und nicht ernsthaft erwartet, dass sich jemand meldet, um ihn zu frisieren.

Michael von Klitzing.Foto: Thomas VorwerkMichael von Klitzing.Foto: Thomas Vorwerk

Klitzings Gag lässt Irina Leinweber indes die Haare zu Berge stehen. "Den Shitstorm hat er verdient", findet die Obermeisterin der Friseurinnung Cloppenburg. Denn selbst wenn es tatsächlich nicht ernst gewesen sein sollte: Die bedrohliche Situation vieler Friseure sei nicht dazu geeignet, Witze zu machen. "Er spielt mit unseren Ängsten und Sorgen“, sagt die Cloppenburgerin. Obwohl Humor eigentlich eine gute Methode für unfrisierte Bürger sein könnte, mit dem unperfekten Look umzugehen. „Die Feiertage sind vorbei. Wozu müssen wir jetzt hübsch sein", fragt sie lachend.

Ganz so schlimm müsse man auch nicht aussehen. Denn jeder könne etwas tun, um die Haare halbwegs in Form zu bringen. Öfter als sonst waschen und etwas mehr Pflegeprodukte könnten schon helfen. Natürlich würden sie und ihre Branchenkollegen auch nicht nur am Telefon Tipps geben, sondern bestellte Pflegeprodukte nach Hause liefern beziehungsweise zum Abholen zusammenstellen. Wer es sich zutraue, könne auch zu Hause selbst den rausgewachsenen Haaransatz nachfärben. „Wir mischen gerne die richtige Farbe zusammen“, sagt die Friseurmeisterin. Und statt sich über den Lockdown graue Haare wachsen zu lassen, könne man auch das Positive daran sehen, findet Irina Leinweber. „Vielleicht wollte der eine oder andere ja schon immer mal die Haare länger wachsen lassen. Jetzt ist die passende Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren“, sagt sie. Womöglich wäre das ja auch eine gute Idee für Michael von Klitzing.

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