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Nach 20 Jahren als Bürgermeister: Dr. Wolfgang Wiese nimmt Abschied

Ehemalige und aktuelle Weggefährten würdigten die Leistungen des Cloppenburger Stadtoberhauptes in einer Feierstunde. Wiese übergibt das Amt nun an seinen Nachfolger Neidhard Varnhorn.

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Stehende Ovationen: Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese wurde mit einer Feierstunde in der Stadthalle verabschiedet. Foto: Hermes

Stehende Ovationen: Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese wurde mit einer Feierstunde in der Stadthalle verabschiedet. Foto: Hermes

Zum Abschluss gab es stehende Ovationen: Seinen beruflichen Abschied nach 20 Jahren als Bürgermeister der Stadt Cloppenburg hat Dr. Wolfgang Wiese (CDU) am Donnerstagabend gefeiert. "Es waren gute Jahre, das ist meine volle Überzeugung", erklärte Wiese den geladenen Gästen.

Seinen Dienst als hauptamtlicher Bürgermeister trat Wiese 2001 an, zehn Jahre zuvor war er bereits bei der Stadtverwaltung tätig. "Es gibt viele schöne Erinnerungen, die Arbeit kam immer von Herzen", sagte er. Seine Vorredner, die ihn allesamt gelobt hatten, hätten seiner Meinung nach übertrieben. "Aber es hat auch gut getan", so Wiese mit einem Augenzwinkern. 

Dabei sei für ihn klar, dass die positive Entwicklung der Stadt in den vergangenen 20 Jahren nicht alleine sein Verdienst sei. "Ich habe immer Wert auf Teamarbeit gelegt. Nur so kann man etwas erreichen." Damit zielte er zuallererst auf die inzwischen mehr als 400 Mitarbeiter  ab. Beide Seiten hätten das selbstständige Arbeiten geschätzt. Einen besonderen Dank richtete er an seine langjährige Sekretärin Birgit Rempe sowie den Allgemeinen Vertreter Wigbert Grotjan und die bisherige Stadträtin Petra Gerlach. Lob gab es aber auch für Vereine, Verbände und weitere ehrenamtliche Strukturen in der Stadt. 

"Man mag es von außen gar nicht glauben. Wir haben auch in der Politik mit dem Rat ein gutes Team"Dr. Wolfgang Wiese

"Und man mag es von außen gar nicht glauben. Wir haben auch in der Politik mit dem Rat ein gutes Team", erklärte Wiese. Fast 90 Prozent der Entscheidungen seien einstimmig, allerdings kämen nur die Diskussionen in der Öffentlichkeit an. Es gebe zwar teilweise unterschiedliche Sichtweisen, das gemeinsame Interesse an der Stadt sei aber wichtig. Mit Blick auf die ersten Jahre seiner Amtszeit erinnerte sich Wiese auch an den Schuldenberg, der größtenteils abgebaut wurde: "Es gab magere Jahre, aber wir haben die Stadt gut da durchgeführt." Dabei müsse man auch immer wieder betonen, dass es den Menschen in der Region gut gehe. 

Zum Ende seiner Abschiedsrede bedankte er sich bei seiner Ehefrau Sigrid und den Kindern: "Ihr musstet oft auf mich verzichten und einiges ertragen, was ich aus dem Rathaus mit nach Hause gebracht habe." Nun wolle er die Zeit genießen und sich auch als Opa engagieren, genauere Pläne gebe es noch nicht. "Es ist mein erster Ruhestand und ich übe noch", zitierte er Loriot.

Foto: Oliver Hermes
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Wiese bei der Wahl 2001. Foto: MT-Archiv
Wiese bei der Wahl 2001. Foto: MT-Archiv
Wiese bei der Wahl 2006. Foto: MT-Archiv
Wiese bei der Wahl 2006. Foto: MT-Archiv
Wiese bei der Wahl 2014. Foto: MT-Archiv
Wiese bei der Wahl 2014. Foto: MT-Archiv

Die Gäste begrüßt hatte der Allgemeine Vertreter Wigbert Grotjan, der unter anderem einige Fotos aus der Vergangenheit von Wiese zeigte. "Die Resonanz am heutigen Abend zeigt dein positives Wirken." Wiese habe die Entwicklung der Stadt entscheidend  mitgestaltet und eine Ära geprägt. "Wir danken dir für deinen Einsatz", so Grotjan , der Wiese auch seine Verabschiedungsurkunde überreichte. 

Seine Glückwünsche überbrachte auch Dr. Marco Trips, Präsident des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes: "Du warst der Garant für eine kommunale Selbstverwaltung und das ist die Basis unserer Demokratie." Die Ortskenntnisse seien bedeutend, sonst würden einfach andere übergeordnete Strukturen entscheiden. Das Amt des Bürgermeisters sei oft mit Wochenend- und Abendterminen verbunden, zudem gehören Streit und Konflikte mit dazu. "Es bringt aber auch viel Freude mit sich und du hast dich immer für die Menschen vor Ort eingesetzt", so Trips.  

Gemeinsam habe man beim Städte- und Gemeindebund vieles erreicht: "Wir haben von deiner Fachkompetenz profitiert, deine Stimme wird uns fehlen." Seit 2000 hat Wiese dort im Präsidium mitgearbeitet, die ein oder andere Entscheidung habe er mit Lebensklugheit gefüllt. Er habe Krisen gemeistert und man merke, dass Wiese in sich selbst ruht. 

Grüße vom Landkreis und vom Stadtrat

"Ich stehe hier als langjähriger Weggefährte und Freund", erklärte Hermann Schröer, der auch die Grüße des Landkreises übermittelte. Man habe viele Diskussionen geführt, sei dabei aber stets sachlich und fair geblieben. "Du hast Gespür für das Notwendige und das politisch Machbare." Schröer verwies zudem auf die positive Entwicklung der Stadt seit der Amtsübernahme von Wiese. So sei zum Beispiel die Einwohnerzahl von rund 25.000 auf über 37.000 gestiegen, die Schulden wurden von 49 auf rund 9,6 Millionen Euro gedrückt. 

Cloppenburg sei nicht nur gewachsen, sondern auch bunter geworden. Lag der Ausländeranteil am Anfang der 90er Jahre noch bei 2,42 Prozent sind es heute bereits über 17 Prozent. Wieses Augenmerk habe immer darauf gelegen, dass die Lebens- und Erholungsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger steigt. "Auf eine starke Wirtschaft vor Ort mit guten Arbeitsplätzen hast du viel Wert gelegt", sagte Schröer. Sein Denken und Handeln habe nie an der Stadtgrenze geendet. Er sei stets darauf bedacht gewesen, mit allen Akteuren gut zusammenzuarbeiten. Ein Präsent gab es passenderweise auch von den Bürgermeister-Kollegen aus dem Kreis, das Michael Fischer und Michael Kramer übergaben.

Schlüsselübergabe: Dr. Wolfgang Wiese (rechts) gibt das Amt an Neidhard Varnhorn ab. Foto: HermesSchlüsselübergabe: Dr. Wolfgang Wiese (rechts) gibt das Amt an Neidhard Varnhorn ab. Foto: Hermes

Stellvertretend für den Stadtrat sprach Vorsitzende Gaby Heckmann: "Du hast Cloppenburg ein neues Gesicht gegeben." Dabei sei es teilweise schwierig gewesen, weitreichende Entscheidungen für die Zukunft zu fällen. "Wer mehr Verantwortung übernimmt, auf dem lastet auch ein größeres Risiko", so Heckmann.  Wiese sei immer ein verlässlicher Partner gewesen, der sich auch um alle Ortsteile gekümmert habe. Abschließend wünschte sie ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft: "Möge heute der erste Tag der besten Jahre deines Lebens sein."   

Wiese wünschte seinem Nachfolger ein glückliches Händchen, er habe Neidhard Varnhorn als Fachmann und vertrauenswürdigen Menschen kennengelernt. "Es fällt nicht leicht loszulassen, ich gehe aber mit einem guten Gefühl", sagte Wiese auch bei der Schlüsselübergabe im Rathaus am Freitagvormittag. Der Abschlussatz der offiziellen Feierstunde am Tag zuvor blieb auch Wiese vorbehalten: "Ich bin dann mal weg, mein Interesse an Cloppenburg aber nicht."

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