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"Mutter der Falkenberger Sternsinger" übergibt Aufgaben an Bürgerverein

Ins Leben gerufen wurde die Sternsinger-Aktion, um die Geselligkeit im Ort zu fördern. Seit Tag eins steht Anneliese Buschermöhle den "Königen" zur Seite. Nun übernimmt der Bürgerverein ihre Aufgaben.

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Jahrzehntelang unterstützten sie die Sternsingeraktion: Anneliese Buschermöhle (links) und ihre Tochter Roswitha Wilke-Runnebaum. Foto: Hoff

Jahrzehntelang unterstützten sie die Sternsingeraktion: Anneliese Buschermöhle (links) und ihre Tochter Roswitha Wilke-Runnebaum. Foto: Hoff

Die "Mutter der Falkenberger Sternsinger" geht in den Ruhestand. Seit 1948 schickt Anneliese Buschermöhle die Männer auf die Reise, damit sie Gottes Segen überbringen, Spenden einsammeln und die Bürger zum alljährlichen Kohlessen einladen. Zuletzt hatte die 93-Jährige die Organisation gemeinsam mit ihrer Tochter Roswitha Wilke-Runnebaum übernommen. Für ihren unermüdlichen Einsatz gab es jetzt viele anerkennende Worte und ein Geschenk, überreicht von Thomas von Höfen, Vorsitzender des Falkenberger Bürgervereins.

Aber von vorne: Den kirchlichen Brauch, dass Kinder als Sternsinger verkleidet bundesweit von Haus zu Haus gehen, um Spenden für bedürftige Kinder zu sammeln, gibt es seit 1958. Die Falkenberger hingegen ziehen bereits seit 1948 als "Könige" durch die Straßen, allerdings nicht die Kinder oder die Jugendlichen, sondern erwachsene Männer. Früher mussten die Majestäten verheiratet sein, "damit sie nicht zu viel Alkohol trinken", berichtet von Höfen, heute hat diese Regel keinen Bestand mehr.

Weil damals nach dem Zweiten Weltkrieg das Geld knapp war, gab es auch keine Feiern oder Vereinsfeste. Eine Siedlerin brachte die Idee der Königssinger aus der Dammer Gegend mit nach Falkenberg, um damit die Geselligkeit im Ort zu fördern. Verkleidet als Heilige Drei Könige zogen drei Männer zunächst mit Pferd und Wagen von Haus zu Haus, um den etwa 40 Familien des Dorfes ein Frohes Neues Jahr zu wünschen, Gottes Segen zu übermitteln und um eine Gabe zu bitten.

Einer der zwei Trupps: Drei Könige und zwei Sackträger machten sich auf den Weg durch Falkenbergs Straßen, um Spenden einzusammeln. Foto: HoffdivdivEiner der zwei Trupps: Drei Könige und zwei Sackträger machten sich auf den Weg durch Falkenbergs Straßen, um Spenden einzusammeln. Foto: Hoff

Begleitet wurden sie von zwei Sackträgern, die Würste und Speck einsammelten. Die gespendeten Würste kamen traditionell eine Woche später in einen großen Topf und bildeten die Grundlage für ein deftiges Grünkohlessen. Reihum trafen sich die Falkenberger auf der Diele eines Hofes zum sogenannten Wursteball. Als in den 1960er Jahren der Saal von Familie Buschermöhle fertiggestellt wurde, legte die Dorfgemeinschaft diesen als Veranstaltungsort für das jährliche Kohlessen fest.

Wirtin Anneliese Buschermöhle begleitet die Sternsinger allerdings schon seit Beginn der Aktion. Sie schminkte und versorgte die Männer; sie stellte sogar die Gewänder selbst her. So ist es bis heute Pflicht, dass die Männer weiße Hosen tragen. Da sich aber jedes Jahr je nach Straße und Ortsteil ein anderer Trupp das Gewand überwirft, waren besonders die Hosen eine Herausforderung für die 93-Jährige. Je nach Statur der Männer fielen sie mal größer, mal kleiner, mal dicker, mal dünner aus, erinnert sich Roswitha Wilke-Runnebaum und lacht. Ihre Mama habe sogar mal welche aus Bettlaken genäht.

2 Gruppen für 20 Haushalte

Seit Anfang der 1960er Jahre werden keine Würste mehr gesammelt, stattdessen wird um eine Geldspende gebeten, die es Annelies Buschermöhle ermöglichte, Jahr für Jahr ein Grünkohlessen zu zaubern. Wenn Geld übrig blieb, wurde dies für den guten Zweck gespendet. Mittlerweile sind sogar zwei Sternsinger-Gruppen unterwegs, um die fast 200 Haushalte aufzusuchen.

Kultstatus hatten auch die Proben mit dem ehemaligen Leiter der Grundschule Falkenberg, Josef Lake. Er brachte den Männern – einige Tage, bevor sie von Haus zu Haus gingen – die Töne bei.

Hielt eine Rede: Thomas von Höfen (links) dankte Anneliese Buschermöhle für ihren Einsatz. Im Hintergrund: der zweite Trupp Sternsinger. Foto: HoffHielt eine Rede: Thomas von Höfen (links) dankte Anneliese Buschermöhle für ihren Einsatz. Im Hintergrund: der zweite Trupp Sternsinger. Foto: Hoff

"Traditionen wie diese müssen weiter gelebt werden und Corona macht uns das nicht kaputt", betonte Thomas von Höfen in seiner kleinen Laudatio auf Anneliese Buschermöhle. Er bedankte sich für ihren jahrzehntelangen Einsatz und ihre Treue, bevor er ihr stellvertretend für die Falkenberger ein Geschenk als Zeichen der Anerkennung überreichte. Jetzt übernimmt der Bürgerverein ihre Aufgaben.

Von Höfen bedauerte, dass das Kohlessen vergangenes Jahr wegen der Pandemie ausfallen musste. "Auch dieses Jahr haben wir den Termin schon auf den 12. März geschoben, in der Hoffnung, dass die Zahlen ein Treffen dann zulassen." Erstmals wird das Kohlessen im Gasthaus "Zum Schäfer" in Garrel stattfinden.

  • Info: Alle Sternsinger, die am Sonntag in Falkenberg von Haus zu Haus zogen, waren geimpft, geboostert und jeder von ihnen konnte einen tagesaktuellen negativen Test vorweisen.

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