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Müsste der Weihnachtsmann nicht gegendert werden?

Kolumne: Auf ein Wort – ist das Wort "Weihnachtsmann" eigentlich gendergerecht? Wo bleibt da die Gleichstellung der Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache?

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Für mich beginnt der Tag mit NDR 1-Niedersachsens „hellwach“. Die Musik stimmt und lässt mich mitsummen. Gleichzeitig werde ich kurz und knapp über das informiert, was in der Welt los ist, einschließlich in Südoldenburg! Zu 98 Prozent bin ich sehr zufrieden mit meinem Haussender. Bei den verbleibenden 2 Prozent geht es schon mal um leichten Unmut über „Jingle bells“ Anfang November oder mein Unverständnis darüber, dass Reinhard Meys „Über den Wolken“ in einer Woche „gefühlt“ 20-mal gespielt wird. Letzte Woche moderierte Susanne Neuß mit für die Tageszeit beeindruckender Fröhlichkeit und machte mich beim Rasieren und Zähneputzen „hellwach“. Es ging unter anderem um das in diesen Tagen omnipräsente Thema „Geschenke“. Dabei wurde wiederholt ein sogenannter „Weihnachtsmann“ ins Spiel gebracht. Als Christ empfinde ich diesen Begriff schon a priori als Reizwort. Für mich gehört er in Mutters Rubrik „so etwas sagt man nicht!“.

An diesem Morgen lenkte das „W-Wort“ meine Gedanken in eine ganz neue Richtung: Wie kann es sein, so fragte ich mich beim Zuschrauben der Zahnpastatube, dass in einem öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland in nicht genderkonformer Weise immer nur von einem Weihnachtsmann (Betonung auf -mann!) gesprochen wird?: „Na, was wünscht du dir denn vom Weihnachtsmann?“ Wo bleibt da die Gleichstellung der Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache? Müsste Susanne Neuß nicht gleichberechtigt von Weihnachtsfrauen und Weihnachtsmännern sprechen? Und wenn noch weitere Geschlechtskategorien einbezogen werden sollen, müsste die Moderatorin dann nicht den Begriff „Weihnachtende“ (oder so ähnlich) benutzen?

"Ich bin für geschlechtergerechte Sprache, wo immer sie problemlos benutzt werden kann. Sie darf aber nicht zum (Zungen-)Krampf führen!"Karl Gierse

Der/die/das kleine Kevin könnte dann am Telefon ganz korrekt gefragt werden: „Na, was sollen dir denn die Weihnachtenden in diesem Jahr bringen, Kevin?“ Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich betonen: ich bin für geschlechtergerechte Sprache, wo immer sie problemlos benutzt werden kann. Sie darf aber nicht zum (Zungen-)Krampf führen! Als Christenmensch kam mir während der morgendlichen Körperpflege eine einfache Lösung für das weihnachtliche Sprachproblem in den Sinn. Könnte frau/man nicht – wie in früheren Zeiten – den Begriff „Christkind“ verwenden?

Wenn ich es richtig verstehe, müsste es sich bei dieser Bezeichnung um einen gender-neutralen Begriff handeln. Er hätte zudem den Vorteil, dass den Menschen wieder bewusst würde, was wir an Weihnachten feiern. Nicht die Werbefigur einer großen Getränkefirma, sondern die Geburt des Christkindes! In diesem Sinne frohe und gesegnete Feiertage!

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