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Musikschule Romberg hofft auf einen 500.000-Euro-Zuschuss – jährlich

Die Einrichtung möchte die Lehrer besser bezahlen können. Das wirkt sich auf die Finanzen aus. Die Politik lobt die Arbeit des Vereins, sieht angesichts der Summe aber auch viel Beratungsbedarf.

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Der Namenspatron wacht über die Einrichtung: Die Musikschule Romberg wird für ihre Arbeit über Dinklage hinaus geschätzt. Foto: Böckmann

Der Namenspatron wacht über die Einrichtung: Die Musikschule Romberg wird für ihre Arbeit über Dinklage hinaus geschätzt. Foto: Böckmann

Die Schüler spielen Keyboard, Klavier oder Akkordeon. Sie üben Violine, Cello oder Kontrabass. Es gibt Unterricht für Jagdhorn, Posaune und Tenorhorn. Dazu gibt es Bläserklassen, Chöre oder die musikalische Früherziehung für ein paar Monate alte Babys. Das Angebot an der Dinklager Musikschule Romberg ist groß, die Nachfrage auch. Deshalb kommen die 1238 Schüler nicht nur aus der Burgwald-Stadt, sondern zu rund 45 Prozent auch aus umliegenden Kommunen. 

Die Angebote für die Kinder und Erwachsenen zu bezahlen, die Lehrkräfte ansprechend zu entlohnen, im Vergleich zu den anderen Musikschulen wettbewerbsfähig bleiben – das alles kostet Geld, viel Geld. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie und fehlenden Mitgliedsbeiträgen. Doch der Finanzhaushalt der Bildungseinrichtung ist eng gestrickt. Deshalb ist die Musikschule mit zwei Anträgen an die Stadt Dinklage herangetreten, die wie ein Hilferuf klingen.

Der Wunsch: Dinklage soll seinen jährlichen Zuschuss deutlich erhöhen. Die Musikschule hofft mittelfristig auf eine finanzielle Unterstützung von 500.000 Euro jährlich. Unabhängig davon möchte die Einrichtung auch einen weiteren Ausgleich für fehlende Gebühreneinnahmen, weil wegen der Corona-Pandemie Unterricht ausfallen musste. Der Politik dürften die Zuschüsse mit Blick auf die derzeitigen Haushaltsberatungen einiges Kopfzerbrechen bereiten, wie sich schon in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses andeutete. Ein Vergleich: Die Musikschule Lohne erhält derzeit 400.000 Euro Zuschuss von der Stadt Lohne – bei rund 1100 Schülerinnen und Schülern.


Wie stellt sich die finanzielle Lage der Musikschule dar?
Die Stadt Dinklage unterstützt die Musikschule seit 2020 mit exakt 128.100 Euro jährlich, davor betrug der Zuschuss 106.700 Euro. Außerdem erhält der Verein vom Landkreis Vechta eine Zuwendung von 79.555 Euro.  Die Musikschule finanziert sich außerdem über die Unterrichtsgebühren und die Beiträge der rund 900 Mitglieder. Kleinere Beiträge zahlen die Kommunen Steinfeld und Emstek für ihre Schüler. 

Die an der Musikschule Romberg tätigen Lehrer sind Honorarkräfte. Dies ist laut der Einrichtung ein Grund dafür, dass die Musikschule derzeit kaum neue Lehrer gewinnen oder halten könne. Einige Musiklehrer, die seit Jahren an der Schule tätig seien, hätten die Einrichtung deshalb verlassen.  Um das zu ändern und den Lehrern eine langfristige Perspektive zu geben, möchte die Leitung die Stundenlöhne erhöhen – und sieht es daher als „als dringend notwendig“ an, dass die Zuschüsse der Stadt Dinklage gestaffelt für die nächsten Jahre sukzessive steigen.

Aktuell erhalten die festangestellten Lehrkräfte einen Stundenlohn von 19,50 Euro; die Honorarkräfte eine Vergütung von 15 Euro pro Stunde. Die Personalkosten für 2021 betragen rund 695.000 Euro. Das Ziel ist laut Musikschule ein Stundenlohn von 30 Euro. Dieser liege noch immer unter dem, den der Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes vorsehe. Aber dies sei eine Summe, die auch die Honorarkräfte der anderen Musikschule im Landkreis Vechta (Kreismusikschule Vechta sowie Musikschulen Lohne und Neuenkirchen-Vörden) im Durchschnitt erhalten, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Sollte die Musikschule Romberg dies so umsetzen, erhöhten sich die Personalkosten gewaltig: nämlich von 695.000 Euro im Jahr auf dann 1,065 Millionen jährlich.


Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Finanzen?
Große. Denn seit Ende November 2020 sei der Unterricht nicht mehr im gewohnten Umfang möglich. Die Folge: Es gab Gebührenausfälle in praktisch allen Sparten der Musikschule – also beim Einzel- und Gruppenunterricht, bei der musikalische Früherziehung, Chören und Ensembles.  Bis Juni 2021 fehlten der Musikschule Einnahmen in Höhe von exakt 139.542,27 Euro, um damit die Lehrkräfte zu bezahlen.

Die Agentur für Arbeit zahlte 53.109,03 Euro an Kurzarbeitergeld.  Das Defizit von 86.433,24 Euro kompensierte die Musikschule durch ihre Rücklagen – doch die sind nun aufgebracht. Als Ausgleich dafür hat die Einrichtung einen zweiten Antrag bei der Stadt Dinklage eingereicht. Bereits im Mai 2020 hatte die Stadt einen pandemiebedingten Zuschuss von 23.000 Euro gezahlt. 


Wie reagiert die Politik auf die Zahlen?
Der Ausschuss lobte parteiübergreifend die Arbeit der Musikschule Romberg. Die Einrichtung sei ein Aushängeschild für Dinklage. Aber: Beide Anträge müssten angesichts der Summen ganz genau durchleuchtet werden, sagten CDU, SPD und das Bürgerforum. Es gelte nämlich auch die Fairness gegenüber den anderen Vereinen in Dinklage. Und: Es müsse auch erörtert werden, wie sich die Nachbarkommunen, deren Kinder in Dinklage unterrichtet werden, finanziell (noch stärker) beteiligen könnten.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Windhaus nannte die Anträge der Musikschule "ordentlich und ehrlich". Es gehe jetzt darum, die Musikschule "zukunftsfähig" zu gestalten. Das heiße: Die Einrichtung brauche eine Perspektive, eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte. Es sei unredlich, der Musikschule eine Sicherheit zu geben, die es dann in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr gebe. Wenn die Politik eine Entscheidung über eine Summe getroffen habe, könne sie sich dieser Zuwendung für die Zukunft nicht mehr entziehen.

Für die SPD sah die Fraktionsvorsitzende Susanne Witteriede noch "großen Beratungsbedarf". Sie sehe die Musikschule Romberg auch in der Pflicht, ihr Portfolio zu beleuchten. Was rechne sich? Was könne die Einrichtung streichen? "So ehrlich müssen wir sein", befand Susanne Witteriede. Ihr Stellvertreter Ingo Wessels brachte diesen Gedanken ein: Wenn die Lehrer mehr verdienen sollten, müsse vielleicht auch der Unterricht teurer werden.

Für das Bürgerforum betonte Hennig Hilgefort den "Gleichbehandlungsansatz".  Wenn der jährliche Zuschuss für die Musikschule erhöht werde, würden Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt. Die finanziellen Mittel der Stadt seien allerdings begrenzt. "Was wir ausgeben, fehlt woanders", sagte Hilgefort. Sein BfD-Kollege Steffen Lampe meinte: Auch die Musikschule müsse sich beim Blick auf den Kostenapparat einbringen, Nachhaltigkeit sei wichtig.

AfD-Vertreter Josef Kruse hingegen sah "keine große Alternative", als den Zuschuss für die Einrichtung um die gewünschte Summe zu erhöhen. Kruse hat Bedenken, dass sonst andere Musikschulen der Dinklager Einrichtung den Rang ablaufen. Kruse meinte auch: "Die Musikschule ist nicht ein Verein wie jeder andere. Sie hat einen großen pädagogischen Auftrag." Den Unterricht teurer zu machen, sei keine gute Lösung.


Wie geht es nun weiter?
Das Thema wurde für die anstehenden Haushaltsberatungen an die Fraktionen verwiesen. Die CDU wollte sich von Musikschulleiter Konrad Hartong die finanzielle Lage noch einmal schildern lassen; zuvor waren die Fraktionsvorsitzenden bereits über die Finanzen informiert worden. Es gibt außerdem noch eine gesonderte Finanzausschuss-Sitzung zum Haushalt 2022 (7. Dezember, 18 Uhr, Feuerwehrgerätehaus), in der das Thema erneut auf die Tagesordnung kommen dürfte. Die endgültige Entscheidung über die Zuschüsse trifft der Stadtrat (21. Dezember, 17 Uhr)

  • Info: Die Musikschule Romberg ist ein eingetragener Verein mit rund 900 Mitgliedern und fast 1300 Schülerinnen und Schülern – vom Baby bis zur Seniorin. Die rund 45 Lehrkräfte unterrichten zurzeit 24.500 Stunden im Jahr. Die Musikschule Romberg ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel der musikalischen Bildung und Erziehung.

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