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Musik-Profi (23) zieht zur Klimarettung über die Marktplätze

John Winston Berta ist schon mit den "Fanta 4" aufgetreten und hat ein Solo-Album veröffentlicht. Sein Einsatz für "Fridays for Future" begann in Cloppenburg und packt den Hannoveraner noch immer.

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Spielen gegen den Klimawandel: John Winston Berta (23). Foto: Kreke

Spielen gegen den Klimawandel: John Winston Berta (23). Foto: Kreke

Mit den „Fanta 4“ ist der junge Mann aus Hannover aufgetreten und hat in Cloppenburg eine neunköpfige Jazz- und Funk-Band mitgegründet. Trotzdem steht John Winston Berta (23) ganz allein mit seinem Verstärker in der Stadtmitte und improvisiert Blues auf der Gitarre. Mit seinem Mini-Konzert machen Sabine Thie-Olliges, Gründerin der „Teacher for Future“ (Lehrer/innen für die Zukunft), und Carsten Nitsche, Bundessprecher der „Parents for Future“ (Eltern für die Zukunft) auf die nächste digitale Großdemo fürs Klima aufmerksam – am Freitag, 19. März.

Beide rufen Mitmacher/innen auf, Plakate und Banner zu gestalten, diese zur VHS zum Zwischenlagern zu bringen, bevor sie vor dem Rathaus öffentlich ausgebreitet werden. „Wir wollen keine Politikerschelte betreiben, sondern die Bevölkerung aufrufen, Schritt für Schritt klimaneutraler zu werden“, sagt Thie-Olliges.

Der Schlagzeuger, Sänger und Songschreiber John Winston Berta engagiert sich seit drei Jahren mit und für „Fridays for Future“. Nach einem Konzert in Cloppenburg schickte ihm die Grundschullehrerin und Aktivistin Olliges-Thie eine Textnachricht per Messenger-Service. Die Folge: Vor drei Jahren im Mai trat der hochbegabte Musiker zum ersten Mal in der Stadtmitte mit seiner Gitarre auf, während Schulkinder aus Molbergen Bilder zum Klimawandel ausstellten.


Was treibt einen 23-Jährigen, der schon ein Soloalbum veröffentlicht hat, zum einsamen Gastspiel in Cloppenburg? Das Interview:

Hat „Fridays for Future“ Dich adoptiert oder bist Du selbst auf die Bewegung zugegangen?
Tatsächlich hat das hier in Cloppenburg begonnen, weil Sabine (Ollliges-Thie) mich angesprochen hat.  Am Ende ist der Start in Cloppenburg mit dem Beginn der großen Aktion zusammengelaufen.

Werben für eine digitale Demo: Sabine Thie-Olliges  und Carsten Nitsche. Foto: Martin KessensWerben für eine digitale Demo: Sabine Thie-Olliges und Carsten Nitsche. Foto: Martin Kessens

Cloppenburg war auch ein musikalischer Beginn für Dich...
Unbedingt. Unsere Band „Hagelslag“ hat sich in Cloppenburg gegründet nach unserem ersten Auftritt im „Bernay‘s“. Hier haben wir unsere erste richtig große Probe veranstaltet, vor drei Jahren in der Kreismusikschule.

Bist Du inzwischen ausschließlich „Hausmusiker“ von „Fridays for Future“ geworden oder trennst Du dein Engagement von Deinen musikalischen Zielen?
Das geht ineinander auf. Denn die Musik ist wichtig für die Bewegung, um Menschen auf einer emotionalen Ebene zu erreichen. Das geht nicht nur über den Kopf und durch Argumente. Das Gefühl muss dazukommen.

"Das große Problem ist, dass wir hier wenig von den spürbaren Folgen mitbekommen. In anderen Teilen der Welt leiden Menschen schon unter den Veränderungen."John Winston Berta

Wie weit ist der menschengemachte Klimawandel in Deinem Alltag ein Thema?
Das große Problem ist, dass wir hier wenig von den spürbaren Folgen mitbekommen. In anderen Teilen der Welt leiden Menschen schon unter den Veränderungen, die uns noch nicht erreicht haben. Der Schaden passiert also nicht vor unserer Haustür und ist damit leicht zu übersehen. Und doch müssen wir das große Ganze sehen. Das ganze System des Planeten funktioniert nur, wenn alle kleinen Zahnräder des großen Getriebes ineinandergreifen. Ist eines dieses Rädchen gestört, wirkt das aufs ganze System.

Wie kommst Du als Musiker mit den Beschränkungen der Pandemie klar?
Das ist für die Branche ein Desaster. Dennoch muss ich sagen: Ich hab‘s leichter als die Leute, die auf große Konzerte und Tourneen angewiesen sind, um wirtschaftlich zu überleben. Natürlich hab‘ auch ich finanzielle Einbußen. Die staatlichen Hilfen für Kulturschaffende werden nicht konsequent genug umgesetzt. Die Gefahr ist groß, dass Musiker arbeitslos werden, sich einen anderen Job suchen müssen und nicht wieder auf die Bühne zurückkehren werden. Das wäre traurig. Ich habe aber noch ein anderes musikalisches Standbein. Ich habe früher an einem Internat als musikalischer Betreuer gearbeitet und arbeite im Moment an einer Sprachschule in Hannover.

Aber Du unterrichtest kein Englisch oder Französisch?
Nein, ich schaffe gerade etwas, das man als Schnittstelle zwischen Musik und Sprache erklären könnte. Das ist eigentlich ein Job, den‘s noch nicht gibt. Aber ich versuche halt, es Menschen, die Deutsch lernen, leichter zu machen durch die Musik.

Könntest Du auf Musik verzichten?
Selbst wenn ich in fünf Jahren etwas ganz anderes machen sollte, wird die Musik nie aus meinem Leben verschwinden.

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