Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Museumsdorf drängt auf Test-Befreiung unterhalb der 50er-Inzidenz

Geöffnet ist schon. Am Wochenende ziehen Dorfkrug, Backhaus und Töpferei nach. Das Nadelöhr bleibt die Testpflicht. Die Direktorin fürchtet Obergrenzen für die Publikumsmagneten des Museums.

Artikel teilen:
Licht und Schatten: In der zugigen Scheune forderte Julia Schulte to Bühne (Zweite von links) Testerleichterung im Freilichtmuseum. Foto: Kreke

Licht und Schatten: In der zugigen Scheune forderte Julia Schulte to Bühne (Zweite von links) Testerleichterung im Freilichtmuseum. Foto: Kreke

Unter dem leeren Backofen flackern die ersten Scheite, um die Feuchtigkeit des Frühjahrs aus den Steinen zu vertreiben. 3 Tage noch heizt Bäcker Werner Meyer-Ehlers langsam vor: "Sonst reißen die Steine." Ab Samstag ist das Backhaus im Cloppenburger Museumsdorf dann bereit für den Ansturm der Gäste auf Stuten und Butterkuchen. "Wir sind einfach glücklich", sagt die Direktorin Dr. Julia Schulte to Bühne nach 7 Monaten Zwangsschließung und Kurzarbeit: "Wir sind wieder Teil der Kulturfamilie."

Die lange Pause hat ihr Team genutzt, um sich für einen corona-konformen Neustart zu rüsten. In der wiederaufgebauten Disko "Zum Sonnenstein" brennen schon die Lichter, auch wenn die Eröffnung auf den Juli verschoben worden ist. Neue Holzbrücken führen zu den beiden Eingängen, auch wenn vorerst nur das Haupttor benutzt werden darf. Der Grund:  Hier werden zentral die negativen Tests der Gäste kontrolliert. "Das ist das Nadelöhr", fürchtet Schulte to Bühne.

Lockerung scheitert bisher am Sozialministerium 

Vergeblich hat sich die Direktorin bei Wissenschaftsminister Björn Thümler für eine Befreiung von der Testpflicht eingesetzt, sobald die Inzidenz stabil unter die 50er-Marke sinkt: Das Sozialministerium besteht nach wie vor auf dem Vorsichtswert. Logisch findet Schulte to Bühne das nicht. Das Freilichtmuseum mit seinen ständig durchlüfteten und zugigen Hofgebäuden müsste ähnlich wie der Einzelhandel von Lockerungen profitieren, so ihre Vorstellung. Besuchern sei die unterschiedliche Einstufung "nicht zu vermitteln". Die ersten Gäste wurden schon am Eingang abgewiesen: Das Personal gab ihnen den Tipp, zu einem Baumarkt-Parkplatz in Cloppenburg zu fahren, wo ein privates Testzentrum ohne Anmeldung seine Dienste anbietet.

Dorfkrug stellt neue Tische auf, der Ofen brennt

Dennoch überwiegt im "Dorf" die Aufbruchstimmung. Ute Schlömer, die Wirtin des Dorfkrugs, hat nagelneue Tische und Stühle am Teich aufgestellt, "damit sich die Gäste richtig schön ausbreiten können", auch abseits der großen Terrasse. Die Luca-App und die Bestellung im Freien ersparen Schreibkram und enge Begegnungen. Die Töpferei hat den Winter über vorproduziert und in den letzten Tagen "geräumt und geputzt", berichtet Keramikerin Beate Merrick. Bäcker Meyer-Ehlers muss am Wochenende nur auf das Schwarzbrot verzichten: Der Publikumsrenner braucht 16 Stunden Backzeit: "Das schaffen wir so schnell nicht."

Die Handwerker werden in diesem Jahr eine Schlüsselrolle im neuen Programm spielen. Der Grund: Weil Großveranstaltungen wie die Dorfkirmes und der Nikolausmarkt voraussichtlich gar nicht oder nur in begrenzten Umfang möglich sein werden, setzt das Museum stärker auf ein renoviertes Aktionsprogramm mit altem Handwerk: Drechsler, Schmied, Weberin und Korbflechter sollen nicht nur an den Sonntagen auftreten. In den Sommer- und Herbstferien, verspricht die Öffentlichkeitsarbeiterin Beatrix Kaiser, "wird jeden Tag etwas los sein". Das Museum setzt noch mehr  auf "lebendige Geschichte", unterstreicht Schulte to Bühne. 

Museum schwenkt um zu "offenen" Führungen

Weil Busse, Schulklassen und große Gruppen fehlen, stärkt das Team die Angebote für Einzelbesucher und zufällig zusammengewürftelte Kleingruppen: "Freie" Führungen ohne Anmeldung sollen am Eingang angeboten werden – zum Beispiel durch die Gärten des Dorfes oder über einen Klima-Pfad, der Energieverbräuche und Verkehrsleistungen von früher mit dem heute üblichen Standard vergleicht. Ein festes Programm fehlt noch, wird aber nachgereicht, sobald die mögliche Teilnehmerzahl behördlich festgelegt worden ist.

Glücklich über Ende der Zwangspause: die Führung des Dorfs und die Dorfbetriebe. Im Bild von links: Beatrix Kaiser, Direktorin Julia Schulte to Bühne, Bäcker Werner Meyer-Ehlers, Töpferin Beate Merrick und  Wirtin Ute Schlömer. Foto: KrekeGlücklich über Ende der Zwangspause: die Führung des Dorfs und die Dorfbetriebe. Im Bild von links: Beatrix Kaiser, Direktorin Julia Schulte to Bühne, Bäcker Werner Meyer-Ehlers, Töpferin Beate Merrick und  Wirtin Ute Schlömer. Foto: Kreke

So entscheidet sich in den nächsten beiden Wochen, wann die neue Ausstellung "Konsum(t)räume – Zwischen Acker und Asphalt" in der Dr.-Helmut-Ottenjann-Halle eröffnet wird. Die Schau gibt einen Vorgeschmack auf das neue kulturgeschichtliche Themenfeld, das rund um die Disko "Sonnenstein" die Konsum- und Freizeitgewohnheiten der Nachkriegszeit "beackern" soll: Die alten Kalkhoff-Fahrräder aus der Privatsammlung der Fabrikanten-Familie werden gezeigt, ein typischer Tante-Emma-Laden und ein zweitaktender DKW Junior, mit dem einst Hebammen und Handelsvertreter zu ihrem Klientel knatterten. Auf Dauer soll diese Themenwelt in neue alte Gebäude zwischen der Bether Straße und der Museumsverwaltung zu einer Art "Dorfstraße" der 50er und 60er-Jahre ausgebaut werden.

Ausstellung schildert Feste und Feiern auf dem Land

Dazu passt eine Ausstellung über Feste und Feiern auf dem Land,  vom klassischen Abtanzball bis zum neumodischen "Einmehlen" Jugendlicher. Dabei arbeitet das Museum mit dem Cloppenburger An-Institut der Uni Vechta für Kulturanthropologie zusammen.

Ob die große Dorfkirmes mit den historischen Fahrgeschäften und der "Disco auf der Raupe" stattfinden wird, ist höchst fraglich. Selbst wenn die Inzidenzen weiter sinken, erwartet Schulte to Bühne Besucherobergrenzen, "aus dem Bauch heraus höchstens 5.000". Zum Vergleich: Zur (dieses Jahr abgesagten) Gartenpartie kamen sonst 20.000 innerhalb von 3 Tagen.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Museumsdorf drängt auf Test-Befreiung unterhalb der 50er-Inzidenz - OM online