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Münchhausen schwindelt jetzt auf Instagram

Lias Reichardt aus Vechta glänzt mit einer Geschichte über den Lügenbaron im Europäischen Wettbewerb. Sein Beitrag ist zugleich ein Erfolg für die Begabtenförderung am Gymnasium Antonianum.

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Schmucke Urkunden für den Erfolg auf Landes- und Bundesebene: Für Lias Reichardt hat sich die Teilnahme am ältesten Schulwettbewerb Deutschlands gelohnt. Lehrerin Maria von Wahlde freut sich ebenfalls über eine Anerkennung. Foto: Speckmann

Schmucke Urkunden für den Erfolg auf Landes- und Bundesebene: Für Lias Reichardt hat sich die Teilnahme am ältesten Schulwettbewerb Deutschlands gelohnt. Lehrerin Maria von Wahlde freut sich ebenfalls über eine Anerkennung. Foto: Speckmann

Er zieht sich und sein Pferd an den Haaren aus dem Sumpf, spannt einen Wolf vor den Schlitten und reitet sogar auf einer Kanonenkugel, um die Feinde vor einer Schlacht auszuspähen. Die Rede ist von Münchhausen. Mehr als 100 kuriose Geschichten ranken sich um den berühmten Lügenbaron. Ihm dürfen nun dank eines Projektes am Gymnasium Antonianum in Vechta mehrere neue verrückte Erlebnisse angedichtet werden.

Das Gymnasium Antonianum trägt den Titel "Europaschule". Es hat sich am Europäischen Wettbewerb beteiligt, der trotz aller Belastungen durch die Corona-Pandemie zum 68. Mal stattfand. Unter den fast 43.000 Teilnehmern aus ganz Deutschland verbucht ein Sechstklässler aus Vechta einen großen Erfolg: Lias Reichardt. Ihm ist es gelungen, bei dem ältesten und einem der renommiertesten Schülerwettbewerbe Deutschlands gleich zwei Preise auf Landes- und Bundesebene abzuräumen.

8 Schüler aus Vechta stellen sich der riesigen Konkurrenz

Unter dem Motto „Digital EU – and You?!“ sollten sich die Schüler mit Aspekten des digitalisierten Lebens in Europa auseinandersetzen. Dabei ging es um die Frage, wie sich die Lebenswelt von Kindern durch die Digitalisierung verändert hat, welche kreativen Ausdrucksformen durch das Internet möglich sind und welchen Einfluss soziale Medien auf die Kommunikation ausüben.

Beim Blick auf die verschiedenen altersdifferenzierten Aufgabenstellungen entschied sich der Begabtenkursus "Lese- und Theaterprojekt" des Gymnasium Antonianum für das Thema „Münchhausens neue Kleider“. 8 Schüler aus dem 6. Jahrgang demonstrierten am Beispiel des Lügenbarons, dass es Fake News nicht erst seit dem Zeitalter der Neuen Medien gibt.

"Unwahrscheinliches und Unmögliches glaubhaft einer Zuhörerschaft versichern – das ist den Schülern überzeugend gelungen."Maria von Wahlde, Organisatorin der Begabtenförderung am Gymnasium Antonianum

"Unwahrscheinliches und Unmögliches glaubhaft einer Zuhörerschaft versichern – das ist den Schülern überzeugend gelungen", lobt Kursleiterin Maria von Wahlde. Die Teilnehmer seien mit Kreativität, Einfallsreichtum und großer Selbstständigkeit an die Aufgabe herangegangen. Sie hätten ihre Leser in die Welt der Manipulation entführt und sich dabei gekonnt der sozialen Medien bedient.

Münchhausen glückt Notlandung auf Lanzarote

"Ich wollte Münchhausen modern wirken lassen. Deshalb habe ich mich entschieden, seine Geschichte als Instagram-Story zu schreiben", berichtet Lias. Er ist zwar selbst nicht auf der Plattform unterwegs, weiß aber um die verbindende Wirkung. Somit hat er sich Anregungen aus seinem privaten Umfeld geholt und einen Account für die Hauptfigur erstellt.

Unter dem Namen "MasterMünch09" nimmt die schillernde Figur seine Follower mit auf einen "Höllentrip ins Paradies". Mit dem Flugzeug geht es – wohlgemerkt im 18. Jahrhundert – quer durch Europa. Als der Bordcomputer ausfällt und die Piloten heillos überfordert sind, übernimmt Münchhausen das Kommando über die Maschine, meistert eine Notlandung auf Lanzarote und wird zum Ehrenbürger der Insel ernannt.

Bei der detailreichen Erzählung könnte der Leser glauben, dass der 12-jährige Autor schon etliche Male im Flugzeug gesessen hat, aber weit gefehlt. "Ich bin noch nie geflogen, habe es aber in Filmen gesehen", verrät der Junge. Neben seiner Recherche ist ihm sicher auch zugutegekommen, dass er schon in der Grundschule gerne Geschichten geschrieben und eine Vorliebe für Fantasy-Romane hat.

Freiwilliges Engagement neben dem Unterricht

An frischem Lesestoff sollte es künftig nicht mangeln. Als einer von etwa 550 Preisträgern auf Bundesebene erhält Lias neben den Urkunden einen Buchgutschein und ein Abonnement für das Wissensmagazin "Geolino". Auch Studiendirektorin Maria von Wahlde darf sich über eine Anerkennung in dem Wettbewerb, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, freuen.

Die Deutschlehrerin lobt die Arbeit der Schüler, zumal die Voraussetzungen durch das Homeschooling nicht gerade leicht waren. Der Erfolg sei zweifellos eine Bestätigung für die pädagogische Ausrichtung. "Im Kooperationsverbund der Begabtenförderung verfolgt das Antonianum schon seit Jahren das Ziel, Begabungen frühzeitig zu erkennen und zu fördern."

Als Organisatorin der Begabtenförderung und Jahrgangskoordinatorin der 5. und 6. Klassen steht von Wahlde in engem Austausch mit den Schülern, die sich auf freiwilliger Basis über den normalen Unterricht hinaus engagieren. Sie treffen sich jede Woche für zwei Stunden, um verschiedenste Themen zu vertiefen. In einem aktuellen Projekt werden geheimnisvolle Orte in der Schule aufgesucht. Das wäre sicher auch nach dem Geschmack von Münchhausen gewesen.

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