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Mühsam erwacht die Lieblingsinsel

Kolumne: Batke dichtet – über den QR-Code, der beim Reisen nicht unbedingt jeden Weg frei macht. Und über das besondere Licht auf Mallorca, das derzeit teils einen gespenstischen Eindruck hinterlässt.

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Bringen wir es gleich hinter uns und fangen mit einem Geständnis an. Ja, wir waren auf Mallorca. Nein, wir haben kein schlechtes Gewissen. Und bereut haben wir den Trip schon gar nicht. Dafür ist es mitten im Mittelmeer in der Frühsommerzeit einfach zu schön. Und gut zu sehen, dass die Insel versucht, Stück für Stück das Corona-Trauma zu überwinden. Sie erwacht – mühsam.

Reisen unter Pandemie-Bedingungen bleibt eine mitunter skurrile Angelegenheit. Wer hätte vor anderthalb Jahren gedacht, dass man sich in einer veterinärmedizinischen Großpraxis für schlappe 65 Euro die Bestätigung dafür abholt, dass man virenfrei ist und verreisen darf? Einen negativen PCR-Test zu haben, ist zwar positiv, doch der QR-Code macht nicht automatisch jeden Weg frei. Was ich wieder einmal beim Security-Check im Flughafengebäude erlebte, als die Sensoren heftigst ausschlugen. Diesmal hatten es die unerbittlichen Kontrolleure auf mein Schuhwerk abgesehen, das mit einer solch verbissenen Sorgfalt gecheckt wurde als vermute man darin den Schmuggel waffenfähigen Plutoniums.

"Dem Zauber der Insel hat das Virus nichts anhaben können, ihren Bewohnern umso mehr."Alfons Batke

Nun, man lässt sich einiges gefallen, ehe man sicheren spanischen Boden unter den Füßen hat und sich vom besonderen Licht und dem einzigartigen Fluidum Mallorcas einfangen lassen kann. Dem Zauber der Insel hat das Virus nichts anhaben können, ihren Bewohnern umso mehr. Auch in diesen Wochen haben erst knapp 50 Prozent der Hotels wieder geöffnet, vielerorts prangen noch die Transparente mit „S.O.S. Turismo“ von den Balkonen. Sie symbolisieren, wie sehr man hier auf Gäste und touristisches Leben angewiesen ist. Das Dilemma: Man hat eine Infrastruktur für 14 Millionen Urlauber (2019) geschaffen, letztes Jahr kamen 85 Prozent weniger.

Reisende aus Deutschland geben derzeit mehr noch als üblich den Ton an. Wir hatten uns zum wiederholten Mal Cala Millor im Südosten als Basisquartier für unsere Expeditionen ausgesucht. Das einstige Fischerdorf, längst auf Massentourismus getrimmt, ist vergleichsweise gut gebucht und dabei, die alte Vitalität und Quirligkeit zurückzugewinnen. Fährt man einige Minuten auf dem Rad die Strandpromenade in nördliche Richtung entlang, erreicht man Cala Bona; ein Ferienort, der gemeinhin von britischen Reisenden dominiert wird. Doch die sind nicht da, die Delta-Variante und die harten Quarantänebestimmungen bei der Rückkehr sorgen dafür, dass die Easyjets am Boden bleiben. Während das Leben in Cala Millor anfängt zu pulsieren, ist Cala Bona eine Geisterstadt – und sie wird es über Wochen hinaus noch bleiben.

So bereist man mit zwiespältigen Gefühlen die Insel. Zum einen ist es schön, dass all die sehenswerten Orte und Plätze noch nicht überlaufen und relativ problemlos sogar Parkplätze zu finden sind, wobei man einschränkend sagen muss, dass die vielerorts neu installierten Parkautomaten schwerer zu bedienen sind als die Armaturen im Cockpit eines Jumbo Jets. Zum anderen wird uns schonungslos vor Augen geführt, wie abhängig die Insel und ihre Bewohner von den Touristenströmen sind.

So bleibt mir von unserer 12-tägigen Visite ein kurzes Gespräch mit Hotelgärtner Juan besonders in Erinnerung, das wir am Tag vor unserer Abreise führten. Er beendete die Unterhaltung mit dem Satz „Danke, dass ihr in dieser schweren Zeit bei uns wart.“ Und er rief uns nach: „Bitte wiederkommen.“ Na dann bis zum nächsten Mal!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine 40-jährige journalistische Laufbahn zurück. Der Autor lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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