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Moor bietet Platz für schutzbedürftige Arten

Das Vehnemoor in Bösel steht nun seit mehr als zehn Jahren unter Naturschutz.  Damals wurden 1676 Hektar nach dem Torfabbau für die Renaturierung freigegeben.

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Trägt kaum: Die filzige Moordecke schwankt unter den Füßen.    Foto: Pille

Trägt kaum: Die filzige Moordecke schwankt unter den Füßen.    Foto: Pille

Die älteren Böseler können sich gut erinnern: Ein verschlungener Pfad führte den Torfstecher direkt ins Moor, wo alle Wege endeten. In der Linken der „Jager“, in der Rechten der „Stigger“, beide heute Symbole im Wappen der Gemeinde Bösel. Man spürte es: Moore waren damals unheimlich wie Friedhöfe. Kolke wie das Dustmeer schimmerten undurchsichtig und stumm. Vorsichtig tritt der Torfstecher zu, und das ist dem Besucher von heute auch zu raten. Die filzige Moordecke, die kaum trägt, schwankt unter den Füßen.

Wer heute, mehr als zehn Jahre nach der Unterschutzstellung, das Vehnemoor betritt, wird die ersten Ergebnisse des Landesbeschlusses schnell erkennen, auch die übrigen Moorflächen rund um die vorhandenen unter Schutz zu stellen. Damals gab das Land Niedersachsen insgesamt 1676 Hektar Moor nach dem Torfabbau für die Renaturierung frei. Zahlreiche Naturschutzverbände und Privatpersonen hatten über Jahrzehnte mit Interessenverbänden über die Genehmigungen zum Torfabbau und die anschließende Renaturierung im Vehnemoor gestritten, selbst gerichtliche Auseinandersetzungen begleiteten die öffentlich geführten Diskussionen.

Moor existierte nur als Abbaugebiet industrieller Torfstecher

Ein bestürzendes Gefühl im Nacken, standen die Menschen Jahrzehnte später an der Stelle des Torfstechers und fanden das Moor nicht mehr. Der Weg hinein war gepflastert, die Wiesen bedeckt der Löwenzahn, die Äcker der Mais für die Silos. Nasse Füße gibt es nicht mehr. Das Moor existierte nur noch als Abbaugebiet industrieller Torfstecher und als landwirtschaftliche und maschinengerechte Nutzfläche. Die letzten Reste des blutleeren Moores verschwanden als Blumentopferde in Plastiktüten.

Hier nun begannen die Bemühungen auf verschiedenen Ebenen, zu retten, was es noch zu retten gab und gibt, möglicherweise angetrieben von gemeinsamen Gewissensbissen. In der Diskussion um das rechte Maß zwischen (Land) Wirtschaft und Landschaft wurde oft vergessen, dass Torfwerke und Landwirtschaft vielen Menschen Brot und Arbeit gaben, ob als Moorarbeiter- oder Handwerker oder als Landwirte auf den Siedlungshöfen. Denn dort lagen die Chancen der jungen Menschen nach der neuen Freiheit durch die Befreiung von der Hörigkeit als Heuerleute.

Vehnemoor vor 40 Jahren in Moorschutzprogramm aufgenommen

Einen ersten Schritt tat man vor fast 40 Jahren, als das Vehnemoor in das Moorschutzprogramm aufgenommen wurde. Die Umsetzung der Renaturierung war allerdings nicht sonderlich konsequent. Jahre später wurden schließlich drei kleine Teilflächen unter Naturschutz gestellt: „Vehnemoor-West“, „Dustmeer“ und „Jordanshof“. Und der Rest? Begehrlichkeiten gab es zuhauf, dagegen hielten die Naturschützer. Was nach der Auflösung der Bezirksregierung Weser-Ems niemand mehr für möglich hielt, dokumentierte dann die Verordnung des Landes: Das bedeutete Wiedervernässung nach dem Torfabbau. Seitdem ist im Dustmeer bereits zu erkennen, dass hier entsteht, was entstehen soll: ein offener, nährstoffarmer und moortypischer Lebensraum, der Platz bietet für viele schutzbedürftige Arten und Lebensgemeinschaften.

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