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Molberger Landjugend feiert trotz bürokratischer Hürden Erntedankfest

Beim traditionellen Fest der KLJB steht Dankbarkeit und Nahrungsversorgung im Vordergrund. Doch die Veranstalter machen auch klar, dass die Genehmigung der Feier zu einer Herausforderung geworden ist.

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Lange Tradition: Pater Christopher Umoh segnete die Erntegaben. Foto: Landwehr

Lange Tradition: Pater Christopher Umoh segnete die Erntegaben. Foto: Landwehr

„Vielleicht habt ihr euch gewundert über die spärliche Dekoration der Halle. Wir mussten bei der Bauabnahme um jeden Topf Heide kämpfen, der vielleicht hätte brennen können“, erklärte Molbergens KLJB-Vorsitzender Jannes Kayser zu Beginn des Molberger Erntedankfestes. Damit äußerte er deutliche Kritik an der bürokratischen Hürde, die im Vorfeld von der Landjugend genommen werden musste, um das Fest überhaupt stattfinden zu lassen. Doch dies sollte die Stimmung auf dem Fest nicht weiter trüben: In der Halle Osterhus feierten Kaplan Jineesh, Pater Rijo und Pater Umoh gemeinsam mit Diakon Holger Meyer und vielen weiteren Gläubigen die Erntedankmesse. Dabei sollte die Dankesrede nicht zu kurz kommen: „Gott hat uns die Erde geschenkt, damit wir sie bewahren“, ermahnte Pater Rijo Muthatil.

"Das Erntedankfest hat nicht nur in Deutschland eine lange Tradition. In allen unseren 28 indischen Bundesstaaten wird ein Erntedankfest gefeiert. Es heißt unterschiedlich und hat unterschiedliche Rituale. Aber die Menschen wollen danken für das, was sie von Gott erhalten haben, für Gesundheit, Nahrung, Familie oder Glück“, erläuterte Pater Rijo Muthatil den Grund der großen Feier.

Pater Christopher Umoh aus Nigeria, der vor 3 Jahren für einige Monate in Molbergen aktiv war, wies auf die Herausforderungen in seiner Heimat hin. Beim Segnen der Erntegaben machte er deutlich, dass die Probleme nicht nur durch das aktuelle Hochwasser entstanden seien. Während seiner 3-monatigen Vertretungszeit in Wilhelmshaven habe er es nicht versäumen wollen, seine alte Gemeinde zu besuchen, bevor er Anfang November nach Nigeria zurückkehre, erklärte Umoh zur Freude der gläubigen Gäste. 

Landjugend übt Kritik an bürokratischer Hürde 

„Die Landwirtschaft steht vor einer Zeitenwende. Sie braucht wieder eine Perspektive, eine Utopie“, erklärte Kaplan Jineesh Karakkada dann in seiner Predigt. „Nahrung für alle in Harmonie von Natur und Mensch“, das sei die Forderung. Die Erde könne die 8 Milliarden Bewohner ernähren. Die aktuellen Probleme seien die Probleme der Menschen. „Wir müssen die Verantwortung übernehmen, die Natur und unsere Mitmenschen zu schützen. Es zerreißt einem das Herz, zu sehen, dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen und dass durch den Krieg Nahrungsmittel so teuer werden, dass noch mehr Menschen hungern müssen“, sagte Pater Jineesh. „Wir sind doch aufeinander angewiesen. Niemand lebt ausschließlich von dem, was er selbst geerntet hat.“

Mitgestaltet wurde der Erntedankgottesdienst durch die KLJB und durch die Gruppe „Cantima“. Bevor der Musikverein mit seinem Programm startete, kam der KLJB-Vorsitzende Kayser zu Wort: „Wir mussten einen eigenen Bauantrag stellen. Das macht man nicht eben so. Den durften wir auch nicht selbst erstellen. Für die Unterstützung danken wir dem Ingenieurbüro Ludmann. Bei der Bauabnahme mussten wir bei der Dekoration um jede Deko diskutieren, ob die brennbar sei. Viele Landjugendgruppen sind mit dieser Bürokratie überfordert. So fallen viele Traditionsveranstaltungen weg“, bedauerte Kayser und kritisierte damit die Änderung des Paragraphen 47 der Versammlungsstättenverordnung (NVStättVO).

Baugenehmigung für das Erntedankfest gilt nur für ein Wochenende

„Den jungen Menschen gerade nach 2 Jahren Pandemie jetzt solche Steine in den Weg zu legen, das geht gar nicht. Von einer Wertschätzung des Ehrenamts der jungen Menschen kann hier ebenfalls nicht gesprochen werden. Wir fordern alle Verantwortlichen in der Politik ausdrücklich dazu auf, die Hürden für die Genehmigung solcher Brauchtumsveranstaltungen zurückzuschrauben“, führte er fort. „Wenn jemand eine Disco eröffnen will, können wir helfen. Wir sind jetzt Experten bei Bauanträgen. Allerdings: Unsere Genehmigung gilt nur für dieses Wochenende. Im nächsten Jahr geht der Zirkus wieder los“, zeigte sich Kayser etwas frustriert. DJ L.T und DJ KAY sorgten dann jedoch dafür, dass der Frust über das diesjährige Fest bei dem anschließenden Ernteball von den Teilnehmenden schnell vergessen wurde.

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