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Moin, an alle Grüßmuffel!

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Die Grüßkultur in ländlichen Regionen unterscheidet sich sehr von der städtischen. Denn im OM kommt fast immer auf ein "Moin" auch ein "Moin" zurück.

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"Hallo!", der coole Dreikäsehoch auf Vechtas Großer Straße grüßte mich freundlich und ich war total verdutzt, stammelte noch schnell ein "Moin" und überlegte angestrengt, ob ich den freundlichen Burschen kenne. Nichts fiel mir zu ihm ein, der Bengel hat mich einfach so gegrüßt, den Mann mit den grauen Haaren.

Früher im Dorf bläuten uns Oma, Opa und die Tante immer ein, ja jeden zu grüßen – zumal wir ja ein Geschäft hatten und das Grüßen deshalb ziemlich wichtig fürs Überleben schien. Immer haben wir natürlich die Zähne nicht auseinanderbekommen, nein, wahrscheinlich sogar meistens nicht, und unsere Eltern haben trotzdem überlebt. Hatten wir doch schließlich anderes im Kopf, als zu alten Leuten "Moin" zu sagen: Das nächste Fußballspiel, die vergessenen Hausaufgaben und all das, was an komischen neuen Dingen in unseren wild pubertären Körpern so vorging.

Aber ich weiß noch, dass es manchmal richtig Ärger gab, wenn irgendjemand sich beschwert hatte, dass wir olle Muffelköppe wären und nicht grüßten. Das war dann kein Spaß mehr, wenn unsere Eltern zu hören bekamen "Jau, Antonius kann uck nich mehr greuten!". Daran muss ich immer denken, wenn mir heute als Fußgänger ein Auto entgegendüst und ich in Sekundenschnelle überlege, grüßen oder nicht? Diese verspiegelten Scheiben verbergen fast jeden Fahrer hinter dem Steuer wie einen Geheimagenten. Kommt noch eine coole Sonnenbrille dazu, weiß doch kein Mensch, wer da am Lenkrad sitzt. Man erkennt nie und nimmer, ob der Fahrer jetzt winkt, wenn er oder sie nicht freundlicherweise mit aller Macht hupt.

"Hatten wir doch schließlich anderes im Kopf, als zu alten Leuten 'Moin' zu sagen."Antonius Schröer

Wahre "Wetten das…"-Genies im Oldenburger Münsterland kennen natürlich jedes Autokennzeichen im Landkreis und wissen, wann der Winkearm raus muss. Ich dagegen stottere schon bei der Buchstabenkombination meines eigenen Autos. Und schon höre ich am nächsten Tag den Satz "Kennst mich auch nicht mehr, man kann dich ja fast übern Haufen fahren".

Als ich am Weihnachtssonntag mal wieder mit meinen beiden Mädels – also mit Oma und meiner Tante – in Emstek im Hochamt saß, war das Erkennen viel einfacher. Auf dem Hinweg zur Kommunion sieht man aus dem Augenwinkel immer den einen oder anderen, den man schon lange nicht mehr gesehen hat und auf dem Rückweg in die Bank macht es schon ein wenig Freude, – natürlich mit einem frommen Blick – zu testen, ob ein kleines Nicken zurückkommt.

Das konnten wir übrigens früher als Messdiener in Perfektion auch vom Altar aus – nur nicht lachen, dann gab’s Ärger. Meine kleinen Nichten und Neffen aus Berlin verstehen das nicht. Durch Berlin laufen und normalen Menschen "Hallo" sagen, da guckt dich der andere höchstens verwundert an oder blafft zurück "Wat willste?". Das ist bei uns im OM eben schöner – auf ein Moin kommt immer ein Moin.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser. Der 60-Jährige verkörpert das Vechtaer Original "Straßenfeger" im Karneval.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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