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Mitten im Wohngebiet mit Betäubungsmitteln gehandelt

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ein Vechtaer (31) hat bei sich zu Hause im Schuppen Marihuana gelagert. Zum Verkauf? Das bestritt der Angeklagte vehement.

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Strafverfahren wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln sind nicht selten und selten spannend. Der Fall, über den ich heute berichte, hatte aber doch einige Besonderheiten. Es ging um einen 31-jährigen Vechtaer, der von einer Mitangeklagten begleitet wurde. Um es vorwegzunehmen, die Frau wurde freigesprochen. Sie war ohnehin psychisch bestraft genug.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, im März 2021 in einem Schuppen hinter dem Haus in der Pater-Laurentius-Straße in Vechta 4 Kilogramm Marihuana und 40 Gramm Haschisch gelagert zu haben, um diese gewinnbringend zu verkaufen. Eine Nachbarin, die als Zeugin aussagte, hatte 4 Jahre lang beobachtet, dass sich in dem Schuppen Seltsames zutrug.

Sie sah den Angeklagten, der oft mit und ohne Rucksack in den Schuppen hinein- und hinausging. Sie hatte aber auch, wie sie sagte, Marihuana gerochen. Sie ging schließlich zur Polizei und meldete das. Die Polizei bat sie, wenn sie wieder Ähnliches wahrnähme, möge sie bitte anrufen.

„Der Angeklagte flüchtete durch die Hintertür durch die Gärten, verlor drei Beutel mit Betäubungsmitteln und wurde schließlich gefasst.“Klaus Esslinger

Das war dann am 8. März 2021 der Fall. Die Polizei kam, der sich im Schuppen befindliche Angeklagte flüchtete durch die Hintertür durch die Gärten, verlor drei Beutel mit Betäubungsmitteln und wurde schließlich gefasst. Im Schuppen gab es einen „Erdbunker“, dort wurde Marihuana gelagert. Gefunden wurden eine Feinwaage, ein Laminiergerät. Für die Polizei war klar, was sich dort im Schuppen tat.

Der Angeklagte hingegen erklärte dem Gericht, er habe den „Stoff“ von einem Bekannten (den Namen könne er nicht nennen) bekommen, um ihn sicher aufzubewahren, in Beutel abzupacken und zu beschriften. Er werde es dann wieder abholen und er bekomme dafür 400 Euro. Auf den Hinweis, dass der Schuppen jemandem von der Familie gehöre, er dort gar nicht wohne, erklärte er mit dem Hinweis, er habe einen Schlüssel für den Schuppen und benutze ihn häufiger, um dort seine Wäsche abzulegen.

Die Nachbarin hatte zunächst oft Leute vor der Haustür gesehen, Marihuana gerochen, und in der Nachbarschaft sei klar gewesen, dass dort mit Betäubungsmitteln gehandelt werde. Vor der Tür sei später nicht mehr gehandelt worden, aber es sei für sie klar gewesen, dass es dort um Drogen gehe. In der Nachbarschaft sei auch ein Brief an die Hauseigentümerin geschrieben worden.

Auch die Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln ist strafbar

Der Staatsanwalt räumte ein, es könne sein, dass der Angeklagte nicht mehr mit Betäubungsmitteln handele, aber auch der Besitz und die Beihilfe zum Handeltreiben seien strafbar. Da der Angeklagte wegen eines gleichen Deliktes vorbestraft sei, beantragte er eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten ohne Bewährung.

Die Verteidigerin führte ins Feld, dass der Angeklagte drogenfrei sei, mehrere drogenfreie Tests nachweisen könne und auch seinen Führerschein wiederbekommen habe. Sie forderte eine 2-jährige Freiheitsstrafe auf Bewährung, da der Angeklagte auch einem Job nachgehe.

Das Gericht verurteilte den Vechtaer zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren auf Bewährung, setzte die Bewährungszeit auf 4 Jahre fest und gab dem Angeklagten auf, zehn drogenfreie Tests nachzuweisen.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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