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Mitarbeiter kämpfen gegen unsichtbaren Feind

In der Corona-Teststation am Famila-Markt in Vechta herrschen umfangreiche Schutzmaßnahmen. Nicht jeder Kundenkontakt bleibt in guter Erinnerung.

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Fünf Mal kreisen in jedem Nasenloch: Für Ina Abitz ist der Abstrich längst Routine. Sie ist eine von neun Mitarbeitern in der Corona-Teststation auf dem Famila-Parkplatz in Vechta. Foto: Speckmann

Fünf Mal kreisen in jedem Nasenloch: Für Ina Abitz ist der Abstrich längst Routine. Sie ist eine von neun Mitarbeitern in der Corona-Teststation auf dem Famila-Parkplatz in Vechta. Foto: Speckmann

Manuela Schönwald und Ina Abitz müssen schmunzeln, wenn sie an eine schon mehrfach gestellte Frage an ihrem Arbeitsplatz denken. Ob sie denn schon von Nasen träumen würden, wollen die Kunden scherzhaft wissen. Ganz abwegig ist der Gedanke nicht, denn die beiden Kolleginnen schauen fast im Minutentakt auf das Geruchsorgan und bohren sogar in den kleinen oder auch größeren Knollen. Solche Handgriffe gehören zur täglichen Arbeit in der Teststation auf dem Famila-Parkplatz in Vechta.

„Kopf in den Nacken, Nase frei machen, Mund bedeckt halten. Vorsicht, bitte nicht erschrecken!“, lautet die Ansage. Das Prozedere dauert nur wenige Sekunden. Auf das Ergebnis brauchen die Kunden vor Ort nicht zu warten, sie können gleich weiterziehen und später eine Mail abrufen. Somit bekommen sie kaum etwas mit von dem Arbeitsaufwand, den Schutzmaßnahmen und auch den Problemen, denen die Teams in der Teststation ausgesetzt sind.

Viele Dinge kommen Schönwald bei ihrem neuen Job bekannt vor. Sie hat früher in einer Apotheke gearbeitet, ist mit dem Gesundheitswesen vertraut und auch den Kundenkontakt gewöhnt. Doch so nahe ist sie fremden Menschen vorher kaum gekommen. Nun geht es bis auf eine Armlänge heran, um einen Abstrich mit dem Wattestäbchen vorzunehmen. „Fünf Mal kreisen in jedem Nasenloch“, weiß die 43-jährige Vechtaerin.

Blick hinter die Kulissen: Manuela Schönwald erfasst die Ergebnisse der Schnelltests. Foto: SpeckmannBlick hinter die Kulissen: Manuela Schönwald erfasst die Ergebnisse der Schnelltests. Foto: Speckmann

Mitarbeiter nahmen an Online-Schulung teil

Alle wichtigen Informationen rund um das Test- und Meldeverfahren haben sich die Mitarbeiter in einer Online-Schulung angeeignet. Die praktischen Erfahrungen stammen aus gemeinsamen Übungen. Obwohl die Arbeit inzwischen längst Routine ist, warten immer wieder neue Herausforderungen, etwa wenn Kleinkinder etwas Scheu vor dem notwendigen Abstrich haben. „Dann muss man spielerisch an die Sache herangehen“, sagt Schönwald, selbst vierfache Mutter.

Viele Kunden sind dankbar über das kostenlose Angebot, zeigen sich mit Worten oder auch Süßigkeiten erkenntlich. Aber nicht jede Begegnung bleibt in guter Erinnerung, wie die Kolleginnen berichten: „Wir sind schon oft beschimpft worden.“ Manchen Kunden gehe es nicht schnell genug, andere seien genervt, weil sie nach den verschärften Regeln einen Nachweis benötigten, um in Lokale und Geschäfte zu kommen.

Mitarbeiter leisten Aufklärungsarbeit

Das Team muss in den kurzen Gesprächen immer wieder Aufklärungsarbeit rund um die Pandemiebekämpfung leisten. Die Fragen reichen über das eigentliche Testen weit hinaus. Zurzeit ist die Auffrischungsimpfung, das so genannte Boostern, ein großes Thema. Die Mitarbeiter halten sich über die aktuelle Entwicklung auf dem Laufenden. Bei konkreten medizinischen Fragen werden die Ratsuchenden an die Hausärzte verwiesen.

Die Mitarbeiter selbst unterziehen sich einem Test, sobald sie ihren Dienst antreten und die Schutzkleidung überstreifen. Eine Schicht besteht aus zwei bis drei Personen. Sie teilen sich die Arbeit in dem kleinen, beheizten Container. Am Fenster wird getestet, im Hintergrund an den Tischen erfolgen Auswertung und Datenverarbeitung. Zur Abwechslung tauschen die Kollegen im Laufe des Tages mehrfach die Plätze.

„Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt Abitz. Sie hat früher als Teilzeitkraft in einem Fotostudio gearbeitet und freut sich über das Stellenangebot der Firma STO International aus Lohne, zumal sich der Teilzeitjob mit der Familie vereinbaren lässt. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit neun Mitarbeiter in der Teststation, will das Personal aber aufstocken und ein weiteres Angebot in der Vechtaer Innenstadt schaffen.

"Im Supermarkt fühle ich mich ungeschützter als hier."Ina Abitz, Mitarbeiterin der Teststation

Dass sie täglich einem unsichtbaren Feind ausgesetzt ist, sich beim Kontakt mit den Kunden mit dem Coronavirus infizieren könnte, scheint Abitz keine großen Sorgen zu bereiten. Sie fühlt sich mit Schutzkittel, Visier, Maske und Handschuhen sowie dem ständigen Griff zum Desinfektionsmittel relativ sicher. „Im Supermarkt fühle ich mich ungeschützter als hier“, erklärt die 24-jährige Lohnerin und erntetet ein zustimmendes Nicken von ihrer Kollegin. 

Ist das Testergebnis eines Kunden positiv, greifen die festgelegten Sofortmaßnahmen. „Der Betrieb wird vorübergehend eingestellt“, erläutert Unternehmensvertreter Ozan Bengi. Die Mitarbeiter würden ihre Schutzausrüstung wechseln und sämtliche Kontaktflächen im Container desinfizieren. Anschließend werde das Fenster wieder geöffnet. Im Durchschnitt seien etwa 0,1 Prozent der Tests positiv, so Bengi mit Blick in seine Statistik.

Manuela Schönwald (rechts) und Ina Abitz betrachten ihren neuen Job auch als gesellschaftliche Aufgabe. Foto: Speckmann Manuela Schönwald (rechts) und Ina Abitz betrachten ihren neuen Job auch als gesellschaftliche Aufgabe. Foto: Speckmann 

Im Zweifel würden sich Abitz und Schönwald vermutlich lieber bei der Arbeit als in ihrer Freizeit anstecken. Denn die Tätigkeit im Testzentrum betrachten sie nicht nur als Verdienstmöglichkeit, sondern auch als gesellschaftliche, systemrelevante Aufgabe, wie Schönwald feststellt: „Wir sind mitten im Geschehen, haben die Zahlen jeden Abend vor Augen. Wir wollen dazu beitragen, dass die Pandemie irgendwann ein Ende hat.“

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