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Mit roten Ohren: Cloppenburger wühlte in Naomi Campbells Bett

Den Stars und den Top-Models ist Hotelfachmann Thomas Hofrogge (55) manchmal näher gekommen, als ihm lieb ist. Was er im Bett des aufbrausenden Top-Models zu suchen hatte, verrät er erst heute.

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„Ural“ statt „Schwalbe“: Das 40 Jahre alte Motorrad aus Russland hat Thomas Hofrogge von einem Freund „geerbt“. Vorher knatterte der Cloppenburger mit einer DDR-Schwalbe durch London. Foto: Kreke

„Ural“ statt „Schwalbe“: Das 40 Jahre alte Motorrad aus Russland hat Thomas Hofrogge von einem Freund „geerbt“. Vorher knatterte der Cloppenburger mit einer DDR-Schwalbe durch London. Foto: Kreke

Als Naomi Campbell aufgeregt in der Rezeption anrief, schickte der Empfangschef seinen jüngsten Mitarbeiter mit einem delikaten Auftrag hinauf in die Suite des Top-Models: Thomas Hofrogge aus Cloppenburg, der als Barkeeper die Drinks im noblen „Blake‘s Hotel“ mixte, durchwühlte mit heißen Ohren das Bett der Mode-Queen auf der Suche nach einem verlorenen Diamant-Ring.

„Ich war ja ein kleiner, schüchterner Bursche“, erzählt der 55-jährige Hotelfachmann heute. „Und sie stand da im Höschen, während ihre Zofe herumsprang. Ich war froh, als ich da wieder raus war.“ Immerhin: Der nervöse Helfer ertastete mit zitternden Fingern den Schmuck zwischen den Laken.

Sein Glück: Campbell, das erste schwarze Model auf dem Titel der „Vogue“, war besänftigt. Jahre später verdonnerte ein Richter die aufbrausende Britin mit jamaikanischen Wurzeln zu einem Anti-Agressionstraining, weil sie ihre Zofe mit einem Telefon beworfen hatte. Über 30 Jahre nach der Ring­suche erinnert sich der Cloppenburger, der längst in die Gaststätte seiner Familie zurückgekehrt ist, an Stars, die sich in London und Bremen die polierten Klinke in die Hand gaben, an Anekdoten und an seine wilde Zeit in „Swinging London“.

Hofrogge besuchte in 9 Jahren über 1000 Konzerte

„Wenn Du schon so‘n harten Job machst, dann belohnst Du dich auch mit dem Ausland“, beschloss Hofrogge schon während seiner Ausbildung im ehrwürdigen Bremer Park-Hotel Anfang der 90er-Jahre: „Als deutscher Hotelfachmann kannst Du auf der ganzen Welt arbeiten.“ Der Schlagzeuger belohnte sich vor allem mit Konzerten. Mehr als 1000 Tickets aus seinen neun englischen Jahren hat er in einer Holzschatulle aufgehoben: Nirvana, Motörhead, die B 52‘s, ein wilder Mix.

„Ich war ein Musikfanatiker. Und London ist die größte Live-Musik-Stadt der Welt“, behauptet er: „Da spielten jeden Abend um die 300 Bands. Das ist der Wahnsinn.“ Nirgendwo sonst, meint Hofrogge, wären Madonna, Price und Michael Jackson an einem Abend gleichzeitig aufgetreten – in verschiedenen Stadien und Sälen. „Nach sechs Monaten kannte ich alle Schwarzmarkt-Händler“, berichtet der 55-Jährige. Seine Taktik: „Ich hab ‘mich einfach mit‘ nem Bier vor den Eingang gestellt, bis die ihrer letzten Karten nicht mehr loswurden. Irgendwann waren die nichts mehr wert.“ So erlebte Hofrogge meist das zweite Set mit oder zumindest das Finale.

Die größte Anerkennung eines Stars handelte sich der junge Cloppenburger allerdings nicht auf einem Konzert oder im Hotel ein, sondern, als er ein damals seltenes Zweirad importierte. „Ich fuhr Ostern immer nach Hause und hab‘ mir hier eine ,Schwalbe‘ besorgt“, erzählt er. Auf dem Cloppenburger Bahnhof, wo er den knatternden Zweitakter aus DDR-Beständen aufgeben wollte, kratzte sich der ältere Bahnbeamte unschlüssig am Kopf, bis dem Mann ein faires Angebot einfiel: „Dreimal ein Fahrrad: Das macht 45 Mark!“

Chuck Berry "adelt" den Mann auf der "Schwalbe"

Zwei Wochen später holte der Motorrad-Fan seine „Schwalbe“ an der Victoria Station ab und kurvte mit blauer Abgas-Fahne am Buckingham Palace vorbei, um sich vor dem Hilton Hotel mit einer Kollegin zu treffen: Doris Timmen aus Garrel. „Ich saß da vor dem Laden mit meiner alten Lederjacke auf dem Sitz, als plötzlich Chuck Berry rauskommt.“ Der hoch gewachsene Rock‘n‘roll-Titan blickte im Vorbeischlendern freundlich erstaunt auf das seltene Gespann hinunter und kommentierte: „What a fucking great bike.“ „Da war ich geadelt“, sagt Hofrogge mit einem breiten Grinsen.

Das vielleicht schrägste Konzerterlebnis verdankt er allerdings seinem älteren Bruder Frank und dem „King of Pop“, Michael Jackson. „Ich war schon zwei, drei Jahre in London, da rief mein Bruder an: Du musst unbedingt kommen. Michael Jackson tritt im Weserstadion auf.“ Frank, damals Rezeptionsdirektor im Park-Hotel, „war der einzige, der zu ihm in die Suite unters Kuppeldach durfte“, erinnert sich Thomas. Und er hatte eine VIP-Karte übrig. „Das war eine gigantische Show“, sagt der Cloppenburger – nicht nur im Stadion, sondern besonders vor und im Hotel. „Da warteten über 2500 kreischende Fans auf der Bürgerweide, als Helge Schneider mit einem klapperigen Benz in Langversion um die Ecke kam“, erinnert er sich.

Gefeiert von Michael-Jackson-Fans: Helge Schneider stieg vor der johlenden Menge in Bremen aufs Dach seines Mercedes. Foto: dpaGefeiert von Michael-Jackson-Fans: Helge Schneider stieg vor der johlenden Menge in Bremen aufs Dach seines Mercedes. Foto: dpa

Der ebenso schräge wie talentierte Multi-Instrumentalist und Musik-Komiker sah die Menge, hielt an, kletterte mit seinen Clogs aufs Autodach  und feuerte die jubelnde Masse an, als gelte ihm der ganze Trubel. Drinnen ließ es Michael Jackson ruhiger angehen. Ob der Mann von der Rezeption mit einem paar Bier raufkommen könne, ließ er anfragen. Aus den Erzählungen seines Bruders Frank hat Thomas Hofrogge den Eindruck: „Der war stinknormal, solange kein Publikum dabei war.“  Allerdings kam der „King of Pop“ gegen Mitternacht auf eine sportliche Idee: Er wollte in der Sportabteilung von Karstadt unbeobachtet einkaufen, noch in dieser Nacht.

Jackson kaufte tonnenweise im leeren Karstadt ein

Frank Hofrogge hatte die Privatnummer des Geschäftsführers parat. Eine Stunde später fuhr am Hintereingang des Kaufhauses ein Tross aus drei Limousinen vor. Jackson, ausgerüstet mit Mundschutz (24 Jahre vor der Pandemie), „zeigte nur mit dem Finger, was er haben wollte“, berichtete der Bruder. „Die haben tonnenweise eingepackt und alles gleich nach Neverland geschickt“, berichtetThomas Hofrogge.  Als seine Zeit in den Nobel-Hotels endete, tauchte der Cloppenburger 1998 mit einer eigenen Band in seiner Heimat und auf der Reeperbahn wieder auf. Aber das ist eine andere Geschichte....

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