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Mit Radio auf einer Wellenlänge

„Stille Nacht, heilige Nacht“ ertönt im Dezember 1920 erstmals im Radio. Die 100-jährige Geschichte des Rundfunks ist im Postgeschichtlichen Museum Friesoythe dokumentiert.

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"100 Jahre durch den Äther": Museumsleiter Wolfgang Letzel. Foto: Wimberg

"100 Jahre durch den Äther": Museumsleiter Wolfgang Letzel. Foto: Wimberg

„Hallo, hallo, hier ist Königs Wusterhausen auf Welle 2700.“ Die ersten Worte der ersten Rundfunksendung am 22. Dezember 1920 waren gerade verklungen, da setzten sich die Telegrafenbeamten an die Ins­trumente, spielten Weihnachtsweisen und kurbelten danach das Grammophon an.

Genau 100 Jahre ist die Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland her, das Radio wurde weiterentwickelt, einem Wandel unterzogen und bleibt bis heute ein wichtiges Medium. 1920 hieß der Apparat noch Detektor. Wer einen besitzen wollte, musste bei der Reichspost eine Genehmigung beantragen, „und eine Prüfung für die Bedienbarkeit ablegen“, berichtet Wolfgang Letzel.

Anlässlich des Jubiläums lädt der Leiter des Postgeschichtlichen Museums Friesoythe zu einer spannenden Zeitreise „100 Jahre durch den Äther“ ein. Zwar kann er coronabedingt aktuell keine Besucher empfangen, doch die Exponate und Schriftstücke sollen noch bis 2022 ihren Platz behalten.

Foto: WimbergFoto: Wimberg

Zu den Geräten zählen auch die Röhrenradios aus den 50ern „mit einer unübertroffenen Klangqualität“ sowie die Kofferradios aus den 60ern für 138 Mark. „Viel Geld und für viele ein finanzieller Kraftakt“, weiß Letzel. Von einem flächendeckenden Empfang konnte 1920 noch keine Rede sein. Nach dem Auftakt, der quasi als „Generalprobe“ galt, datiert der offizielle Start des Rundfunks auf den 29. Oktober 1923. „Achtung, Achtung hier ist Berlin auf Welle 400 Meter“ kann man als Originalton auch in der Friesoyther Ausstellung hören.

Eigentlich war das Radio für die Übertragung von Nachrichten gedacht, Musik sollte dagegen nach der Philosophie der Erfinder Nebensache sein. Das änderte sich aber innerhalb   kürzester Zeit, denn „die Leute haben genau deshalb eingeschaltet“, betonte Letzel.

Was Friesoyther, Böseler und Garreler Bürger bevorzugt haben, ist konkret nicht überliefert. Dass ihnen die Gebühren eines Tages jedoch zu teuer waren, schon. Mit einer Unterschriftenliste wehrten sich vorwiegend namhafte Bewohner aus der alten Hansestadt 1933 gegen das Entgelt und drohten mit Kündigung. „Vermutlich erfolglos“, schätzt der Museumsleiter.

"Radio wird auch weitere 100 Jahre überleben."Wolfgang Letzel, Museumsleiter

Während des Dritten Reiches missbrauchten die Nazis das Radio als Propagandainstrument und schalteten die Sender gleich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Rundfunk dann zu einer öffentlich-rechtlichen Anstalt aufgebaut. Eine bundesweite Grundversorgung mit einem vielfältigen Programmangebot war damit verbunden.

„Radio kann überall und ohne technischen Aufwand gehört werden und es wird auch weitere 100 Jahre überleben“, zeigt sich Wolfgang Letzel überzeugt und zitiert einen unbekannten Autoren: „Eine Welt ohne Radio ist eine taube Welt.“


Fakten:

  • In Deutschland gab es 1924 rund 1580 Rundfunkteilnehmer, 1929 waren es schon drei Millionen, die Zugriff auf rund zehn Sender hatten.
  • In Norddeutschland wurde 1924 der Nordische Rundfunk gegründet, aus dem 1954 der NDR hervorging.

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