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Mit Mama im Knast

Gästebuch: Die junge Mutter ist Wiederholungstäterin. Daher hatte das Gericht kein Einsehen mehr. Ein Jahr Haft – ihre zwei Kleinkinder kommen mit. Vielleicht eine Chance für die kleine Familie.

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Die Schuhe waren gebraucht. Doch vielleicht konnte man sie ja noch zu Geld machen. Also bot die kaum 20-jährige Mutter die Schuhe im Internet zum Kauf an. Mit Vorkasse. Die Ware kam aber nie an. Es war nicht das erste Mal, dass die junge Frau sich auf diesem Wege Geld verschaffte. Juristisch gesehen ein klarer Betrug. Die Frau hatte getäuscht. Die Kundin war drauf hereingefallen und hatte den Schaden. Immer und immer wieder nahm sich die Justiz der Betrügereien an. Bis irgendwann das Fass überlief und sämtliche Augen zugedrückt waren.

Die Cloppenburger Jugendrichterin verurteilte die junge Frau wegen Betruges in zahlreichen Fällen zu einem Jahr Jugendstrafe, und zwar ohne Bewährung. Was blieb, war die Berufung zum Landgericht. Doch zum Termin erschien die Angeklagte nicht. Sie schrieb an das Oldenburger Gericht, dass sie verhindert sei, weil sie zwei kleine Kinder zu versorgen habe. Dann hatte auch das Landgericht die Nase voll und verwarf die Berufung. Der Vertrauensvorschuss war verbraucht.

"Ein Jahr lang soll die 20-jährige Mutter in Unfreiheit verbringen. Die zwei kleinen Kinder dürfen mitkommen. Diese Aussicht empörte den langjährigen MT-Leser Wü."Otto Höffmann

Nun steht das Gefängnis vor der Tür. Ein Jahr lang soll die 20-jährige Mutter in Unfreiheit verbringen. Die zwei kleinen Kinder dürfen mitkommen. Diese Aussicht empörte einen langjährigen Zeitungsleser. Er meldete sich auf den Prozessbericht voller Emotionen und verurteilte die Entscheidung des Gerichts, 2-jährige Kinder in den Knast zu schicken. Das ehrt ihn. Doch was soll eine Gesellschaft machen, wenn ein junger Mensch oder schlimmer: eine junge Mutter immer wieder straffällig wird?

Das einzige Frauengefängnis für Niedersachsen steht in Vechta. Das Mutter-Kind-Haus ist eine von 9 Einrichtungen für Mütter mit Kindern in Haft im gesamten Bundesgebiet. Insgesamt stehen nur circa 100 solcher Haftplätze in Deutschland zur Verfügung.

Darf man Babys einsperren?

In Vechta können die Mütter sowohl im geschlossenen Vollzug als auch im offenen Haus untergebracht werden. Im geschlossenen Vollzug gibt es 5 Plätze. Dabei soll das Alter des Kindes 3 Jahre zum Entlassungszeitpunkt der Mutter nicht überschreiten. Im offenen Haus mit bis zu 13 Plätzen ist eine Unterbringung bis zur Schulpflicht des Kindes möglich. Für manche Kinder, die mit ihren Müttern dort einziehen, beginnt ein völlig neues Leben. Die neue Welt besteht aus regelmäßiger Versorgung und gesunder kindgerechter Verpflegung. Die Kinder wissen nicht, wo sie sich befinden. Die weitaus meisten von ihnen genießen die neue Umgebung und das neue Leben.

Im Knast mit Mama, eine Vorstellung, die auf den ersten Blick verwirrt. Darf man Babys einsperren? Die Antwort auch ebenso klar: Die Kinder sind nicht in Haft. Sie können raus, wann immer möglich, sie können in Begleitung Freunde besuchen und Ferien bei Verwandten machen. Das Kindeswohl hat dabei stets oberste Priorität.

... und Mama bleibt zurück

Wenn aber eine Fremdunterbringung bei Pflegeeltern oder in einem Kinderheim die einzige Alternative ist, wird dieser Weg zu gehen sein. Eine Trennung von der Mutter würde wohl tiefere Wunden reißen. Schlimmer wird es bei mehrjährigen Haftstrafen. Denn die Kinder müssen spätestens mit Beginn der Schulpflicht den Knast verlassen, und Mama bleibt zurück.

Vielleicht wird die junge Mutter, die demnächst ihre Haft antritt, ihren beiden Kindern später erzählen, wo sie die ersten Jahre ihrer Kindheit zugebracht haben. Wenn der Sinn des Strafvollzugs aufgeht, nämlich den Eingesperrten ein künftiges Leben in Freiheit zu ermöglichen, dann hat sich der Kinder-Knast auf jeden Fall gelohnt. So bitter es sich für die unschuldigen Kinder auch anhören mag.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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