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Mit Jesus an den dunkelsten Orten

Das Wort zu Ostern 2021 von Offizial und Weihbischof Wilfried Theising.

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„Es war die Hölle!“ Wer kennt nicht diesen Ausspruch? Viele werden ihn auch selbst schon mal gesagt haben. Zumeist geht es dann um Ereignisse und Erfahrungen, die belastend, erschreckend oder gar traumatisierend waren. Eine schwere Prüfungssituation, Mobbing am Arbeitsplatz, eine Suchterkrankung o. ä. fallen mir dazu ein.

„Es war die Hölle!“, werden diejenigen sagen, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Und viele fühlen diese Hölle heute noch.

Es war und es ist für mittlerweile Hunderttausende in unserem Land die Hölle, die sie mit dem Coronavirus durchgemacht haben und noch machen. Und auch mancher Gastronom, Kulturschaffende und Einzelhändler geht derzeit durch die Hölle, weil die Existenz bedroht und keine Zukunft in Aussicht ist. Es ist das Loch, das sich auf einmal auftut, der unerträgliche Schmerz, die Leere, die zermürbend sind. Am Ende Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

"Die Höllenfahrt Jesu ist möglicherweise kein historisches Ereignis, aber ein sehr starkes spirituelles Bild."Wilfried Theising, Weihbischof

Zum Tod Jesu gibt es eine alte Glaubensgeschichte. Sie erzählt, was passiert, nachdem der Stein vor das Grab gewälzt wurde. Die Jünger ziehen sich in ihre Häuser zurück und verriegeln Türen und Fenster. Nichts geht mehr. Grabesruhe. In diesem Moment fährt Jesus hinab in das Reich der Toten. Dort, wo ewige Dunkelheit ist, durchdringt er die Finsternis mit Licht. Er bringt Licht in das, was Menschen Hölle nennen. Allem, was tot ist, sagt er die Frohe Botschaft: Gott hat den Tod besiegt! Der Tod hat keine Macht mehr. Es wird keine Dunkelheit mehr geben. Danach steigt Jesus wieder hinauf und fährt schließlich in den Himmel auf.

Die Höllenfahrt Jesu ist möglicherweise kein historisches Ereignis, aber ein sehr starkes spirituelles Bild. Es bedeutet, dass Jesus den Tod mit all seinen Facetten vollständig durchdrungen hat. Er hat ihn nicht einfach erlitten, sondern er ist gestorben, um an die dunkelsten Orte und in die höllischsten Situationen Licht und Leben zu bringen. So, dass Erneuerung des Lebens Wirklichkeit werden kann.

Ich bin überzeugt, Jesu Höllenfahrt, d. h. sein Aufsuchen der menschlichen Erfahrungen von Hölle, Leid und Perspektivlosigkeit, von Schmerz und Tod gibt neue Kraft zum Leben. Er hat uns aufgetragen, es allen Menschen weiterzusagen. Der Tod hat das letzte Wort verloren. Die Hölle bleibt am Ende leer. Das Leben siegt. Christus ist auferstanden. Frohe Ostern!


Zur Person:

  • Wilfried Theising (Jahrgang 1962) wurde im Oktober 2016 von Bischof Felix Genn zum Offizial des Offizialatsbezirkes Oldenburg ernannt.
  • Am 28. Januar 2017 wurde er als Offizial eingeführt. Die Priesterweihe empfing er im Mai 1989.

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