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Mit Holz: Handwerker stärken den Beckenboden

Das Löninger Hallenbad ist rund 40 Jahre alt. In den kommenden Jahren steht eine Generalerneuerung an. Mit der neuen Stützkonstruktion gewinnt die Stadt ein wenig Zeit.

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Wichtige Stütze: Die Holzkonstruktion soll dem Beckenboden Stabilität geben. Foto: G. Meyer

Wichtige Stütze: Die Holzkonstruktion soll dem Beckenboden Stabilität geben. Foto: G. Meyer

In den Katakomben des Löninger Hallenbads wird derzeit gesägt und geschraubt. Das Becken erhält von unten ein hölzernes Stützskelett. Der Grund sind feine Risse in der Bodenplatte. Auf Dauer gefährden sie die Stabilität des Bauwerks.

Wenn Ludger Mathlage von "aggressiven Medien" spricht, meint er damit weder umstrittene Messengerdienste á la Telegram noch die Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Löningens Bäderleiter hat es stattdessen mit "Chloriden" zu tun. Die sind bei der Hygiene des Schwimmbads zwar sehr nützlich, fressen sich aber mit der Zeit immer tiefer in die Beton-Konstruktion hinein. Die Holzpfeiler sollen das Leben des fast 40 Jahre alten Beckens jetzt noch um etwa vier bis fünf Jahre verlängern. Spätestens dann dürfte die Stadt  um eine Kompletterneuerung nicht mehr herumkommen. "Wir haben bereits Planungsmittel in den neuen Haushalt eingestellt", bestätigt Bürgermeister Burkhard Sibbel.

Risse seien nach so vielen Jahren ganz normal

Besondere Mängel habe das Becken in den vergangenen Jahren aber nicht aufgewiesen, betont Ludger Mathlage. Auch beim Bau wurde nicht gepfuscht. "Risse sind nach so vielen Jahren ganz normal", sagt der Experte und verweist auf Erfahrungen in anderen Schwimmbädern. Ob sich die Stadt bei einer Sanierung erneut für  Beton als Baustoff entscheidet, lässt Burkhard Sibbel offen. In modernen Schwimmbädern bestehen die Becken inzwischen zumeist aus Edelstahl oder Polyester. 

Die Zimmererarbeiten sind schon weit fortgeschritten und sollen vor den Feiertagen abgeschlossen sein. Die Handwerker müssen noch Zwischenstreben einziehen und diese mit zahlreichen Schrauben an den Balken befestigen. "Wir hatten Glück,  vor Weihnachten eine Fachfirma zu finden, die den Auftrag übernehmen wollte", sagt Burkhard Sibbel. Bevor es losgehen konnte, musste der Badebetrieb eingestellt und das Wasser aus dem Becken abgelassen werden.  

Macht sich ein Bild: Löningens Bürgermeister Burkhard Sibbel (rechts) besuchte die Handwerker in den Hallenbad-Katakomben. Foto: G. MeyerMacht sich ein Bild: Löningens Bürgermeister Burkhard Sibbel (rechts) besuchte die Handwerker in den Hallenbad-Katakomben. Foto: G. Meyer

Mitte Januar, so hofft Ludger Mathlage, kann das Hallenbad wieder für die Allgemeinheit geöffnet werden. "Das ist der Plan." Um den Badebetrieb wieder zu starten, braucht es einen gehörigen Anlauf. Allein vier Tage dauert es, bis das 900 Kubikmeter Wasser fassende Becken wieder befüllt ist. Danach muss Mathlage den Reinigungsprozess in Gang setzen und dabei auf den richtigen Chlorgehalt achten. Abschließend wird das Wasser beprobt. Ist alles in Ordnung, gibt der Landkreis Cloppenburg das Bad für den normalen Betrieb frei.  

Ganz "normal" verlief die Badesaison unter dem Hallendach bisher allerdings nicht. Wegen der Pandemie blieb die Zahl der Schwimmer, die sich gleichzeitig im Wasser tummeln durften, auf 35 beschränkt. Sie müssen sich außerdem online anmelden. An den strengen Sicherheitsmaßnahmen dürfte sich auch im Januar nichts ändern. Probleme mit Besuchern habe es bisher aber nicht gegeben, betont Mathlage.

DLRG fordert mehr Geld für Schwimmbäder

Dass sich die Stadt Löningen ein eigenes Hallenbad leistet, ist mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr. Heute gibt es rund 1600 für die Schwimmausbildung geeignete Bäder weniger als noch vor 20 Jahren, rechnet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor. Im Durchschnitt seien jedes Jahr 80 Schwimmbäder von der Landkarte verschwunden. Die Folge: Die „Schwimmfähigkeit“ der Gesellschaft nimmt ab. Bereits 59 Prozent der 10-jährigen Kinder seien keine sicheren Schwimmer.

"Annähernd 25 Prozent aller Grundschulen können keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil es an einem erreichbaren Bad mangelt. Die Wartezeiten der Vereine für die Plätze in den Schwimmkursen werden immer länger und sind während der Pandemie vielerorts schier explodiert", bemängelt DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Sie rief die neue Bundesregierung auf,  dafür zu sorgen, dass künftig jedes Kind zum Ende der Grundschule sicher schwimmen kann. „Schwimmen ist eine Kulturtechnik, die zur Grundausbildung gehört, wie das Lesen, Schreiben und Rechnen“. Das Ziel müsse sein, dass bis zum Jahr 2030 der Schwimmunterricht in allen Schulen selbstverständlich geworden ist.

Konkret fordert Vogt die Aufstellung eines Bäderbedarfsplans. Rund 75 Prozent der Kosten für ein Schwimmbad entstehen laut DLRG während der Betriebsphase. Neben der Förderung der energetischen Sanierung bräuchten die Kommunen deshalb auch Zuschüsse für den Unterhalt, um die Versorgung nachhaltig sicherzustellen.

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