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Mit frischem Putz an den Gabentisch

Kolumne: Batke dichtet – Pünktlich zum Weihnachtsfest heißt es wieder: Haare ab. Doch im Gegensatz zu den WM-Stars ist der Besuch des Friseursalons nur von kurzer Dauer.

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Es ist ordentlich was los in den deutschen Friseursalons. Die Branche scheint sich gut erholt zu haben von den Unbilden der Coronazeit, die Innung rechnet mit einem Jahresumsatz von 7 Milliarden Euro, was dem vorpandemischen Niveau entspräche. Gerade in diesen Tagen brummen Föhn und Geschäft hochtourig. Schließlich möchte man mit frischem Putz das „O, du fröhliche“ am Gabentisch anstimmen.

Wie gesagt, der Andrang ist groß in den Frisierstuben, und so sitze auch ich in der Warteschleife beim Ansinnen, mein Haupthaar stutzen zu lassen. Zeit genug, um auf meinem Smartphone ein wenig Recherche zum Thema zu betreiben. Unter dem entsprechenden Suchbegriff taucht sofort eine Art Breaking News meiner Lieblingsseite „Wunderweib.de“ auf. „Helene Fischer überrascht mit neuer Frisur“ titelt „DAS Online-Magazin für echte Frauen“ (Eigenwerbung) und präzisiert: „Helene trägt ihre Haare jetzt kürzer, was ihr einen frischen, feschen Look verleiht. Neue Frisur, neuer Style, ihre Fans rasten aus vor Glück.“

"Der erwähnte Alsawani soll an der Schere ähnlich virtuos sein wie weiland Jimi Hendrix an der Gitarre und wurde von Inselkickern wie Marcus Rashford oder Jack Grealish eigens eingeflogen, um die Frisuren in Schuss zu halten."Alfons Batke

Nun, soweit wird es bei mir wohl nicht kommen, wenn ich mich nach dem Barbierbesuch wieder unter das Volk mische. Aber was mir noch auffällt, bevor mir mein Coiffeur das Schulter-Cape überwirft und den Kragen richtet, ist ein Artikel in der Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ mit der originellen Überschrift „Was im Schnitt von dieser WM bleibt“. Die Autorin hat sehr fein beobachtet, dass es nicht die Weltmeisterschaft der blondierten Kicker ist; allen voran die Brasilianer mit aufgehellten Stars wie Neymar, Rodrygo oder Richarlison blieben recht früh auf der Strecke.

Auch ein Herr namens Ahmed Alsanawi musste seinen Werkzeugkasten packen und vorzeitig ins englische Chessingham zurückkehren. Der erwähnte Alsawani soll an der Schere ähnlich virtuos sein wie weiland Jimi Hendrix an der Gitarre und wurde von Inselkickern wie Marcus Rashford oder Jack Grealish eigens eingeflogen, um die Frisuren in Schuss zu halten. Auch die Belgier Eden Hazard und Thibaut Courtois legten sich während der Tage von Katar beim Meister unters Messer, doch die schicke Frise brachte auch ihnen kein Glück.

Während ich noch darüber räsoniere, dass der moderne Fußballprofi möglicherweise mehr Zeit im Friseursalon und beim Tätowierer seines Vertrauens (die Argentinier überragen mit Ganzkörper-Graffity) als auf dem Trainingsplatz zubringt, werde ich zur Behandlung aufgerufen. „Wie immer 8 Millimeter, nur mit Maschine bitte“, versehe ich meinen Wunsch mit den bekannten Eckdaten, mein Friseur nickt wissend und hat in 11 Minuten – der obligatorischen Nachspielzeit bei dieser WM – seinen Patienten behandelt. Das Resultat ist ein einfacher Mecki-Schnitt, den ich auch schon bei meiner Einschulung vor 60 Jahren trug. Okay – mit dieser Frisur kann ich zwar keinen Titel holen und wohl auch nicht Helene beeindrucken, aber fürs Christkind sollte es reichen.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autoren erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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