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Mit einem Kunstschuss fing es an

Kolumne: Batke dichtet – Die Geschichte rund um die schönsten Tore der letzten 5 Jahrzehnte ist reich an Anekdoten. Aber: Nicht immer sollte man allen Nachrichten trauen.

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Nun gut, die Engländer haben es erfunden. 1970 lief erstmals das "Goal of the Month" in der BBC. Doch ein Jahr später zog die ARD nach – von Beginn an war die Aktion "Tor des Monats" ein riesiger Publikumserfolg. An diesem Sonntag steht ein runder Geburtstag an, "TDM" wird 50 Jahre alt. Was hat es in diesen 5 Jahrzehnten nicht für sensationelle Tore gegeben? Und nicht nur Fußball-Enthusiasten lassen sich Monat für Monat von spektakulären Treffern verzaubern oder gar zum Mitmachen bei der Abstimmung inspirieren. Hier ist der Begriff Kult statthaft – die Schönheit des Spiels wird kultiviert.

Angefangen hat alles am 28. März 1971 – an diesem Tag erzielte Gerhard Faltermeier, ein kerniger, von allen nur "Benno" gerufener Mittelfeldspieler des damaligen Süd-Regionalligisten Jahn Regensburg, im Spiel gegen den VfR Mannheim das erste Tor des Monats. Ein satter Freistoß aus 20 Metern präzise in den Winkel wurde gewählt, der Schuss war so wuchtig, dass das Leder sich im Torgestänge verkeilte und nur mit Mühe wieder befreit werden konnte.

"Ich verließ mich dabei auf die Information eines Fernsehkollegen. Fake News; peinlich, dass gar nicht komplett ausgezählt war."Alfons Batke

Eines der schönsten Tore, ein fußballerisches Gesamtkunstwerk, gelang vor 50 Jahren dem Dänen Ulrik Le Fevre, heute 74 Jahre alt. Der ausgebildete Mittelschullehrer, seinerzeit an der Seite von Günter Netzer und Jupp Heynckes in Diensten der Gladbacher "Fohlen", fabrizierte am 20. August 1971 beim 7:0 (!) gegen Schalke (Königsblau stieg in dieser Saison nicht ab, sondern wurde hinter Bayern Vizemeister) eine unvergessene Volley-Stafette. Er überlupfte zunächst hintereinander 2 Schalker Abwehrspieler, ohne dass der Ball den Boden berührte und vollendete mit einem sehenswerten Schuss aus der Drehung. 600.000 Fans beteiligten sich an der Endabstimmung, mit großem Vorsprung wurde Le Fevres Geniestreich Tor des Jahres 1971.

Das Tor des Monats war gar keines

Ich habe häufig mitgemacht bei den Wahlen, brav meine Postkarte mit meinem Favoriten ausgefüllt, sie ausreichend frankiert und an den WDR nach Köln geschickt. Dort trudelten die Stimmkarten säckeweise ein, sortiert wurden sie in den ersten Jahren von Insassen der Justizvollzugsanstalt Klingelpütz. Ich will nicht sagen, dass ich straffällig geworden bin, aber meine vielleicht größte berufliche Verfehlung steht in Zusammenhang mit dem Tor des Monats. 2005 verfasste ich eine Meldung, wonach der Osnabrücker Dave de Jong Torschütze des Monats August sei.

Ich verließ mich dabei auf die Information eines Fernsehkollegen. Fake News; peinlich, dass gar nicht komplett ausgezählt war und de Jong noch vom Gladbacher Kasper Bögel überholt wurde. Dumm gelaufen, und – das ist der Trend der Zeit – ich entschuldige mich. Shit happens. Ich war der Tor des Monats.

Sei's drum, die Geschichte rund um die schönsten Tore der letzten 5 Jahrzehnte ist reich an Anekdoten. Einige davon werden Sonntagabend in einer ARD-Dokumentation (18.30 Uhr) erzählt. Vielleicht auch die von einer der dunkelsten Stunden des deutschen Fußballs. Denn einen Treffer des Österreichers Hans Krankl bei der "Schmach von Cordoba" (Deutschland unterlag bei der WM in der Zwischenrunde Austria mit 2:3 und musste nach Hause fahren) wählten die ARD-Zuseher zum Tor des Monats Juni 1978.

Zur üblichen Münzübergabe reiste ein Reporterteam nach Wien zu Krankl. Die Story wurde mit Ennio Morricones meisterhafter Musik aus "Spiel mir das Lied vom Tod" unterlegt. Um mit Reporter-Legende Edi Finger zu sprechen: "I werd' narrisch."


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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