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Mit dem Judentum verbunden: Steinfelder Pfarrer veröffentlicht sein drittes Buch

Winfried Kahla beleuchtet verschiedenste Aspekte der Religion. In seinem Leben entwickelte er eine Leidenschaft für das Judentum – und das, ohne selbst Jude zu sein.

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Das Werk in den Händen: Hedwig und Winfried Kahla präsentieren stolz das druckfrische Buch, das zu einem besseren Verständnis für Israel und den gemeinsamen israelisch-chistlichen Wurzeln führen möchte. Foto: Röttgers

Das Werk in den Händen: Hedwig und Winfried Kahla präsentieren stolz das druckfrische Buch, das zu einem besseren Verständnis für Israel und den gemeinsamen israelisch-chistlichen Wurzeln führen möchte. Foto: Röttgers

"Dem Leben mit Freude entgegen – vor mir biste Chaim" heißt das neue Buch von Winfried Kahla aus Steinfeld. Die "wunderbare Geschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk" sei dort nachzulesen, erklärte der Autor bei der Vorstellung seines Werkes. Auf 214 Seiten möchte der ehemalige Pastor "zum besseren Verständnis für Israel und unsere gemeinsamen israelisch-christlichen Wurzeln" führen.

Das Cover zeigt die Menora, auch bekannt als Siebenarmiger Leuchter. Sie ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Das Buch erscheint anlässlich des Jubiläumsjahres, da im Jahr 2021 Jüdinnen und Juden seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands leben. Denn ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin von 321 erwähnte erstmals die Kölner jüdische Gemeinde. Es gilt als ältester Beleg jüdischen Lebens in Europa nördlich der Alpen. Kahla will mit seinem Werk auf dieses Jubiläum hinweisen.

"Schon früh kam ich mit allem, was jüdisch ist, in Berührung", gibt der im nordrhein-westfälischen Hüls bei Haltern am See geborene Kahla Einblicke in sein Werk und sein Leben mit dem Judentum. "Bald nach der Reichspogromnacht hat mich meine Großmutter gebadet. Dabei erklärte sie mir die Beschneidung im Judentum. Das ist etwas ungewöhnlich für einen kleinen Jungen von etwa 2 Jahren", erinnert sich Kahla. "Jesus, der liebe Heiland, war auch beschnitten, er war auch ein Judenjunge. Ich bin weder beschnitten noch Jude, doch von diesem Moment an liebte ich Jesus und die Juden und diese Liebe verging auch nicht", schreibt der Steinfelder zur Einführung, der als Kind den Antisemitismus der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt hat.

Die Studienzeit nutzte er zum Lernen über das Judentum

In Marburg studierte der Buchautor Theologie, in München altägyptische Theologie. In seiner Studentenzeit besuchte Kahla die internationale Ausstellung "Synagoga" viele Male. In dieser Zeit lernte Kahla auch die jüdische Diakonissin Alida Pekel kennen, was ihn ebenfalls sehr geprägt habe. "In meiner Dienstzeit in der evangelisch-Lutherischen Landeskirche zu Bayern wurde ich oft in andere Gemeinden und zu Konferenzen eingeladen, um Vorträge über Israel zu halten und Freunde für dieses Land zu gewinnen", erinnert sich Kahla.

Anlässlich seiner Hochzeit ließ Kahla in Israel über den jüdischen National-Fonds einen Baum pflanzen. 1968 erhielt er Besuch des Einwanderungsministers aus Israel, der ihm die "Olim-Medaille" Israels verlieh.

1970 reiste Kahla mit seiner Ehefrau Hedwig als Leiter der Christoffel Blindenmission in den Iran. Fast 7 Jahre lang kümmerte er sich an der Blindenschule um das Internat, Behütende Werkstätten, eine Blindendruckerei und die Augenklinik. Außerdem war der Theologe als Blindenfürsorger in der Provinz Isfahan tätig.

Im Auftrag der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) wurde er anschließend Pfarrer der Deutschen Gemeinde in Zentral-Persien und Leitungsmitglied der Diözese im Iran. Im Anschluss war er als Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover in verschiedenen Gemeinden im Einsatz und Beauftragter für die Seelsorge an Iranern von 1980 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2004.

12 Jahre lang war er Präses des Arbeitsausschusses „Kirche und Islam“ in der Hannoverschen Landeskirche sowie im Islam-Ausschuss der Evangelischen Kirche in Deutschland und auch der Deutschen Evangelischen Allianz.

Das Buch zeigt viele Aspekte des Judentums

"So war mein Leben eigentlich immer irgendwie mit dem Judentum verknüpft", erklärt der Buchautor. Das Buch liefert daher auch Einblicke in die heiligen Feste des Judentums. Die Runen des Hohen Priesters Urim und Thummim, die Schabbes-Leuchte, die Thora, oder der Gesang der Besomim-Büchse werden als heilige Geräte ebenso erklärt, wie die Tefilla als Gebetsriemen. Abraham, Isaak, Jakob, Noah und Hiob stellt das Buch als die Patriarchen der Bibel vor. Über die heiligen Gräber und die Geschichte des Volkes Israel mit Kyros, Königin Sara, Esther und Mordechai und Daniel ist ebenso nachzulesen. Kahla liefert darüber hinaus Übersichten über die Einteilung des jüdischen Jahres, Fest- und Feiertage und verwendete Gottesnamen. Das Buch endet mit dem "Letzten Tag", an dem es kein Leid und keine Armut mehr gebe, denn Jesus ziehe ein und wecke die Toten auf und führe sie in sein Reich, so Kahla.

"Es geht nur um den Glauben, die Herrlichkeit des Allmächtigen zu erreichen – dem Leben mit Freude entgegen", lädt Kahla zur geistlichen Lektüre ein, die ein "Stück Frieden zwischen Christen und Juden" vermitteln möchte. Das neueste Werk ist Kahlas drittes Buch. Das erste, "Reise in den Orient", ist ein längerer Reisebericht. "Morgenrot über dem Iran" erschien 2007.


Fakten:

  • „Dem Leben mit Freude entgegen – vor mir biste Chaim“ ist im Verlagshaus Schlosser in Pliening erschienen.
  • Erhältlich ist es im Buchhandel, ISBN 978-3-96200-483-5. Es kostet 24,90 Euro.
  • Mehr zum Jubiläumsjahr 1700 Jahre Juden in Deutschland gibt es  im Internet auf der Webseite des Vereins "Jüdischen Lebens in Deutschland" unter www.2021jlid.de.

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