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Mit dem Auto durch den Hamburger Fleet

Kolumne: Was läge näher?! – Tischgespräche können sich schnell zu weltpolitischen Diskussionen entwickeln. Doch was, wenn zwei komplette Gegensätze an Personen aufeinander treffen?

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Sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Der eine arbeitet bei einem großen deutschen Autokonzern in der Kommunikationsabteilung. Der andere ist bei der Linken-Fraktion in einem ostdeutschen Landtag beschäftigt. Sie beide sitzen in einem französischem Restaurant mitten in Hamburg – auf neutralem Boden sozusagen.

Der Kanzler, der Krieg in der Ukraine und die große Weltpolitik: Die Diskussionsthemen meiner Tischnachbarn wechseln schneller, als das Wasser im Fleet wieder auf Normalpegel steigt. Und plötzlich steht es da im Raum: das Auto. Wie kann die Mobilität der Zukunft aussehen? Ein großes Brett liegt auf dem Tisch.

Nach 3 Monaten ist jüngst das 9-Euro-Ticket ausgelaufen. Wer in den vergangenen Tagen wieder Bahn gefahren ist, wird schnell gemerkt haben: Ach wie einfach war das Ticket doch. Allein die Fahrt vom Hamburger Hauptbahnhof zum Rödingsmarkt in Hamburg stellte mich vor einige Herausforderungen. Braucht es ein Einzelticket? Ein Tagesticket? Oder doch nur ein 9-Uhr-Tagesticket? Vielleicht bietet sich auch ein Wochenticket an? Kaufe ich das Ticket online, dann bekomme ich es um einige Cent günstiger. Doch für welche Zone sollte ich es kaufen? A? B? AB?

Kann man sich mit einem Smart auf deutsche Autobahnen trauen?

Da ist das Auto doch ein wenig einfacher. Das Prinzip dahinter ist allseits bekannt: Auch wenn die Benzinpreise und der Blick auf den ökologischen Fußabdruck das genaue Gegenteil fordern. Darüber sind sich auch meine Tischnachbarn einig. Doch muss wirklich jeder ein Auto haben? Das Auto sei eine persönliche Schutzzone, meint der Autokonzern-Kommunikationsstratege. Für ihn gelte: je größer, desto mehr Schutz. Auf der Autobahn würde er sich nicht trauen, mit einem Smart zu fahren. Ein Passat müsse es mindestens sein.

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Bei jüngsten Befragungen gaben viele Deutsche diesen Grund an, um ihr viel zu großes SUV zu rechtfertigen. Der Linke nickt, auch er halte das Auto für sinnvoll – doch höchstens für die letzte Meile und ideal als Car-Sharing. Er setzte auf den öffentlichen Nahverkehr. Natürlich mache es keinen Sinn, große Gelenkbusse durch die kleinen Orte im Erzgebirge zu schicken, doch mit kleineren Rufbussen schaffe man auch fürs Land eine gute Alternative, findet er. In seiner Heimat laufe dazu gerade ein Pilotprojekt.

"Besonders für Einkommmensschwache war das 9-Euro-Ticket die erste Möglichkeit seit Langem, wieder zu verreisen."Jan-Christoph Scholz

Durch das 9-Euro-Ticket sind einige Autofahrer – so belegen es Studien – auf Bus und Bahn umgestiegen. In der Stadt sind es logischerweise mehr als auf dem Land. Und dennoch waren es auch hier einige. Zudem: Besonders für Einkommmensschwache war das 9-Euro-Ticket die erste Möglichkeit seit Langem, wieder zu verreisen.

Auch ich hätte gerne in den vergangenen Monaten das Auto noch öfter stehen lassen. Für meine Strecke zur Arbeit hätte ich mindestens 1,5 Stunden für eine Fahrt gebraucht. Mit dem Auto fahre ich etwa 25 Minuten. Modelle, wie der öffentliche Nahverkehr verbessert werden kann, gibt es viele. Oftmals scheitert es an der Umsetzung oder am Geld.

Mit Blick auf den Klimawandel und die aktuelle Situation wäre ein schnelles Handeln mehr als sinnvoll. Meine beiden Tischnachbarn sind am Ende jeweils mit dem Zug nach Hause gefahren. Eine wirkliche Konfliktlösung schienen sie nicht gefunden zu haben. Nur eines hörte ich klar heraus: Es braucht eine Mobilitätswende. Wie? Darüber müsse nun dringend in der Politik diskutiert werden.


Zur Person

  • Jan-Christoph Scholz ist Reporter der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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