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Mission Impossible: Hausarztsuche im Oldenburger Münsterland

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Es ist wie in dem bekannten Hollywood-Streifen: Einen Hausarzt in der Region zu finden, scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein.

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Es ist Dienstagmorgen, 8.30 Uhr: Seit 20 Minuten hänge ich in der Warteschleife bei einer Arztpraxis. Immer wieder startet das gleiche nervige Gedudel. Ich stelle auf Lautsprecher und lege nebenbei meine Wäsche zusammen. Seit 10 Monaten wohne ich nun bereits schon im Oldenburger Münsterland. Einen Hausarzt habe ich bislang nicht gebraucht. Die Pandemie hat mich bis jetzt verschont. Nun steht seit Langem mal wieder eine Reise an. Das kleine gelbe Heftchen, das in den letzten 2 Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat, sagt mir, dass ich vor meiner Reise noch ein paar Impfungen benötige. Nun ist es also an der Zeit, sich doch einen Hausarzt zu suchen. 

Eine kurze Unterbrechung der penetranten Melodie lässt mich aufhorchen: Fehlalarm! Nach fast 24 Minuten wurde ich aus der Leitung geschmissen. Ich starte Versuch Nummer 2. Nach 15 Minuten habe ich endlich eine Stimme am Telefon. Leider waren meine insgesamt 39 Minuten wohl fehlinvestiert: Die Praxis kann keine Patienten mehr aufnehmen. Mein Telefon-Marathon geht weiter: Ich bin fest entschlossen, heute einen Arzt zu finden. Doch 12 Praxen später merke ich, dass mein Vorhaben vielleicht etwas übermotiviert war.

Immer wieder höre ich die gleiche Antwort: Entweder nimmt die Praxis nur Privatpatienten oder sie ist bereits ausgelastet und nimmt niemanden mehr auf. Mittlerweile ist es 11.30 Uhr: Nach ewigen Minuten in Warteschleifen frage ich mich, warum es nicht möglich ist, als Neuzugezogene einen Arzt zu finden. Von mehreren Seiten wird mir zugetragen, ich solle mich doch an meine Krankenkasse wenden. So würde man vielleicht auf ein strukturelles Problem vor Ort aufmerksam machen. Die Versorgung in der Region wäre ohnehin schon nicht zufriedenstellend gewesen – die Pandemie habe zur Verschärfung des Problems beigetragen. 

"Wenn sich immer mehr Ärzte aus wirtschaftlichen Gründen dazu entscheiden, nur Privatpatienten anzunehmen, könnten wir irgendwann vor ernsthaften Problemen stehen."Lisa Bernhardt

Wer das Spiel mit den Reise-Impfungen kennt, weiß vielleicht, dass es nicht mit einer Spritze getan ist. Oft sind mehrere Pikser nötig, um den vollen Impfschutz vor Abreise zu haben. Hinzu kommt, dass oft ein genaues Impfschema eingehalten werden muss. Das Zeitfenster, um vor meinem Urlaub noch rechtzeitig meine Impfungen zu erhalten, wird also immer kleiner.

In meinem Kopf fangen die Gedanken an zu spinnen: Finde ich keinen Arzt, der mich bis Ende April impfen kann? Immerhin liegen die bereits teuer gekauften Impfstoffe bei mir zu Hause im Kühlschrank und warten buchstäblich auf ihre Verwendung. Muss ich vielleicht zu meinem "alten" Hausarzt nach Hessen? Alleine aus zeitlichen Gründen wäre es wohl kaum möglich, neben der Arbeit knapp 400 Kilometer für Hin- und Rückfahrt einzuplanen, um eine Injektion zu bekommen, die deutlich weniger Zeit in Anspruch nimmt. Besonders ökologisch wäre es wohl auch nicht. 

Die Frage, die ich mir angesichts dieser Problematik stelle, ist, ob es eine gesetzliche Regelung gibt, die vorschreibt, wie viele niedergelassene Privat- und Vertragsärzte es gemessen an der Einwohnerzahl geben soll. Wenn nicht, sollte vielleicht darüber nachgedacht werden, die aktuelle Bedarfsplanung anzupassen. Immerhin sind 90 Prozent der Bevölkerung gesetzlich versichert. Wenn sich also immer mehr Ärzte aus wirtschaftlichen Gründen dazu entscheiden, ausschließlich Privatpatienten anzunehmen, könnten wir irgendwann vor ernsthaften Problemen stehen. 


Zur Person:

  • Lisa Bernhardt ist Volontärin der OM-Medien.
  • Sie erreichen die Autorin per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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