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Missbrauch und Ausgrenzung: Katholiken reden, schweigen – und unterschreiben

Homosexualität und sexuelle Gewalt sind nur einige der heißen kirchenpolitischen Themen dieser Tage. Gläubige und Hauptamtliche in Lohne und Vechta bringen am Wochenende ihre Unruhe zum Ausdruck.

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Symbolbild: dpa

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Hinter den Katholiken in Deutschland liegen bewegende Tage. In der vergangenen Woche hatte das Outing von mehr als 100 queeren, also nicht heterosexuellen Kirchenmitarbeitern den Blick auf das Verhältnis von Kirche zu Homo- und Bisexualität gelenkt. Einige Tage zuvor hatte ein Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising zu Irritationen über die Reaktionen von Papst em. Benedikt XVI. und Erzbischof Reinhard Marx geführt.

An diesem Wochenende haben darauf die Katholiken im Landkreis Vechta reagiert. In Lohne hatte das Seelsorgeteam zur Aktion "Uns fehlen die Worte" eingeladen. Laut St.-Gertrud-Pfarrer Rudolf Büscher kamen am Freitag zahlreiche Menschen – auch unbekannte Gesichter – zur Kirche St. Gertrud, um mit den Seelsorgern über die Themen zu sprechen. Einige Hundert Unterschriften kamen zusammen, sagte Büscher. Damit wollten die Lohner ihre Solidarität mit Opfern bekunden – und Forderungen nach Konsequenzen und einem innerkirchlichen Wandel unterstützen.

Am Sonntagabend gab es in Vechta eine spontane Online-Diskussion

Auch in Vechta griff die katholische Gemeinde die drängenden Themen auf. In den Gottesdiensten wurden die Fürbitten durch eine Zeit der Stille ersetzt, in der eigene Gedanken zu Missbrauch, Aufarbeitung und dem Umgang mit Homosexuellen vor Gott gebracht werden konnten. In Füchtel standen die Dominikaner nach den Gottesdiensten für Gespräche bereit. Laut Prior Ludger Fortmann OP wurde das durchaus genutzt.

Am Sonntagabend gab es spontan ein digitales Diskussionsformat der Vechtaer Gemeinde: "Talk am Turm". Unter der Moderation von Pastoralreferent Daniel Richter kamen in der Spitze bis zu 21 Personen zusammen, um sich auszutauschen. Ein Schwerpunkt lag hier deutlich auf dem Umgang der Kirche mit schwulen und lesbischen Menschen – gerade auch kirchlichen Mitarbeitern.

Richter rekapitulierte, dass Homosexualität auch in Südoldenburg in den vergangenen 30 Jahren deutlich sichtbarer geworden sei. Das unterstrich auch die Stellungnahme eines schwulen engagierten Katholiken in der Runde. Ein Fazit am Ende der Diskussion lautete: Man wolle die eigene "Unruhe" auch nach außen tragen.

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