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"Mir fiel ein dicker Brocken vom Herzen"

Für Ferienhofbetreiber Wilhelm Meyer aus Angelbeck ging am Donnerstag eine Zeit der Ungewissheit zu Ende. Das Beherbergungsverbot hatte seinem Geschäft geschadet.

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Erleichtert: <a href="https://www.om-online.de/om/panik-lies-sich-schnell-vertreiben-51174">Wilhelm Meyer betreibt in Angelbeck einen Ferienhof.</a> Das Beherbergungsverbot lehnte er von Anfang an ab. Foto: Meyer

Erleichtert: Wilhelm Meyer betreibt in Angelbeck einen Ferienhof. Das Beherbergungsverbot lehnte er von Anfang an ab. Foto: Meyer

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht  hat das Beherbergungsverbot gekippt. Wie fühlen Sie sich?

Erleichtert. Als ich von der Entscheidung aus Lüneburg erfuhr, fiel mir ein dicker Brocken vom Herzen. Nachdem der Verwaltungsgerichtshof in Baden Württemberg die Regelung aufgehoben hatte, war ich mir sicher, das auch Niedersachsen folgen würde. Die Frage war nur, wann. Wir hatten gehofft, dass bei dem Treffen zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten am Mittwoch klare Regelungen für die Gästebeherbergung gefunden werden. Das ist leider nicht passiert. Mit meiner Familie hatte ich am Donnerstag den ganzen Morgen lang diskutiert, wie wir damit umgehen sollen. Kommende Woche erwarten wir überwiegend Gäste aus Nordrhein-Westfalen, darunter auch aus Risikogebieten. Was sollten wir denen denn jetzt sagen?

Immerhin hätten die Urlauber mit einem negativen Coronatest reisen dürfen...  

Ja, das war auch das Einzige, was wir ihnen raten konnten. Damit erzeugten wir teilweise aber noch mehr Ärger. Zu unseren Stammgästen gehört zum Beispiel eine vierköpfige Familie aus Düsseldorf. Die Stadt ist zurzeit Risikogebiet. Die Familie hätte für die Tests über hundert Euro zahlen müssen. Der Urlaub bei uns hätte sich für sie kaum noch gelohnt. Wären sie aber von ihrer Buchung zurückgetreten, hätten sie 80 Prozent der Stornokosten übernehmen müssen. Eigentlich. Würden wir darauf bestehen, wären wir Gäste wie diese sicherlich für immer los. Also machen wir Kompromisse. Zu unseren Lasten...

Hat die Familie storniert?

Nein. Sie fuhr am Donnerstag zum Testzentrum. Dort standen alle vier etwa drei Stunden lang in der Schlange, als es plötzlich um sie herum unruhig wurde. Das Urteil aus Niedersachsen  verbreitete sich in Windeseile. Meine Gäste fragten mich dann  am Telefon, was sie machen sollten. Ich riet ihnen, bloß aus der Schlange rauszutreten und loszufahren. Das war schon spannend. Aber an dieser Wendung merkt man, wie undurchdacht die ganze Maßnahme war. Das berechtigte Bedürfnis der Menschen nach Erholung wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Das war einfach schlechte Politik und in meinen Augen auch eine massive Schwächung der demokratischen Verhältnisse in unserem Land.

Die Herbstferien sind zur Hälfte rum. Wie lautet denn Ihre Zwischenbilanz?

Die erste Ferienwoche verlief weitgehend problemlos. Einige Gäste reisten sogar etwas früher an. Manche wollten Anfang Oktober eigentlich mit dem Flugzeug in den Urlaub, hatten sich aber dann entschieden, in Deutschland zu bleiben. Bei ihrer Abreise sagten sie mir, das wäre das Beste gewesen, was ihnen passieren konnte. Ich glaube, dass viele jetzt erst entdecken, wie gut man sich im ländlichen Raum erholen kann. Und wir sind in unserer Region wunderbar dafür aufgestellt. Die Leute wollen raus, wenn auch nur für kurze Zeit. Das sehe ich auch an den Vorbuchungen. Kommende Ostern sind wir schon zu 95 Prozent belegt.

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