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Minister übergeben dem Projekt "Keks 4.0" knapp 1,3 Millionen Euro an Fördergeld

Es geht um die Digitalisierung der Arbeitswelt. 5 Berufsbildende Schulen sind dabei – darunter die Handelslehranstalten und die Adolf-Kolping-Schule in Lohne sowie die BBS Technik Cloppenburg.

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Fördergeld vom Land: Kultusminister Grant Hendrik Tonne zeigt den Förderbescheid. Foto: Tzimurtas

Fördergeld vom Land: Kultusminister Grant Hendrik Tonne zeigt den Förderbescheid. Foto: Tzimurtas

Viel Lob und Geld von höchster Stelle: Mit knapp 1,3 Millionen Euro fördert das Land Niedersachsen das auf zwei Jahre angelegte Projekt „Keks 4.0“ zur Digitalisierung in der Arbeitswelt, das von fünf Berufsbildenden Schulen (BBS) konzipiert wurde – darunter die Handelslehranstalten und die Adolf-Kolping-Schule in Lohne sowie die BBS Technik Cloppenburg.

Die symbolische Übergabe des Förderbescheides am Freitag per Videokonferenz übernahmen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) persönlich.

Die Moderation der Veranstaltung samt Präsentation des Projektes, bei dem es um die Herstellung, Vermarktung und den Vertrieb von Backwerk mithilfe digitaler Technologie – den „Keks 4.0“ eben – geht, hatte Martin kleine Bornhorst inne. Er ist der Leiter der Adolf-Kolping-Schule und freute sich über den „würdigen Rahmen“, den die Videokonferenz mit der Teilnahme der beiden Regierungsvertreter hatte.

Das Fördergeld soll für den Aufbau von Lernwerkstätten – sogenannten Smart Factories – genutzt werden, um die Transformation (Wandel) zum Geschäftsprozess 4.0 zu vollziehen. In der Schule sollen digitale Kompetenzen in vernetzten Vorgängen von Unternehmen verwendet werden.

Genau dieser Punkt habe ihn am Förderantrag besonders überzeugt, sagte Althusmann in seiner Laudatio. Denn die „datengetriebene Vernetzung“, das sei eine der größten Herausforderungen bei der Digitalisierung der Betriebe. Und: Dieses Anliegen in die Schule zu transportieren und von dort wieder in die Arbeitswelt zu bringen, „ist das entscheidende Merkmal dieses erfolgreichen Projekts.“

Kultusminister Tonne erklärte: „Mit den Smart Factories gelingt es, die Digitalisierung direkt in die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler zu holen.“ Dieses Projekt verändere das Lernen an berufsbildenden Schulen „über die Schulgrenzen hinweg.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann bei der symbolischen Übergaber des Förderbescheids. Foto: TzimurtasWirtschaftsminister Bernd Althusmann bei der symbolischen Übergaber des Förderbescheids. Foto: Tzimurtas

Nicht nur Auszubildende gewerblich-technischer Berufe, sondern beispielsweise auch kaufmännische Berufe sollen sich das Thema 4.0 „in all seinen Facetten erschließen können“, führte Tonne aus. Und: „Ich wünsche mir, dass viele berufsbildende Schulen in Niedersachsen an den Erfahrungen der Projektschulen partizipieren und die Ergebnisse und Erfahrungen für ihre digitalen Investitionen rege nutzen können.“

Projekt "Keks 4.0" hat Pioniercharakter

Somit kommt dem Projekt „Keks 4.0“ also ein Pioniercharakter für den Wandel hin zur Industrie 4.0 zu. Das Ziel: Die Berufsbildenden Schulen richten Lernwerkstätten ein, die jeweils einen Teil der Planungs-, Produktions- und Vertriebsprozesse entlang der Lieferkette abbilden. Im Zusammenwirken der Schulen in der jeweiligen Region – in diesem Fall Weser-Ems – bilden diese eine Smart Factory.

Schüler sollen also bereits vor der Ausbildung einen wirklichkeitsnahen Zugang zu vernetzten Unternehmensprozessen der Industrie und Wirtschaft 4.0 bekommen. Ebenso soll es einen direkten Austausch zwischen den Partnern der dualen Berufsausbildung geben.

Weitere teilnehmende Schulen am Projekt „Keks 4.0“ sind: das Bildungszentrum Technik und Gestaltung Oldenburg (BZTG) sowie die BBS Lingen Technik und Gestaltung.

Das Prinzip des Projekts: Zur Grundidee gehört, an den verteilten Standorten ein reales Produkt herzustellen – den „Keks 4.0“. Jede der teilnehmenden BBSen nutzt dabei ihre Stärken. Für das Backen des Kekses selbst ist die BBS Technik Cloppenburg zuständig. Den Behälter aus Kunststoff produziert die Lohner Adolf-Kolping-Schule. Die Verpackung wird komplettiert durch einen Holzdeckel von der BBS Lingen.

Für die Überwachung der Produktion und die Aufbereitung der Daten wiederum ist das BZTG Oldenburg zuständig. Alles rund ums Kaufmännische – wie die Lagerung und den E-Commerce (Verkauf übers Internet) – übernehmen die Handelslehranstalten in Lohne. Auch individuelle Bestellungen sollen möglich sein, etwa bei der Auswahl der Verpackung oder bei der Backmischung – und natürlich bei der Liefermenge. Zudem spielt bei der Datennutzung auch die Transparenz für den Verbraucher eine Rolle.

Freude über den Bescheid: Martin kleine Bornhorst, Leiter der Adolf-Kolping-Schule. Freude über den Bescheid: Martin kleine Bornhorst, Leiter der Adolf-Kolping-Schule.

Und im Herstellungsprozess ist viel Robotik im Einsatz - an der Adolf-Kolping-Schule an der BBS Technik in Cloppenburg und an der BBS Lingen. In Sachen Datennutzung ist die Cloud-Technologie wichtig.

Durch die Vorstellung des Projektes anhand von Folien, bei der die Vertreter der teilnehmenden BBSen live zugeschaltet waren, führte Klaus Ostendorf, stellvertretender Leiter der Adolf-Kolping-Schule. In Videos kamen auch zwei Auszubildende zu Wort.

Anerkennung auch aus der Wirtschaft

So berichtete Sabine Schwarzkopf (24), die bei der Volksbank Vechta lernt, über den „absoluten Wachstumskurs“, auf dem sich das E-Commerce befinde. Das sei zwar auch auf die Pandemie zurückzuführen, dass immer mehr Bestellungen über das Internet laufen. Aber auch beim Blick in die Zukunft sieht sie eine „große Chance, große Kundengruppen“ auf diesem digitalen Wege zu erreichen.

Viele anerkennende Worte für „Keks 4.0“ gab es auch von Dieter Sieveke, Personalleiter beim Kunststoffhersteller Pöppelmann in Lohne – er war ein Laudator aus der Wirtschaft. Es sei ein „richtig geiles Projekt“, und es spiegele den „gelebten Pragmatismus“, der für die Region kennzeichnend sei.

In knapp zwei Jahren, erklärte Ostendorf, soll es die Kekse tatsächlich als Produkt geben. Wirtschaftsminister Althusmann ist bei dem Projekt überzeugt: "Das wird ein Renner." Auf die Frage von OM online, ob er sich vorstellen könne, dass es bei solchen Initiativen wie "Keks 4.0" auch Start-ups geben könne, sagte er: So etwas sei "begrüßenswert". Er stehe dem "äußerst positiv gegenüber". Althusmann verwies darauf, dass es Start-ups in Niedersachsen vor allem als sogeannte Ausgründungen von  Universitäten gebe.

Und wie sieht der Zeitplan bei der Produktion der innovativen Backware "Keks 4.0" aus? Gab es schon erste Schritte? Martin kleine Bornhorst sagte OM online, dass erste Versuche zum Projekt bereits gelaufen seien. Nun sei der offizielle Startschuss gefallen.

Idee entstand bereits im Jahr 2017

Vernetztes Agieren mit digitaler Technologie, bei dem auch Lehrer dazulernen, ein neues Denken in der Ausbildung- auch hier entfaltet das Projekt Vorbildcharakter. Könnten Erkenntnisse daraus ebenso für den Bereich der allgemeinbildenden Schulen genutzt werden? Kultusminister Tonne sagte gegenüber OM online:  Das Ermöglichen solcher Projekte biete die Chance zu erkennen, dass es funktioniert. Er sei zuversichtlich, dass es auch im allgemeinbildenden Bereich zunehmend Projekte in unterschiedlicher Größenordnung geben werde.  

Die Idee zum "Keks 4.0" jedenfalls war schon 2017 entstanden und in Lohne dem Staatssekretär Stefan Muhle, im Wirtschaftsministerium zuständig für Digitalisierung, vorgestellt worden. Muhle ermunterte die Akteure, sich um eine Förderung zu bewerben. So geschah es – mit Erfolg. Nun geht die Pionierarbeit richtig los.

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