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Messdiener streamen Gottes Wort

Die Katholiken in Dinklage setzen in Corona-Zeiten auf moderne Technik. Der Gottesdienst kommt zu ihnen nach Hause. Die Video-Messen kommen gut an. Pfarrer Kabon plant weitere geistliche Dreharbeiten.

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Haben den Dreh raus: Die beiden Messdiener Lucas Bockhorst (links) und Marcel Beuse sorgen in der Sakristei dafür, dass der Gottesdienst digital nach Hause gelangt.  Foto: Röttgers

Haben den Dreh raus: Die beiden Messdiener Lucas Bockhorst (links) und Marcel Beuse sorgen in der Sakristei dafür, dass der Gottesdienst digital nach Hause gelangt.  Foto: Röttgers

Gottesdienst goes online, heißt es jetzt bei der katholischen Kirchengemeinde St. Catharina in Dinklage: Das Wort Gottes wird live gestreamt und kommt nun wie am gestrigen Sonntag auf digitalem Wege in die Wohnzimmer nach Hause. Denn aufgrund der aktuellen Situation dürfen das Gotteshaus jetzt nur noch maximal 100 Gläubige gleichzeitig besuchen. "Früher war ich kein Freund solcher Gottesdienstübertragungen", blickt Pfarrer Johannes Kabon zurück. "Aber Corona hat auch einen positiven Nebeneffekt, wir haben uns als Gemeinde diesem Medium geöffnet", so der Geistliche.

Seine Idee war es, Bewohner des Altenwohnhauses und die Gäste im Hospiz an den Gottesdiensten der St.-Catharina-Gemeinde per Videoübertragung teilhaben zu lassen. Bestimmte Dinge beim Ablauf des Gottesdienstes und der Predigt sind beim Dreh vor der Kamera schon zu beachten. "Unsere Gottesdienste werden zwar so übertragen, wie wir sie auch ,ohne Kamera' feiern", erklärt der Kirchenmann. "Ganz normal und katholisch." Allerdings sollte man etwas langsamer sprechen und mit seinen Armen nicht so wedeln, so der Pfarrer über seine ersten Erfahrungen vor der Kamera. "Es ist schon zu Beginn komisch, sich zu sehen und auch auf die eigenen Gesten zu achten, so dass alles schlüssig ist", sagt Kabon.

Hochfeste im Kirchenjahr werden übertragen

Rückblick: Es ist im vergangenen Jahr der Palmsonntag, der 6. und letzte Sonntag der Fastenzeit, ehe die Karwoche beginnt, an dem in St. Catharina erstmalig der Gottesdienst per Videokamera gedreht und abrufbar ins Netz gestellt wurde. Seitdem werden die Gottesdienste in der Regel am Sonntag um 9 Uhr "live gestreamt". Das bedeutet, sie werden in Echtzeit ins Internet gestellt, aber dort nicht dauerhaft gespeichert. Ab Februar soll auch die Vorabendmesse am Sonnabend um 17 Uhr abrufbar sein. Außerdem werden so sämtliche Hochfeste im Kirchenjahr übertragen. Über die Homepage der Kirchengemeinde gelangen Gläubige zum Button "Zum Livestream-Gottesdienst". Weitere Hinweise gibt es auf der Homepage unter der Rubrik "Termine" sowie in den Pfarrnachrichten von St. Catharina.

Ein ganz normaler Gottesdienst: Allerdings sind (von links) Marcel Beuse, Kaplan Sebin Kollikolavil und Lucas Bockhorst auch bei den Gläubigen zu Hause zu sehen. Foto: Röttgers Ein ganz normaler Gottesdienst: Allerdings sind (von links) Marcel Beuse, Kaplan Sebin Kollikolavil und Lucas Bockhorst auch bei den Gläubigen zu Hause zu sehen. Foto: Röttgers 

Das Echo in der Kirchengemeinde ist durchweg positiv. Begeisterte Rückmeldungen erhält Pfarrer Kabon aus allen Altersschichten und sogar "aus aller Welt": "Gemeindemitglieder, die sonst nicht am Sonntag zur Gottesdienstgemeinde gehören, berichten, dass sie sonntags jetzt immer im Livestream von zu Hause dabei sind. Ich denke mir dann: Besser so, als gar nicht", so der Seelsorger. Sogar eine Ordensschwester aus Afrika freue sich jedes Mal darüber, dass sie trotz dieser Entfernung "ein Stück Heimat" erfahren dürfe.

Und die digitale Technik hält weiter Einzug in die Kirchengemeinde. Zurzeit arbeitet das Pfarrteam an Erklär-Videos über die Heilige Erstkommunion für das Internet. Das funktioniert so: Die Familien bekommen einen Link zugeschickt, um den Film, den die Pfarrgemeinde in der Kirche aufgenommen hat, abrufen zu können. "Das ist zwar kein direkter Kontakt mit den Kindern, aber zurzeit geht es ja nicht anders", räumt Kabon ein. "Für die jetzt anstehende Fastenzeit planen wir Meditationen und Andachten über die Kreuzwege, die wir in Dinklage haben", freut sich der Geistliche auf weitere geistliche Dreharbeiten.

Marcel Beuse und Lucas Bockhorst filmen die Gottesdienste

Für eine reibungslose Technik kommen eine fest installierte Kamera und ein eigens verlegter Internet-Anschluss in der Kirche zum Einsatz. "Diese Internetangebote werden wir auf jeden Fall - auch nach einem hoffentlich baldigen Ende der Corona-Pandamie - beibehalten", sagt Kabon. "Denn gerade auch für unsere älteren und kranken Gemeindemitglieder, die dieses Angebot sehr gerne annehmen, ist der digitale Gottesdienst ideal." Kaplan Sebin Kollikolavil freut sich ebenfalls, dass am gestrigen Sonntag zur Heiligen Messe technisch alles geklappt hat und das Wort Gottes in Corona-Zeiten in die Wohnzimmer der Gemeindemitglieder gelangen kann. Mediale und professionelle Unterstützung erhält Dinklages oberster Hirte Kabon von Marcel Beuse und Lucas Bockhorst. Die beiden Messdiener filmen seit fast nunmehr einem Jahr regelmäßig ehrenamtlich alle Gottesdienste und stellen sie abrufbereit ins Internet.

"Zusätzlich blenden wir auch die Liedertitel ein, sofern etwas gesungen wird oder auch passende Bilder zur Predigt."Messdiener Lucas Bockhorst

Marcel Beuse ist 18 Jahre alt und geht noch zur Schule, der 24 Jahre alte Lucas Bockhorst studiert Informatik. "In der Anfangszeit haben wir für die ersten Übertragungen knappe 2 Stunden mit Vor- und Nachbereitung gebraucht", blicken die beiden Kameramänner zurück. "Über die Zeit hinweg haben wir uns natürlich dann auch gesteigert. Nicht nur die Technik ist professioneller, sondern auch unsere Arbeit ist effizienter geworden, dadurch dass wir einfach mehr Routine bekommen haben. Jetzt zur aktuellen Zeit benötigen wir lediglich 15 Minuten Vorbereitung und etwa 10 Minuten Nachbereitung!", freuen sich beide unisono.

Rund 600 Aufrufe zu Spitzenzeiten

Dennoch gebe es immer mal wieder Messen, die etwas mehr Aufwand benötigen, wie die der Erstkommunion. Dort wurden insgesamt 6 Messen übertragen und mehr Equipment mit mehreren Kameras kam zum Einsatz. Während der Messe sind "An" und "Aus" für das Kameraduo schon das Wichtigste. "Dann kommt es immer mal wieder vor, dass die Lautstärke von Musik und auch Gesangseinlagen angepasst werden muss, auch von unterschiedlichen Sprechern und Mikrofonen", erklärt Beuse. "Zusätzlich blenden wir auch die Liedertitel ein, sofern etwas gesungen wird oder auch passende Bilder zur Predigt. Natürlich passen wir dann aber auch immer auf, dass technisch gesehen alles glattläuft!", ergänzt Bockhorst.

In der Spitze messen die beiden rund 600 Aufrufe, so dass schätzungsweise bis zu 1200 Gläubige in Echtzeit die Heilige Messe verfolgen. "Filmen und Video hat mich eigentlich schon immer fasziniert", blickt der Informatik-Student zurück. "Tatsächlich bin ich aber begeisterter vom Zusammenschneiden des Materials als vom Filmen selber. Auch zur Schulzeit habe ich schon einige Hausaufgaben und Projekte gefilmt und geschnitten, was für dieses Projekt der Übertragung nicht abträglich ist", so der Informatikstudent. Beide Messdiener eint übrigens auch noch ihre Begeisterung zur Musik, was sich im gemeinsamen Spiel auf der Klarinette im Kolpingorchester wiederfindet.

War am 24. Januar auf Sendung: Kaplan Sebin Kollikolavil. Foto: RöttgersWar am 24. Januar auf Sendung: Kaplan Sebin Kollikolavil. Foto: Röttgers

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