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Menschen blenden Virus zum eigenen Schutz aus

Im Interview mit OM online sprechen Professorin Dr. Corinna Onnen und Professorin Dr. Rita Stein-Redent unter anderem über die Auswirkungen des Virus zu Generationskonflikten.

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Sturm auf die Demokratie? Erst vor wenigen Wochen versuchten Corona-Demonstranten in den deutschen Reichstag einzudringen. Insgesamt werden die Stimmen gegen die Maßnahmen der Regierung lauter. Foto: dpa / Abboud

Sturm auf die Demokratie? Erst vor wenigen Wochen versuchten Corona-Demonstranten in den deutschen Reichstag einzudringen. Insgesamt werden die Stimmen gegen die Maßnahmen der Regierung lauter. Foto: dpa / Abboud

Die SARS-CoV-2-Pandemie hat die Welt fest im Griff. Nun steigen die Infektionszahlen in Deutschland wieder - derweil wird Kritik an vielen Maßnahmen der Regierung lauter. Droht die Gefahr, dass das Virus nicht mehr ernst genommen wird?

Onnen: Das gegenwärtige Geschehen zeigt uns die Fragilität sozialer Bedingtheiten, insbesondere die des Alltags. Menschen bewerten immer Einflüsse auf eben diesen Alltag aus einer persönlichen und subjektiven Perspektive. Diese Einflüsse werden als "gut" oder "schlecht" eingeschätzt. Einschätzungen nehmen wir nach unseren Erfahrungen, unserem Gelernten vor. 
Das Virus, auch wenn es schon Monate unseren Alltag beeinflusst, ruft immer noch Ängste und Verunsicherungen hervor, wir haben keine Erfahrung und keine Routine im Umgang mit diesem. Angst wird heute immer mehr zu einer neuen sozialen Dimension, das bedeutet, dass immer mehr Menschen komplexe Probleme der Gesellschaft nicht mehr eingeordnet bekommen und keine Möglichkeiten finden, um einen für sie angemessenen Umgang damit zu finden. Alles wird zu komplex, um es zu verstehen und zu anstrengend, um es leicht erklären zu können. Daher kommt es, dass es Menschen gibt, die zum eigenen Schutz das Virus ausblenden, um sich mit ihm nicht auseinandersetzen zu müssen.
Es bleibt fraglich, wer dabei helfen kann, diese Unmöglichkeiten zu lösen - wer hat eine Antwort? Diese "Korrektive" sind nicht für jeden und jede sichtbar – politische Maßnahmen scheinen nicht für alle Menschen annehmbar zu sein. Und auch das 3. Newtonsche Axiom ist gegenwärtig beobachtbar: Jede Reaktion ruft eine Gegenreaktion hervor. Politische Entscheidungen, zum Beispiel einen Mundschutz zu tragen, lösen bei einigen Menschen eine Reaktion des Dagegenseins aus. Man muss sich immer vor Augen halten, dass zurzeit niemand das Virus wegreden kann - es ist und bleibt in unserem Leben. Wir müssen den Umgang mit ihm lernen und uns immer bewusst sein, dass es eine große Zerstörungskraft hat. Wenn uns das bewusst ist, nehmen wir das Virus auch ernst.

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