Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Meine Schwesterkirche

Kolumne: Auf ein Wort – Catholica, die neben Orthodoxia und Evangelica zur Familie "Kirche" gehört, ist heftig ins Schlingern geraten. Doch ihr den Rücken zu kehren, ist zu einfach.

Artikel teilen:

In der Familie „Kirche“ heißen die 3 ältesten Schwestern: Catholica, knapp 2.000 Jahre alt; Orthodoxia, gut 1.000 Jahre alt und Evangelica, etwa 500 Jahre alt. Ferner gibt es noch viele, viele Nachkömmlinge. Orthodoxia hat sich bei uns im Westen nie so recht heimisch gefühlt, Catholica und Evangelica haben in den letzten Jahrzehnten enorm an Gewicht verloren. Zudem ist Catholica heftig ins Schlingern geraten, Altlasten.

Leider residieren im Familiensitz von Catholica (Vatikan) einige angejahrte Herren, den Blick rückwärtsgewandt, sich in glorreicher Vergangenheit sonnend. So können ihre Augen das Sehnen der Gläubigen in der Gegenwart in unserem Land nicht wahrnehmen: Synodaler Weg, Maria 2.0, Priesterin und mehr.

Wie weh muss es tun, wenn von „oben“ zu diesen Themen gesagt wird: Das darfst du nicht. Wie weh muss es tun, wenn man nach neuen Wegen kirchlichen Lebens sucht, sich die Knie kaputt betet und einem gesagt wird: So geht das nicht.

Und dann ist da noch das kriminelle Missbrauchsgeschehen, welches Entsetzen und Misstrauen auf allen Ebenen ausgelöst hat. Im „Netz“ war zu lesen, dass der Bundestagsabgeordnete, Professor Doktor Karl Lauterbach, im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen bei Schwester Catholica seinen Austritt erklärt hat.

"Weglaufen, weil sich meine Schwester Catholica beim Thema Missbrauch katastrophal verhalten hat, das ist wirklich nicht schwer."Jörg Schlüter

Mit Verlaub, der macht es sich aber wirklich einfach. Da fallen mir die Worte ein, die Lothar Zenetti, ein deutscher katholischer Theologe und wunderbarer Lyriker, einmal gesagt hat: „Ich habe durchaus an der Kirche, so wie sie ist, einiges auszusetzen. Ich fürchte indessen, der Kirche geht es, was mich betrifft, nicht viel anders.“

Was oft vergessen wird: Es gibt Hunderttausende Ehrenamtliche, die sich in ihren Gemeinden dafür einsetzen, dass Kirche lebt. Es gibt Hunderttausende Gläubige, die ihre Zeit opfern, dass Kirche lebt. Es gibt Hunderttausende Engagierte, die der Kirche ihre Kraft schenken, dass Kirche lebt. Es gibt Hunderttausende, die nichts mehr tun können, als ihre Hände zu falten, um für andere zu beten, dass Kirche lebt. Es gibt Hunderttausende Hauptamtliche, die ihren Job großartig meistern, dass Kirche lebt.

Meine Schwester Catholica, das sind für mich weder die Herren im Vatikan noch die Kriminellen, die Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Meine Schwester Catholica sind die vielen, die sich ihr auf unterschiedlichste Weisen widmen. Meine Schwester Catholica sind die Millionen, die jedes Wochenende die Messe besuchen, damit ihre Seelen nicht verdursten.

Weglaufen, weil sich meine Schwester Catholica zum Beispiel beim Thema Missbrauch katastrophal verhalten hat, das ist wirklich nicht schwer. Aber sagen: „Ich bleibe, denn auch ich bin das Gesicht der Kirche“, das ist Profil. So möchte die jüngere Schwester der älteren Mut machen: „Lass nicht ab vom synodalen Weg, von Maria 2.0 und der Priesterin! Ihr habt das Grundgesetz (Artikel 3) auf eurer Seite: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“


Zur Person:

  • Jörg Schlüter ist evangelischer Geistlicher. Er war von 1998 bis 2011 Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Vechta.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Meine Schwesterkirche - OM online