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Meine Ärzte sind oder machen sprachlos

Corona verändert die Menschen: Während ein Fachmediziner von seinen eigenen Angestellten beschimpft wird, mutiert ein Hausarzt zum Oberverschwörer.

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Mein Facharzt und ich sind gemeinhin sehr kommunikative Menschen. Wenn es etwas mitzuteilen gibt, tun wir das gerne. Und aktuell gibt es sehr viel Bedarf. Dabei geht es natürlich um jenes Thema, um das sich alles dreht: Plastische Chirurgie. Nein, Scherz beiseite, es geht natürlich um Covid-19. Schnell und mit wenigen Worten merken wir beim jüngsten Routinetermin, dass wir auf einer Linie liegen: Die zahlreichen Wissensverweigerer, Impfgegner und Aufklärungsabkehrer machen nur noch fassungs- und sprachlos.

Vollkommen fassungslos machte meinen Facharzt, so erzählt er, auch das Verhalten einiger seiner Angestellten. Denn: Das gesamte Praxispersonal war neulich gegen Covid-19 geimpft worden – mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. Also jenem wichtigen Baustein der Pandemie-Bekämpfung, dessen Anwendung Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag vorübergehend gestoppt hatte, weil es bei 0,0004375 Prozent aller bislang in Deutschland verabreichten Fälle zu Hirnvenenthrombosen kam.

Folge: Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attackierten den Facharzt verbal, weil er daran schuld sei, dass ihnen "Gift" injiziert wurde. Da fehlten nach eigenen Angaben selbst diesem gebildeten und sprachgewandten Menschen die Worte. Vielleicht hätte der Hinweis geholfen, dass die Wahrscheinlichkeit, von einem Getränkeautomaten erschlagen zu werden, etwa doppelt so hoch ist wie eine Astrazeneca-Thrombose ...

Wie auch immer: Während der eine Mediziner sprachlos ist, macht ein anderer nur noch sprachlos. Ein guter Bekannter, mit dem ich viele lustige und lange Partys gefeiert habe und der mehr als 20 Jahre lang mein Hausarzt war – eine Vertrauensperson ersten Grades also – ist im Zuge der Pandemie zu einem Vorreiter der vereinigten Covidioten mutiert. In den einschlägigen Online-Netzwerken äußert er sich in steter Regelmäßigkeit so: "Wieder duckt sich die Herde. Das haben die Nationalsozialisten vor 80 Jahren in Deutschland schon einmal geschafft. Offenbar schaffen es jetzt die Internationalsozialisten wieder!"

Das hinterlässt mich nicht nur sprach- und fassungslos, sondern zunehmend auch wütend. Ich habe daher beschlossen, dass ich mit diesem Menschen nichts mehr zu tun haben möchte. Zudem werde ich ab sofort immer ganz laut "Hier" schreien, wenn infolge von ministeriellem Murks und ärztlichen Aussetzern kurzfristig noch Abnehmer für den Astrazeneca-Wirkstoff gesucht werden.

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