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Mehr Vertrauen in Laien, weniger Kontrolle

Wie lautet die Lehre aus der Krise um die Klinik-Fusion in Oldenburg? Der Vechtaer Weihbischof Theising sollte den synodalen Weg, den er moderiert, in seinem Verantwortungsbereich auch beschreiten.

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Der Burgfrieden ist wieder hergestellt zwischen Weihbischof Wilfried Theising und dem Pius-Stift in Oldenburg. Das katholische Hospital will mit dem Evangelischen Krankenhaus fusionieren, um sich für die Klinik-Landschaft des 21. Jahrhunderts aufzustellen, um gemeinsam auf Dauer universitäre Ansprüche zu erfüllen. Die Angebote der beiden Einrichtungen passen hervorragend zusammen. Die Fusion passt nur nicht ins Weltbild des Offizials.

Oder wie lässt sich erklären, dass Theising hoffte, eine aktuell vielleicht nicht notwendige, aber doch ernsthaft zu diskutierende Strukturmaßnahme im autoritären Handstreich und mit Verweis auf eine Stiftungsurkunde aus dem 19. Jahrhundert vom Tisch wischen zu können. Dass die Leute in Oldenburg auf die Barrikaden gegangen sind, ist kein Wunder. Die Lage wäre wohl kaum derart eskaliert, wenn Theising – statt zu befehlen – argumentiert hätte. Zum Beispiel, dass die Pflege der Kranken ein besonderes katholisches Anliegen sei und man deshalb Träger bleiben wolle.

Nun geht es nur noch um Gesichtswahrung. Der Flurschaden ist so groß, dass ein teures Spezialbüro aus München, das sonst Wiesenhof beschützt, die Krisenkommunikation übernimmt. Vom Weihbischof öffentlich kein Wort.

Der Formelkompromiss lautet: Das Pius-Stift bleibt selbstverständlich ein „katholischer Leuchtturm“, und vor Ort wird dann eben still und leise fusioniert. Am Ende hat das Krankenhaus zwei Eingänge. Menschen, die Hilfe suchen, halten solche theologischen Tricks aus, solange sie behandelt werden. Diese Frage ist in der Satzung der Pius-Stiftung eindeutig geregelt. Geholfen wird jedem.

"Das kommunikative Desaster verstärkt den Eindruck, dass die Kirchenbehörde insbesondere mit der Sicherung der Klinikstrukturen in der Region überfordert ist."Ulrich Suffner, Chefredakteur OM-Medien

Das kommunikative Desaster verstärkt den Eindruck, dass die Kirchenbehörde insbesondere mit der Sicherung der Klinikstrukturen in der Region überfordert ist. Schließlich zauderte und zögerte der Offizial bereits beim Krankenhausneubau Vechta/Lohne. Das verwundert um so mehr, als vor Ort mit Klinikvorstand Ulrich Pelster und dem stellvertretenden Caritas-Chef Martin Pohlmann ausgewiesene Experten als Ratgeber zur Verfügung stehen.

Zumindest bei diesem Thema soll es vorangehen. Gemeinsam mit dem Landkreis Vechta muss das Offizialat nun liefern, sonst droht weiterer Vertrauensverlust. Die Kommunalpolitik im Oldenburger Münsterland diskutiert allerdings immer häufiger die Frage, ob die katholische Kirche ein verlässlicher Partner bleibt. Es ist weit gekommen.

Der Ärger ist allerorten groß

Das Offizialat ist als kirchliche Aufsichtsbehörde seit einigen Jahren auf der völlig falschen Fährte, indem Bischof Theising mehr und mehr in die katholischen Einrichtungen hineinregiert. Reihenweise sind Ehrenamtliche aus Aufsichtsgremien weggelobt und durch die immer gleichen Personen ersetzt worden. Das hat System. Auch an der Bahnhofstraße in Vechta sind kluge Köpfe gegangen. Ergebnis: Das katholische Leben im Oldenburger Land wird nur noch aus drei Büros regiert: des Weihbischofs, seines Finanzdirektors und des Seelsorgechefs.

Das war in früheren Zeiten durchaus anders. Da hatten auch Krankenhaus-Geschäftsführer, Caritas-Direktoren, Schulräte oder Pfarrer in ihren Verantwortungsbereichen Gestaltungsfreiheiten. Kein Wunder, dass das Offizialat mehr und mehr als Profitcenter mit angeschlossener Kapelle wahrgenommen wird. Kein Wunder, dass das Führungstrio bisweilen den Überblick verliert.

Bei aller Notwendigkeit von Kostenkontrolle und Strukturreform wegen sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen erwarten die Katholiken von ihrem Moorpapst doch deutlich mehr. Zum Beispiel, dass sich Vertreter der verfassten Kirche blicken lassen und vielleicht sogar das Wort ergreifen, wenn vor Ort für Frieden in der Ukraine demonstriert wird.

Der Grundgedanke, der den Offizial als Seelsorger und Manager antreibt, ist dabei eigentlich ein guter, ein richtiger. Der Weihbischof hat mehrfach öffentlich geäußert, dass katholische Einrichtungen abseits der Kirchengemeinden für die Weitergabe des Glaubens immer wichtiger werden. Theising will diese Einrichtungen deshalb erhalten und pflegen – als Orte, an denen Menschen überhaupt noch Kontakt zur Kirche finden.

Wenn in einigen Jahren nur noch eine Handvoll Pfarrer zwischen Damme und Wangerooge hin und her hasten, wenn nur noch die Allertreuesten zum Gottesdienst kommen, werden Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Bildungsstätten noch wichtiger, um die Kirche überhaupt in der Welt zu halten. Man will ja nicht zu einer Sekte verkommen.

Die Zukunft lässt sich nicht auf Misstrauen bauen

Doch leider verfolgt Wilfried Theising auch einen zweiten Gedanken konsequent. Dass nämlich alle diese Kontaktpunkte christlichen Lebens aus dem Offizialat zu kontrollieren, zu lenken seien – wie Marionetten. Dieser Gedanke aber führt zurück in die Vergangenheit. Genauso wie der Versuch, Einrichtungen personell und inhaltlich zu Orten der reinen Lehre zu machen. Solche Theologie endet in der Wagenburg.

Ein richtigerweise angestrebtes, dezentrales Missionskonzept lässt sich nicht auf Misstrauen bauen. Die Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort wissen in den allermeisten Fällen, was zu tun ist. Nicht nur in Oldenburg. Sie brauchen für ihren Dienst finanzielle Unterstützung, geistliche Inspiration und einen kompetenten Partner, mit dem sich Wege und Ziele und – ja – auch ein belastbarer Businessplan entwickeln lassen. Aber bitte auf Augenhöhe.

Das Offizialat als Service-Center für die katholische Sache, für weltoffenes, christliches Leben im Oldenburger Land – in dieser Funktion hätte die traditionsreiche Kirchenbehörde in der Zukunft in der Tat eine Existenzberechtigung. Es ist an der Zeit, den Laien mehr zuzutrauen, ihnen zu vertrauen. Es reicht nicht, den Synodalen Weg zu moderieren, der Weihbischof muss ihn auch beschreiten.

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