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Mehr Mut: Mehr Männer in die Politik

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Wie emanzipiert sind wir, wenn wir gebetsmühlenartig betonen, dass das Geschlecht eines Kandidaten keine Rolle spielt? Ein Beispiel aus Lohne.

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Die Zeiten, sie wandeln sich. "The Times, They Are  A-Changin'" hat schon Liedermacherin Roberta Dylan gesungen. Kürzlich ist der Wandel auch in Südoldenburg angekommen. Und damit ist nicht gemeint, dass die Bürger das Auto in der Garage lassen, junge Frauen auf der Großen Straße mit ihren E-Bikes posen oder Priesterinnen künftig nach der dritten Scheidung nochmal heiraten dürfen.

Der Wandel ist noch krasser: In Lohne wagt es ein gewisser Dr. Hendrik Voet für das Bürgermeisterinnenamt zu kandidieren. Dass die CDU ernsthaft einen Mann für solch einen wichtigen Posten antreten lässt, zeigt, dass die Emanzipation zwischen Dammer Bergen und Thülsfelder Talsperre aber sowas von angekommen ist.  

Gut, Sie könnten einwenden, dass mit Silvan Breher längst ein Mann  ein hohes Mandat für die CDU wahrnimmt. Aber es ist die Partei selbst, die betont, dass Lohne endlich reif sei für eine männliche Bürgermeisterin und dass alle, die das anders sehen, astreine Sexisten seien. Stimmt: Jeder sollte sich schämen, immer noch zu denken, dass Männer hinter den Herd gehörten. Aber Restzweifel bleiben, ob ein Kerl das schaffen kann, neben Kind und Kegel – wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand und zwischen den Zeilen der derzeit tobenden Leserbrief-Schlammschlacht und des Social-Media-Geschwurbels.

"Und vergesst eins nicht: Wir haben sogar eine männliche Bundeskanzlerin."Stefan Freiwald

Die anderen Parteien und Gruppierungen haben sich prophylaktisch dagegen verwahrt, sexistisch zu sein. Nein, das interessiert sie nicht, betonen sie. Voet, egal ob Mann oder Frau, sei einfach nicht der richtige Kandidat, obwohl seine Kampagne an sich schon sexistische Klischees bediene. Er bringe keinen frischen Wind, weil er ja doch von hier stamme und seine Partei für eine Politik von gestern stehe. Und dennoch sei er verdächtig, weil er von außen komme.

Ja, was denn nun? Ach, suchen Sie sich ein Argument aus der Ihnen genehmen untersten Schublade. Würde die Opposition auch so reden, würde die CDU auch so agieren, würden sich alle gegenseitig Sexismus vorwerfen, wenn Voet eine Frau wäre?

Also, liebe Freundinnen, Heimatfans und Frische-Wind-Liebhaberinnen aller Parteien und Wählergemeinschaften, kommt mal runter von euren Vorurteilen über das andere Geschlecht. Hört auf über Fragen zu diskutieren, ob jemand von hier oder von dort oder ob von rechts oder links der Autobahn stammt. Lasst uns doch lieber wirklich emanzipiert sein und einfach über Inhalte reden, über Schulen, Kitas, Verkehrswende, Wirtschaft, meinetwegen sogar über Fußgängerzonen. Das würde Roberta Dylan stolz machen. "You better start swimmin' before you'll sink like a stone...", heißt es in ihrem Lied. Und vergesst eins nicht: Wir haben sogar eine männliche Bundeskanzlerin. 


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (48) arbeitet als Redakteur für OM-Medien und hat ein Büro für PR, Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement in Vechta. Er wohnt mit seiner Familie in Oythe.

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