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Mehr Gelassenheit, bitte!

Meine Woche: Facebook, Instagram und WhatApp fallen für 6 Stunden aus. Klingt nach der ganz großen Katastrophe. Ist es aber nicht.

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Stellen wir uns einfach mal vor, in 500 oder 1000 Jahren graben sich Historiker irgendwo auf der Erde durch digitale und analoge Archive, die beim Bau eines neuen interplanetaren Busbahnhofs entdeckt werden. Und wie sie da so die Hinterlassenschaften vergangener Zivilisationen sichten, stoßen sie auf eine der großen Katastrophen der Menschheit, die am 4. Oktober 2021 die ganze Welt in ihren Grundfesten erschütterte. Die humanitären Auswirkungen müssen katastrophal gewesen sein, der volkswirtschaftliche Schaden immens.

So zumindest der Eindruck, den man auch heute schon gewinnen kann, wenn man durch den Nachrichtenüberblick der Woche blättert. Denn am Montag waren die Sozialen Medien Facebook, Instagram und WhatsApp weltweit für 6 Stunden ausgefallen. 3 mediale Plattformen, die zuallererst für die Unterhaltung gedacht sind oder zumindest waren, für die Präsentation von Bildern, für den Austausch mehr oder weniger kurzer Nachrichten. Ja, es gibt politische Aktivisten, verfolgte und geflüchtete Menschen, für die insbesondere WhatsApp fast schon überlebenswichtig ist. Und ja, manche Influencer verdienen ihr Geld mit diesen Medien. Für den größten Teil der Weltbevölkerung aber hängen weder die Existenz noch Einkommen von den Plattformen ab.

Und trotzdem erlebten wir in dieser Woche ein mediales Beben sondergleichen. Regionalzeitungen produzierten ganze Sonderseiten, seriöse Wochenzeitungen sinnierten über den Tag, „an dem Facebook uns auf uns selbst zurückwarf“ (Die Zeit), über eine „Gestörte Welt“ (Spiegel) und produzierten lange Erklärstücke zu der Frage, wie Facebook & Co. aus dem Internet verschwanden.

Vielleicht bin ich altmodisch, ganz sicher bin ich kein Digital Native, aber mich hat diese Aufregung etwas ratlos zurückgelassen. Als gäbe es keine anderen Kommunikationsmittel (SMS, Telefon), als würde unser Seelenheil vom WhatsApp-Status und dem hochgeladenen Foto der leckeren Currywurst abhängen. Kurz und gut: Mir hat der mediale Hype mehr Sorgen gemacht als der Ausfall der Social-Media-Dienste. Die Lehre aus dem Kurzausfall ist für mich nicht, dass Mark Zuckerberg uns alle im Griff hat oder dass ein Leben ohne Soziale Medien vielleicht möglich, aber sinnlos ist. Ich befürchte vielmehr, dass wir viel zu nervös, hektisch und panisch auf all das reagieren, was kurz mal nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen. Meine Lehre, mein Wunsch: mehr Gelassenheit, bitte!

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