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Mehr als nur ein "Tobeonkel"

Meine Woche: Über den Mangel an Männern in Kitas.

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Gefühlt ist erst ein Wimpernschlag vergangen, seitdem ich das kleine Bündel Leben in meinen Armen hielt. Jetzt habe ich meinen Sohn Constantin in den vergangenen Tagen bei der Eingewöhnung in die Kita begleitet – die er übrigens exzellent gemeistert hat. Papa ist stolz.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will, ist folgender Umstand: Die Gesellschaft sollte sich dafür einsetzen, dass die Männerquote in deutschen Kindergärten signifikant steigt – besonders im Krippenbereich. Momentan sind etwa sechs Prozent der Betreuungskräfte männlich. Das ist zu wenig.

Zur Begründung komme ich gleich, aber zunächst einmal schildere ich meine Eindrücke. Das "Berliner Modell" zur Eingewöhnung in die Kindertagesstätte sieht eine schrittweise Trennung vom begleitenden Elternteil vor. Gleichzeitig gewöhnt sich das Kind immer mehr an die Bezugserzieherin. In der Praxis bedeutet dies, dass Vater oder Mutter zu Beginn eine Zeit in der Gruppe anwesend sind. Die eigentliche Trennung erfolgt sukzessive.

Kinder profitieren von mehr Männern in der Kita

Während dieser Phase erlebte ich, welche Wirkung ein Mann auf die Kleinen haben kann. Ob Max, Hannah, Theo oder Tom – sobald ich einige Minuten in der Gruppe verbrachte, interagierten die Ein- bis Dreijährigen mit mir - mit großer Freude.

Da musste ich beim Aufbau eines Klötzchenturms helfen, die Figuren die Kugelbahn herunterfahren lassen oder Bälle zurückwerfen. Es kam auch vor, dass ein Mädchen einen Knuddelangriff von hinten startete oder ein Junge mir im Übereifer ein Spielzeug auf die Nase schlug. Die Kinder banden mich in ihr Spiel ein. Ich war geradezu eine Attraktion bei den "Kleinen Füchsen".

Die Kinder profitieren von mehr Männern in der Kita. So legt eine Studie aus Norwegen nahe, dass sich die Heranwachsenden in gemischten Teams kognitiv besser entwickeln. Durch Vielfalt lernen die Kleinen das Zusammenleben der Geschlechter und Kulturen – und finden leichter individuelle Vorbilder. Dabei geht es nicht darum, dass der Erzieher als "Tobeonkel" fungiert.

Die Vorurteile in den Köpfen müssen freilich noch massiv abgebaut werden. Laut einer Umfrage des Delta-Instituts für Sozialforschung wünschen sich zwar 62 Prozent der befragten Eltern mehr Männer in Kitas. Gleichzeitig gaben 32 Prozent zu, schon mal an die Gefahr eines Missbrauchs durch männliche Erzieher gedacht zu haben. Mir hat mein Ausflug in den Kita-Alltag jedenfalls gefallen. Wiederholung erwünscht!

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