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"Masterplan Brockdorf": Das alte Feuerwehrhaus soll erhalten bleiben

Professor Dr. Volker Droste und Dr. Harald Meyer haben erste Ideen für eine städtebauliche Entwicklung des Dorfplatzes vorgestellt. Den Startschuss gibt der Umzug der Feuerwehr im Frühjahr 2023.

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Viel Lob für Brockdorfs Mitte verteilten die beiden Planer bei der Vorstellung eines Grobkonzepts zur städtebaulichen Entwicklung des Dorfplatz-Umfeldes. Ein wichtiger Bestandteil des Wandels soll das alte Feuerwehrhaus sein. Foto: M. Niehues

Viel Lob für Brockdorfs Mitte verteilten die beiden Planer bei der Vorstellung eines Grobkonzepts zur städtebaulichen Entwicklung des Dorfplatz-Umfeldes. Ein wichtiger Bestandteil des Wandels soll das alte Feuerwehrhaus sein. Foto: M. Niehues

Der Dorfplatz in Brockdorf verändert sich in den kommenden Jahren. Der für Frühjahr 2023 avisierte Umzug der Feuerwehr in einen Neubau an der Langweger Straße, südlich des Hopener Mühlenbaches, eröffnet neue Möglichkeiten – und markiert gleichsam den Startschuss für einen baulichen Wandel im Herzen der Lohner Bauerschaft. Eine Entscheidung hat die Lohner Politik bereits einmütig getroffen: Auch wenn die Brandbekämpfer künftig von ihrem neuen Domizil aus ihre Einsätze fahren – der markante Altbau am Dorfplatz soll erhalten bleiben.

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung stellten Professor Dr. Volker Droste (Büro Droste, Droste & Urban aus Oldenburg) und Dr. Harald Meyer (Büro "Stadtlandschaft" aus Hannover) jüngst erste Ideen für das Projekt vor, welches im Rathaus den Namen "Masterplan Brockdorf" trägt. Sie präsentierten drei städtebauliche Varianten zur Neugestaltung des Ortskerns. 

Eingangs hatte Matthias Reinkober in das Vorhaben eingeführt. Der stellvertretende Bauamtsleiter berichtete, dass der Kindergarten St. Maria Goretti, die Grundschule und der Sportverein Grün-Weiß (GW) Brockdorf verschiedene, zum Teil umfangreiche Erweiterungswünsche formuliert hätten. Aus diesem Grund halte die Verwaltung die Aufstellung eines Masterplans für den gesamten Ortskern für erforderlich. Das Ziel: Die Einzelprojekte sollen sich in die städtebauliche Struktur der Bauerschaft harmonisch einfügen.

Viel Lob für den Brockdorfer Dorfplatz

Meyer ging detaillierter als zuvor Reinkober auf den Ist-Zustand am Dorfplatz und die "Wunschlisten" der Beteiligten ein. Die Planer seien bei ihren Grobkonzepten von folgenden Flächenbedarfen ausgegangen, die jeweils um 20 Prozent für Konstruktion, Erschließung und so weiter ergänzt worden seien: Grundschule (312 Quadratmeter), Sportverein (360 Quadratmeter) und Kindergarten (456 Quadratmeter). Meyer sagte: "Der Koffer ist eigentlich zu klein, um alles hinein zu kriegen." Zudem stellte er fest: "Es ist schon viel Wertvolles da, was wir als milieuprägend erachten."

Droste bedankte sich zu Beginn für den „tollen Auftrag“. Brockdorf sei ein „wunderbares kleines Dorf“. Er führte aus, dass er gemeinsam mit seinem Kollegen und langjährigen Freund den Ort zunächst "in einem intensiven Spaziergang" kennengelernt hätte.

"Der Materialkanon ist erfreulich beschränkt, stimmig und sympathisch."Professor Dr. Volker Droste, städtebaulicher Berater der Stadt Lohne

Der geschäftsführende Gesellschafter und Partner im Architekturbüro Droste, Droste & Urban sowie Honorarprofessor an der Jadehochschule in Oldenburg, der seit einigen Jahren Lohnes städtebaulicher Berater ist, teilte mit, dass der Dorfplatz zur Langweger Straße nicht durch neue Gebäude geschlossen werden sollte. Er lobte die Pkw-Stellplätze an der Zerhusener Straße, die "kaum auffallen und ebenso nützlich wie schön gestaltet sind". Die Parkfläche auf dem Dorfplatz selbst soll aus Sicht der Experten im Bestand möglichst erhalten werden.

Zum in den 1970er Jahren errichteten und in den 1990er Jahren teilweise umgebauten Feuerwehrhaus sagte Droste: Das Gebäude habe zwar nicht die Qualität eines Baudenkmals, es sei aber so vertraut und biete viel Potenzial. Er schlug eine Umnutzung vor, die die markanten Ausfahrtstore und den Turm berücksichtigt. Ziel müsse es sein, möglichst viele Freiräume zu erhalten.

Weiter lobte Droste: Die Ensemblewirkung rund um den Dorfplatz sei stark. "Der Materialkanon ist erfreulich beschränkt, stimmig und sympathisch." Die Eiche mit der Einfassung könnte neu interpretiert und freiräumlich umgestaltet werden.

Kein Baudenkmal, aber ein markantes Gebäude: das alte Brockdorfer Feuerwehrhaus. Archivfoto: TimphausKein Baudenkmal, aber ein markantes Gebäude: das alte Brockdorfer Feuerwehrhaus. Archivfoto: Timphaus

20 Parkplätze soll der Dorfplatz behalten

Droste konstatierte: Die Nähe von Kindergarten und Grundschule zueinander habe eine besondere Qualität. Die Zuwegung zur Sportanlage sei räumlich gut gefasst, biete eine gute Orientierung. Das GWB-Kassenhäuschen nannte er "standortprägend, bestimmt lange erinnerbar und somit unverrückbar".

Meyer ging auf die ersten Skizzen und Vorentwürfe ein. Er sagte, dass man möglichst viel Baumbestand und Freiräume erhalten wolle. Deshalb gehe man in die Zweigeschossigkeit. Gut 20 Parkplätze auf dem Dorfplatz werde man bei allen Varianten bereitstellen können.

"Neu bauen kann jeder. Wir sollten lieber den Charme des Dorfplatzes erhalten."Konrad Rohe, Mitglied der CDU-Fraktion im Lohner Stadtrat

Dann stellte der Architekt und Stadtplaner die drei Varianten vor. A und B sahen jeweils einen Neubau für die Grundschule als Solitär parallel zur Zerhusener Straße vor. Der marode Kindergarten würde durch einen Neubau – mal kubisch, mal als amorpher Annex – ersetzt und durch ein umgenutztes Feuerwehrhaus ergänzt. Der Sportverein könnte – in allen Varianten – einen Anbau ans Vereinsgebäude in nordwestlicher Richtung erhalten. Variante C unterschied sich vor allem dadurch, dass das Feuerwehrhaus abgerissen werden würde, um Platz für den Kita-Neubau in orthogonaler Form zu schaffen.

Während der Debatte trat eine deutliche Präferenz für einen Erhalt des Feuerwehrhauses zutage. Konrad Rohe (CDU) sagte stellvertretend: "Neu bauen kann jeder. Wir sollten lieber den Charme des Dorfplatzes erhalten." Droste ergänzte, dass dies die klare Empfehlung der Planer sei – auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Eckhard Knospe (SPD/Grünen-Gruppe) kritisierte die Verwaltung. Er hätte die Präsentation gerne vorab erhalten. "So ist es nahezu unmöglich, eine Entscheidung zu fällen." Weiter bemängelte er, dass der "Masterplan Brockdorf" bisher nicht politisch beraten worden sei. Rohe und Ulrich Zerhusen (CDU) stimmten Knospe in Teilen zu.

Keine Mehrheit für eine Bürgerbeteiligung

Bauamtsleiter Ralf Blömer verteidigte das Vorgehen. Dass die Verwaltung zunächst mit allen Beteiligten gesprochen und dann die Planer einbezogen hatte, habe praktische Gründe gehabt. "Über ein leeres Blatt Papier zu diskutieren, wäre nicht zielführend gewesen."

Zerhusen und Julian Tillesch (UBG) regten an, die Brockdorfer um ihre Meinung zu bitten. Tobias Hermesch (CDU), der selbst in dem Dorf wohnt, sagte aber: Alle wesentlichen Personen seien im Boot, man solle das Projekt nicht weiter verkomplizieren.

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