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Marktbeschicker in Vechta sollen für Absperrung zahlen

Die Stadt möchte die Mehrkosten für die Sperrung der Bahnhofstraße auf die Händler umlegen. Doch die wehren sich. Wird der Markt in Vechta für kleine Beschicker zu teuer?

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Bislang sperren die Marktleute selbst die Bahnhofstraße. Das soll bald vorbei sein. Doch wer kümmert sich dann um die Absperrung. Und wer bezahlt? Foto: Freiwald 

Bislang sperren die Marktleute selbst die Bahnhofstraße. Das soll bald vorbei sein. Doch wer kümmert sich dann um die Absperrung. Und wer bezahlt? Foto: Freiwald 

Seit mehr als 20 Jahren steht Hans Krogmann samstags auf dem Wochenmarkt in Vechta. "Moin, meine Liebe, was darf ich dir Gutes tun?" Der Bäckermeister ist nie um einen Spruch verlegen. Deshalb ist der Quakenbrücker für viele Kundinnen und Kunden sowas wie ein Teil des Vechtaer Wochenmarkt-Inventars.

Krogmann hat schon auf dem Neuen Markt gestanden, als neben ihm nur ein Obsthändler und ein Geflügelstand ihre Ware feilboten. Mittlerweile sind 10 und mehr Beschicker samstags auf dem Wochenmarkt zu finden. Doch das, was die Stadt Vechta jetzt vor hat, könnte die Zahl wieder verringern und neue Beschicker abschrecken, fürchtet Krogmann.

Wer schleppt die Baken die Straße hinauf?

Es geht um die Absperrung des Marktes an der Bahnhofstraße. Damit allen Verkehrsteilnehmern klar ist, dass sie mittwochs- und samstagsvormittags wegen der Verkaufsstände nicht durch die Straße fahren können, stellen die Beschicker frühmorgens Warnschilder und Absperrbaken auf, die bislang provisorisch am Straßenrand lagern. "Um die Absperrungen vor Missbrauch und Diebstahl zu schützen und auch aus optischen Gründen, muss die Lagerung zukünftig anders geregelt werden", schreibt ein Mitarbeiter der Stadt Vechta an die Beschicker. Demnach soll ein Container an der Kreuzung zur Kolpingstraße aufgestellt werden. Dort sollen die Baken künftig "ordnungsgemäß" lagern.

Gehört auf dem Wochenmarkt in Vechta zum Inventar: Bäckermeister Hans Krogmann aus Quakenbrück. Foto: FreiwaldGehört auf dem Wochenmarkt in Vechta zum Inventar: Bäckermeister Hans Krogmann aus Quakenbrück. Foto: Freiwald

Doch das geht vielen Beschickern buchstäblich zu weit. Sie möchten die Absperrungen nicht die gesamte Straße morgens herauf- und mittags wieder heruntertragen. "Wissen Sie, wie schwer so eine Absperrung ist?", fragt Krogmann. Der Gummifuß einer einzelnen Absperrung wiege fast 30 Kilogramm. So haben einige Markthändler die Stadt Vechta gebeten, den Auf- und Abbau zu übernehmen – als Serviceleistung.

10.000 Euro im Jahr kostet die Absperrung

Eine Serviceleistung, die sich die Stadt Vechta aber bezahlen lassen möchte. Mit 10.000 Euro schlägt es jährlich zu Buche, wenn der Bauhof oder eine Fremdfirma das übernehmen möchte, wie die Stadt schreibt. Der Betrag müsste auf alle Markthändler umgelegt werden. "Das würde die Standgebühr für manche von uns verdoppeln oder verdreifachen", kritisiert Christian Rolfes, der samstags auf dem Markt Rindfleisch aus Bakum verkauft. Besonders für die kleinen Händler würde sich das Geschäft dann kaum lohnen. "Wir haben ja ein Gewerbe auf Rädern und können uns auch woanders auf den Markt stellen", sagt Rolfes. Die Vielfalt des Angebots, wegen derer der Markt so gut angenommen werde, sei in Gefahr und damit auch der Einzelhandelsstandort an sich. Denn viele Kunden würden durch den Markt erst in die Innenstadt gelockt.

Auf anderen Wochenmärkten gibt es mehr Service seitens der Kommunen, findet Christian Rolfes, der Rindfleisch aus Bakum verkauft. Foto: FreiwaldAuf anderen Wochenmärkten gibt es mehr Service seitens der Kommunen, findet Christian Rolfes, der Rindfleisch aus Bakum verkauft. Foto: Freiwald

Rolfes und auch Bäcker Krogmann verweisen auf andere Wochenmärkte, auf denen zum einen die Standgebühren günstiger und die Serviceleistungen größer seien. So übernehme die Stadt Quakenbrück für ihre Marktbeschicker die Absperrung des Marktplatzes kostenlos. Außerdem stelle die dortige Verwaltung einen Toilettenwagen für die Beschicker, während die Verkäuferinnen und Verkäufer in Vechta beim nahegelegenen Bäcker auf das Klo gehen müssten. Die Stadt Lohne wiederum kassiere deutlich weniger Standgebühren und investiere diese auch noch in Werbung für den Wochenmarkt.

"Es gibt Beschicker, die zahlen nicht einmal 14 Euro im Monat."Herbert Fischer, Sprecher der Stadt Vechta

Die Stadtverwaltung hält dem entgegen, dass die Standgebühr niedrig und seit 25 Jahren unverändert seien. "Es gibt Beschicker, die zahlen nicht einmal 14 Euro netto Standgebühren im Monat", schreibt Stadtsprecher Herbert Fischer. Im Übrigen hätten sich einige Händler im Gespräch mit der Verwaltung dafür ausgesprochen, die Mehrkosten für die Absperrung zu tragen. Aber die Stadt gibt sich verhandlungsbereit und prüft laut Fischer weitere Möglichkeiten, die Bahnhofstraße für den Markt zu sichern, zum Beispiel mit versenkbaren Pollern. "Vielleicht kann man da Synergien nutzen", mutmaßt der Stadtsprecher.

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