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Manfred Schlömer pflegt seinen eigenen Naturschutz-Pressespiegel

Seit mehr als 30 Jahren sammelt der Lutter Leserbriefe und Artikel zum Thema Naturschutz. Mittlerweile hat der 65-Jährige mit mehr als 40 vollen Ordnern ein Platzproblem.

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Blättert gerne in den Ordnern: Manfred Schlömer aus Lutten sammelt seit mehr als 30 Jahren Artikel und Leserbriefe zu Umweltthemen. Foto: C. Meyer

Blättert gerne in den Ordnern: Manfred Schlömer aus Lutten sammelt seit mehr als 30 Jahren Artikel und Leserbriefe zu Umweltthemen. Foto: C. Meyer

"Rüschendorf, Ringstraße, hieß der Schauplatz der Holzaktion. Um 15 Uhr war alles vorüber. Davor geschah das, was die Nachbarn unglaublich nannten." Es ist der erste Satz des Leserbriefs von Bernd Kessens aus Damme. Die Überschrift lautet "Holzhacker in Rüschendorf". Was war denn so unglaublich? Kessens kritisiert in diesem Leserbrief einen Landwirt, der rund 50 Erlen fällte. Er beendet seinen Brief mit den Worten: "Dieser Landwirt geht mit der Natur um, als hätte er eine weitere im Keller. Wir fordern Wiedergutmachung!"

Diese Zeilen erschienen vor mehr als 35 Jahren, am 11. Februar 1986, in der Oldenburgischen Volkszeitung. Und es ist der erste Leserbrief im "persönlichen Archiv" von Manfred Schlömer aus Lutten. Der 65-Jährige sammelt seitdem alle Artikel und Leserbriefe zum Thema Naturschutz, die in der OV erscheinen.

Den ersten Leserbrief heftete Manfred Schlömer im Februar 1986 ab. Foto: C. MeyerDen ersten Leserbrief heftete Manfred Schlömer im Februar 1986 ab. Foto: C. Meyer

Wieso er damit angefangen hat, kann Schlömer gar nicht so richtig beantworten. Es sei Zufall gewesen, dass er den Leserbrief von Bernd Kessens abgeheftet habe. Daraufhin erwuchs die Idee, weiter zu sammeln. Die "Schweinereien", wie er sie nennt, haben ihn aufgeregt. Und Naturschutz habe ihn schon immer beschäftigt, sagt das Gründungsmitglied von Pro Natura, Landkreis Vechta. So wollte er die Vorgänge im Landkreis dokumentieren und auch begleiten. "Das war einfach für mich.“

Dabei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich was angesammelt. Mehr als 40 volle Ordner stehen mittlerweile in dem Arbeitszimmer von Manfred Schlömer. Dabei sind die Ordner aus der jüngeren Zeit durchaus voller als die aus den 1980er Jahren. "In den 80ern passte das in ein DinA4-Ringbuch, heute brauche ich zwei Ordner", sagt er und lacht. Er bekomme mittlerweile ein Platzproblem in dem Zimmer. Das habe Schlömers Einschätzung nach damit zu tun, dass heutzutage mehr über Naturschutz-Themen geschrieben werde als noch vor 30 Jahren. "Die Gesellschaft interessiert sich heute mehr dafür."

Das Naturbewusstsein habe sich in den vergangenen Jahren verändert. So hätten auch die Leserbriefe zugenommen. Allerdings beobachte er eine zunehmende Unhöflichkeit und Unsachlichkeit bei einigen Autoren. Vor einigen Jahrzehnten seien die Briefe noch differenzierter gewesen, findet Schlömer. Beim Thema Wolf beispielsweise gebe es zuweilen ziemlich "krasse" Leserbriefe. Ansonsten beobachte er eine gewisse Stamm-Autorenschaft. So sei Lutz Neubauer der "Urvater aller Leserbrief-Autoren".

Die Sammelleidenschaft wird vorerst fortgesetzt

Die Themen seien in den vergangenen Jahren aber "im Grunde gleich" geblieben, sagt Schlömer. Eines davon sei der Burgwald, das seit 30 Jahren von der Presse begleitet werde. Den "Fortschritt" habe er in seinem Archiv dokumentiert. Wobei Fortschritt seines Erachtens das falsche Wort sei. "Passiert ist da seitdem nichts."

Ein weiterer Dauerbrenner seien Fällungen von Bäumen und Wallhecken. Das beschäftige Schlömer besonders. Dabei hefte er die Artikel nicht nur einfach weg. "Das steht nicht nur im Regal rum", sagt der 65-Jährige aus Lutten. Er recherchiere bei aktuellen Anlässen durchaus in seinem "persönlichen Archiv". Schließlich sei er "im Internet nicht unterwegs". Bei Schlömer verläuft das Ganze noch ziemlich analog. Da hilft die Sammlung. Wie beispielsweise bei der geplanten Zentralklinik zwischen Lohne und Vechta. "Auf die Fläche wollte früher das Radiomuseum", sagt Schlömer. Das Vorhaben sei aber mit der Begründung, da sei ein Wald, abgelehnt worden. Jetzt, seitdem dort ein Krankenhaus geplant werde, "ist alles hinfällig". Das ärgere ihn.

Hier reiht sich Ordner an Ordner: Das Archiv sorgt mittlerweile für ein Platzproblem im Arbeitszimmer. Foto: C. MeyerHier reiht sich Ordner an Ordner: Das Archiv sorgt mittlerweile für ein Platzproblem im Arbeitszimmer. Foto: C. Meyer

Zwar werde heute mehr über Natur- und Umweltschutz geredet, aber nach Ansicht von Manfred Schlömer werde nach wie vor zu wenig in die Tat umgesetzt. Das bemerke er immer wieder, wenn er in seinen Ordnern blättert. "Ich fühle mich oft darin bestätigt, dass sich nicht viel ändert." Da könne man schon zynisch werden. Hat er da nicht überlegt, das Sammeln der Artikel und Leserbriefe aufzugeben? Den Gedanken habe es schon gegeben, gibt Schlömer zu. Aber "die Wut" habe ihn bislang davon abgehalten. Er habe vorerst nicht vor, damit aufzuhören.

Engagement kommt nicht bei jedem gut an

Schlömers Interesse für die Natur sei schon früh geweckt worden, erzählt er. Gärten hätten ihn schon immer fasziniert, mit 12 habe er bereits Vogelkästen gebaut. "Wir sind als Kinder in der Natur aufgewachsen", erinnert der 65-Jährige sich. Doch in den 1980er Jahren beobachtete er zunehmende Probleme mit Gülle oder auch Flurbereinigungen im Landkreis Vechta. "Da wurde nicht so viel Rücksicht auf die Natur genommen."

Lange Zeit sei er deshalb ein "Einzelkämpfer" in Lutten in Sachen Naturschutz gewesen. Er habe beispielsweise Nistkästen aufgehängt oder auch mal die Behörden eingeschaltet, wenn unerlaubt in die Natur eingegriffen wurde. Oft habe er dabei auch versucht, sagt er, mit den Leuten direkt ins Gespräch zu kommen, um sie davon zu überzeugen, eine Baumfällung vielleicht doch nicht vorzunehmen. Manchmal sei das auch geglückt. "Einige Wallhecken sind stehengeblieben."

Doch nicht bei allen Menschen vor Ort kam das Engagement von Schlömer gut an. Er sei sogar schon bedroht worden. Aber das nehme der 65-Jährige nicht immer ernst. "Da wird schnell was gesagt." Passiert sei bislang nichts. Außerdem: "Ich bin kein ängstlicher Mensch." Er werde sich weiterhin für Umweltbelange einsetzen. Und es bleibe die Hoffnung, dass sich im Landkreis Vechta noch einiges beim Thema Naturschutz ändert.

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