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Man soll das Blinken nicht vergessen

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Diese Tage sind eine gar wundervolle Jahreszeit für alle Winterkinder. Für Autofahrer hält Väterchen Frost zudem ganz besondere Überraschungen bereit.

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„Walking in a winter wonderland…“, summe ich vor mich hin, als ich dieser Tage morgens, also gefühlt nachts, gen Auto schlafwandle. Da haben wir tatsächlich noch mal ein paar frostige Tage abbekommen. Das war nach Silvester im Poloshirt kaum mehr abzusehen. Aber nun: Die kahlen Äste der Bäume und das karge Gras glitzern kristallig und zeugen von Minusgraden. Da geht mir als bekennendem Winterkind das Herz auf. Was gleich derweil nicht in ähnlichem Maße aufgehen soll, ist die Fahrertür meines Wagens…

In einen funkelnden Panzer aus Frost gehüllt steht mein Kfz vor mir und macht kein Geheimnis daraus, dass unserer Abfahrt noch der eine oder andere Handgriff im Wege stehen wird. Und so mache ich auf halber Strecke zwischen Haustür und Auto kehrt, um das Enteiser-Spray aus dem Keller zu holen. Sorgfältig sprühe ich die Scheiben ringsum mit dem bläulichen Wunder ein und beobachte, wie die Eisschicht einem herbstlichen Wasserfilm weicht.

"Nur eine Scheibe und ein zugefrorenes Türgummi trennen mich von Sitzheizung und meinem Peter-Alexander-Hitmix."Heiko Bosse

Als ich überzeugt bin, meinen Arbeitseinsatz unter freiem Himmel beenden und ins Wageninnere wechseln zu können, sieht Väterchen Frost das gänzlich anders. Beim vorsichtigen Ziehen am Türgriff reagiert dieser – wie die gesamte Tür infolge dessen – einzig mit einem vereisten Knacken, das mir sagen soll: „Bist du des Wahnsinns, Bosse?!“ Schon gut, schon gut – wir treuen „auto motor und sport“-Abonnenten wissen natürlich, dass Gewalt hier keine Lösung ist. Ich tapere zurück ins Haus, um den Enteiser nochmals an die Front zu bitten, und wirke dabei nicht zwangsläufig wie ein kleiner Sonnenschein. Ich will nicht behaupten, dass ich ein Morgenmuffel wäre. Nein, mir geht’s einfach nur tierisch auf’n Docht, vor 11 Uhr aufstehen zu müssen, während ich mir vorstelle, wie die Geissens gerade vor Kroatien schippern. Aber egal, ich diesel’ die gesamte Tür inklusive Griff von oben bis unten mit dem Ethanol-Glykol-Gemisch ein. Kurz warten… aber jetzt! … geht’s immer noch nicht!

Während mir allmählich die Finger abfrieren und ich mich frage, ob hier im Halbdunkeln irgendwo Kurt Felix auf’m Baum sitzt, überlege ich, ob Gewalt nicht vielleicht doch eine Lösung wäre, erinnere mich dann aber, was so ein neumodischer LED-beleuchteter Türgriff als Ersatzteil kosten soll. Nur eine Scheibe und ein zugefrorenes Türgummi trennen mich von Sitzheizung und meinem Peter-Alexander-Hitmix. „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“, summe ich vor mich hin, während ich die Sprühflasche wieder ins Haus bringe und mich damit abfinde, auf den Tau-Effekt der Sonne warten zu müssen. Auf dem Rückweg zum Auto kommt mir ein Geistesblitz. Ein Geheimtipp, der bitte unter uns Winterkindern bleiben muss: Ich drücke auf dem Fahrzeugschlüssel einfach mal die Taste mit entriegeltem Schloss. Piep, piep – blink, blink. Was soll ich sagen?! Die Tür geht auf! Diese modernen Enteiser-Sprays sind echt ein Teufelszeug!

Ich hoffe, dass keiner der Nachbarn meinen morgendlichen Arbeitseinsatz beobachtet hat. Das wäre mir echt unangenehm…


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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