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"Man muss auch beim Gehör eine Regeneration zulassen"

Jeder sechste Mensch ab 55 ist von Hörverlust betroffen. Den Alterungsprozess des Gehörs könne man nicht aufhalten, sagt Hörakustikmeister Johannes Pancratz zum Welttag des Hörens am 3. März.

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Hörakustikmeister Johannes Pancratz zeigt ein modernes Hörgerät. Manche Modelle lassen sich per Bluetooth mit Telefon und Fernseher verbinden. Foto: Stix

Hörakustikmeister Johannes Pancratz zeigt ein modernes Hörgerät. Manche Modelle lassen sich per Bluetooth mit Telefon und Fernseher verbinden. Foto: Stix

Die hohen Töne sind ganz besonders oft betroffen. Wenn das Hörvermögen schwindet, dann zumeist bei Frequenzen über 2000 Herz. Die Folge: Schon hohe Kinder- und Frauenstimmen sind nur noch schwer zu verstehen. "Der Hochtonverlust ist die häufigste Form der Schwerhörigkeit", sagt Hörakustikmeister Johannes Pancratz anlässlich des Welttages des Hörens am 3. März im Gespräch mit OM-Online.

Die ersten Anzeichen, so Pancratz, seien immer die gleichen. "Man fängt an, Radio oder Fernseher lauter zu stellen, man hat den Eindruck, dass die Leute nuscheln oder fühlt sich durch Nebengeräusche stärker gestört als früher", sagt der 35-Jährige, der ein Geschäft für Hörakustik in Friesoythe betreibt. Bei Kindern sei eine fehlende Konzentrationsfähigkeit ebenso ein Hinweis auf eine mögliche Schwerhörigkeit wie ausbleibende Reaktionen auf Geräusche. "Bei den ganz kleinen wird schon im Krankenhaus bei der U1-Untersuchung geschaut, ob das Kind hört und was man gegebenenfalls tun kann."

Auch in jungen Jahren sollte man auf sein Gehör aufpassen

Schwerhörigkeit ist in Deutschland weit verbreitet. "Ab 55, spätestens ab 60 Jahren ist jeder sechste Mensch von Hörverlust betroffen", zitiert Pancratz einschlägige Statistiken. Von da an sollte man auf jeden Fall auch prophylaktisch ein Hörscreening machen. "Spätestens wenn man eines der ersten Anzeichen bei sich selbst feststellt, sollte man zum Hörgeräteakustiker oder zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen", betont Pancratz.

Vor allem aber sollte man auch in jungen Jahren auf sein Gehör aufpassen. Ein Gehörschutz bei Lärmtätigkeiten wie etwa am Presslufthammer sei selbstverständlich, aber auch nach einem Discobesuch oder einer vorübergehenden lauten Tätigkeit solle man dem Ohr eine Pause gönnen. "Man muss auch beim Gehör eine Regeneration zulassen", sagt Pancratz. Der Alterungsprozess allerdings sei nicht aufzuhalten, zudem könnten auch Tinnitus oder ein Hörsturz eine Schwerhörigkeit verursachen.

Das Stigma vom Hörgerät als Alterserscheinung beginnt zu bröckeln

Wenn der Hörverlust erst einmal zugeschlagen hat, hilft nur noch ein Hörgerät. Davor aber scheuen viele zurück. "Da gibt es das Stigma, dass Hörgerät und Alter zusammenhängen", weiß Pancratz. Deshalb würden viele lange, oft zu lange warten, bis sie ihr Hörvermögen untersuchen lassen. Seiner Wahrnehmung nach beginne dieses Stigma aber zu bröckeln. "Man ist heute beruflich mehr als früher vom guten Hören abhängig", sagt er. In den meisten Berufen sitze man immer wieder in Meetings oder hänge am Telefon. "Da ist gutes Hören unerlässlich." Und je mehr Menschen schon im Berufsleben ein Hörgerät tragen, desto normaler werde es.

Anders als früher sind Hörgeräte allerdings nicht mehr sofort zu erkennen. "Da gibt es neben den Hörgeräten, bei denen ein Teil hinter dem Ohr steckt, auch Im-Ohr-Hörgeräte, die sind so klein, die sieht man nicht", betont der Fachmann. Außerdem gebe es Systeme mit Akku und Bluetooth, die man direkt mit dem Telefon oder dem Fernseher verbinden könne. "Deren Klang ist oft so schlecht, dass der Ton auch mit Hörgerät nur schwer zu verstehen ist", erläutert Pancratz.

Krankenkasse finanziert bis zu 1500 Euro

Alle 6 Jahre finanziert die gesetzliche Krankenkasse eine Neuversorgung mit einem Hörsystem und zahlt dafür bis zu 1500 Euro. "Man kann seine Hörgeräte also durchaus auch zuschlagsfrei bekommen", betont der Hörakustikmeister. Aber natürlich kann man auch deutlich mehr Geld ausgeben. In allen Fällen allerdings habe man die Möglichkeit, mehrere Hörsysteme zu testen. "So eine Probephase mit unterschiedlichen Geräten kann auch mal zwölf Wochen dauern", sagt Pancratz. Der Hörtest hingegen ist mit 15 Minuten deutlich kürzer. Und kostenlos.

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