Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Mammutprozess nach zweieinhalb Jahren zu Ende

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ungewöhnliche Szenen spielen sich in Vechta ab. Es gibt eine Massenschlägerei. Doch wer steckt dahinter?

Artikel teilen:

In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2019 gab es in Vechta an der Großen Straße eine Massenschlägerei, die in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgte. Immerhin war eine schwarz gekleidete Gruppe von sieben bis zehn Leuten mit Schlagstöcken angerückt. Dabei wurden vier Personen nicht unerheblich verletzt.

Nach zweieinhalb Jahren konnte das Strafgericht des Amtsgerichts Vechta jetzt Urteile fällen, die rechtskräftig wurden. Ein 55-Jähriger, der als "Anführer" benannt worden war, erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung und muss 600 Euro Schmerzensgeld an zwei Verletzte zahlen. Das Verfahren gegen einen 38-Jährigen, der als Mittäter angeklagt war, wurde unter Zahlung von 300 Euro eingestellt.

Was war passiert? Die Türsteher des gastronomischen Betriebes hatten gegen den 55-jährigen Angeklagten ein Hausverbot ausgesprochen, da dieser zwei Gäste schwer verletzt hatte. Einer hatte einen Nasenbeinbruch und einen Schneidezahnbruch.

Nach dem Hausverbot rückte eine Männer-Gruppe mit Schlagstöcken an

Rund eineinhalb Stunden nach dem Hausverbot war eine Gruppe Männer mit Schlagstöcken und auch Messern, wie gesagt worden war, erneut aufgetaucht und hatte die zwei Türsteher erheblich verletzt. Sie mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ermittlungen der Polizei, die alle betroffenen Gäste anhörte und unter anderem Schlagstöcke auf DNA prüfen ließ, dauerte seine Zeit. Schließlich kam es Anfang September 2021 zur ersten Verhandlung vor dem Strafgericht.

Nach einem Rechtsgespräch erklärten die Verteidiger, dass die Angeklagten keine Aussage machen würden und mehr als zehn Zeugen zu hören seien. Das führte dann aus Termingründen zur Neuauflage im November und endete schließlich jetzt im Dezember.

"Während der 'Anführer' ziemlich klar als Täter benannt wurde, blieb es bei dem Mittäter nur bei 'Er war auch da'."Klaus Esslinger

Die Aussagen der Zeugen waren unterschiedlich. Verletzte Zeugen konnten sich nicht erinnern, wer geschlagen hatte, bei einigen konnten sie sich schwach erinnern, aber viele Aussagen ließen Fragen und Beweise offen.

Am letzten Verhandlungstag sagten die Türsteher aus und belasteten die Angeklagten deutlich. Während der "Anführer" ziemlich klar als Täter benannt wurde, blieb es bei dem Mittäter nur bei "Er war auch da".

Die Strafrichterin, als "gründlich" bekannt, musste in der Sitzung vom Strafverteidiger handschriftlich gefertigte Beweisanträge über sich ergehen lassen, die aber dann doch zu dem Vorschlag des Rechtsanwaltes führten, erneut ein Rechtsgespräch zu führen.

War das Urteil der Richter viel zu mild?

Das führte dann dazu, dass man bei einer geständigen Aussage der Angeklagten eine Abschätzung einer möglichen Strafe vornehmen könne. Die Folge: Es kam zur Aussage der Angeklagten und zu den Urteilen.

Wenn man das Ganze Revue passieren lässt, könnte man zu der Auffassung gelangen, dass es angesichts der Straftaten ein recht mildes Urteil war.

Bei einer "Nichtaussage" der Angeklagten und einer Neuauflage des Verfahrens in der Berufung vor dem Landgericht wären die Zeugenaussagen nach dreieinhalb Jahren wahrscheinlich noch ungenügender geworden. Insofern war der Verzicht der Verteidiger auf eine Berufung der wohl bessere Weg.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Mammutprozess nach zweieinhalb Jahren zu Ende - OM online